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BeitragVerfasst: 15.11.2009, 14:57 
Okay ... das klingt nach der schwierigsten Methode :)

Ich kann sehr gut nachvollziehen, das die Probleme tiefer liegend sind und es nicht nur ums Aufräumen geht. Gerade deshalb sind wir ja so hilflos, denn das mit mit einer Wohnungssäuberung ihr nicht geholfen ist (abgesehen davon, das sie die Räume wieder benutzen kann, aber wer weiß wie lange) ist klar.
Die Situation spitzt sich halt denke ich im Moment immer mehr zu, ihre Wohnung liegt oberhalb der meiner Oma im gleichen Haus und solange die noch im gleichen Haus war, war es halt alles nicht so schlimm - zumindest äußerlich das was wir sehen können, ihr innerer Zustand ist natürlich was anderes. Und die Sorgen, wie es jetzt weiter geht, da meine Oma leider nicht mehr nach Hause kommen kann, sind halt sehr groß.

Und ich verstehe sogar, das nichts tun schwer sein kann. Auch wenn man es mir vielleicht nicht glaubt, ich denke mal das es ähnlich lähmende Gefühle sind wie bei Depressionen morgens nicht aus dem Bett zu kommen. Zumindest ist das für mich im Moment der Vergleich, den ich ziehen kann und daher bringe ich recht viel Verständnis dafür auf, das sie die Handgriffe, die für andere normal sind, nicht schafft.

Ihr habt schon recht, sie ist sich dessen wahrscheinlich auf irgendeiner Art bewusst wenn sie so reagiert ... und hat sich früher schon immer entschuldigt, wenn man bei ihr war, wie es bei ihr aussieht. Und ihr war das unangenehm, klar. Aber irgendwie wirkt es halt trotzdem, als wäre es ihr nicht so ganz klar.

Das das enge Verhältnis sogar stören kann, ist mir nicht in den Sinn gekommen, allerdings ist es eigentlich vollkommen logisch (insofern man hier etwas mit Logik betrachten kann). Fremden gegenüber offen zu sein fällt schließlich den meisten Menschen leichter, da man bei denen kein oder weniger Angst vor dem Urteil hat.

Die Füße still halten und nichts tun ist wirklich sehr schwer. Aber daher frage ich ja und werde versuchen, die Ratschläge zu beherzigen und dem Rest der Familie weiter zu geben.

Danke schonmal für eure Antworten


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BeitragVerfasst: 15.11.2009, 15:04 
Liebe Tatjana,

nochmal kurz zu dir speziell, da du geantwortet hast während ich selber am tippen war und es daher nicht gelesen hatte. Danke erstmal für deinen Beitrag. Kann sein, das Curley es nicht böse meinte, aber ich fand die Worte dennoch unangebracht. Aber das Thema ist vom Tisch :)

Natürlich werde ich mich nie vollständig da hinein versetzen können, es geht einfach nicht. Ich sehe ihre Unordnung auch nicht als persönlichen Makel und keiner aus der Familie wird sie deshalb ausgrenzen oder fallen lassen. Im Moment befinden wir uns glaube ich noch zu sehr in der Phase, das wir erschrocken sind, darüber wie es im Moment halt aussieht.
Das sie einen Wert an dem Kram sieht, ist auch klar und es stimmt: Wieso lehre Zigarettenschachteln einen Wert haben, werde ich nie verstehen können. Das geht einfach nicht, wenn man die Erfahrung nicht selber hat denke ich.

Ich akzeptiere meine Tante liebend gern, denn sie ist ein toller und sehr lieber Mensch, der mir früher viel geholfen hat. Aber es ist schade, das ich selber scheinbar keine Möglichkeit habe, ihr jetzt wirklich zu helfen ...


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BeitragVerfasst: 15.11.2009, 15:16 
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Cahro hat geschrieben:
Und ich verstehe sogar, das nichts tun schwer sein kann. Auch wenn man es mir vielleicht nicht glaubt, ich denke mal das es ähnlich lähmende Gefühle sind wie bei Depressionen morgens nicht aus dem Bett zu kommen. Zumindest ist das für mich im Moment der Vergleich, den ich ziehen kann und daher bringe ich recht viel Verständnis dafür auf, das sie die Handgriffe, die für andere normal sind, nicht schafft.


Den Vergleich hast du gut getroffen!
Denn auch das Messie-Dasein ist eine Art Depression.

Schön dass du bereit bist, unsere Ratschläge anzunehmen. Es fällt schwer, das kann ich nachvollziehen. Problem ist, dass ihr als Familie, als Menschen die helfen wollen, nicht auf dem Wege an die Sache herangehen könnt, wie man es sich vorstellt, helfen zu können. Wenn ihr das erst einmal verinnerlicht habt und gelernt habt, deine Tante so anzunehmen, wie sie im Moment ist, dann helft ihr ihr in einer besonderen Art. Deine Tante kann sich glücklich schätzen, Menschen in ihrem Umfeld zu haben, die sich um sie sorgen. Sorgen ja, ihr gegenüber aber neutral bleiben!

Du hast hier den unschätzbaren Vorteil, weniger mit anderen Angehörigen, sondern vielmehr mit anderen Betroffenen sprechen zu können.
Nur diejenigen, die das alles schon einmal erlebt haben oder noch dabei sind, können sich richtig in die Lage deiner Tante hineinversetzen. Und du kannst aus den Negativerfahrungen lernen, die wir schon mit unseren Mitmenschen gemacht haben!


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BeitragVerfasst: 15.11.2009, 15:18 
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Wenn Ihr es schafft bei Euch zu verändern, das Wohnungsproblem völlig außer acht zu lassen, dann helft Ihr ihr ungemein. Sie so zu nehmen, wie sie ist, wäre etwas Wunderbares, was Ihr für sie tun könnt. Und das ist schwer, aber DAS könnt Ihr für sie tun, das ist eine Menge! Ich drücke Euch allen die Daumen!

_________________
Manchmal würde ich gerne meine Wohnung googlen, wenn ich was suche!

Alles Liebe für Dich,
Tatjana


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BeitragVerfasst: 15.11.2009, 15:33 
Nunja, aber wir können die Wohnung doch nicht so belassen, wenn sich dann schon gesundheitsgefährdende Sachen anbahnen, wie gammeliger Kram im Kühschrank oder ein Müll der von selber wandert, wenn man es so betrachtet, oder? Ist da nicht irgendwann ein Eingreifen zumindest in geringem Maße nötig, das man ihr mal den Müll (also beispielsweise den Biomüllereimer) raus bringt - ohne jeglichen negativen Kommentar abzugeben?

Du hast recht, Mülli, am besten erfährt man es von Betroffenen selbst - und zwar von denen, die schon darüber reden können.

Ich glaube ich verstehe halbwegs, was ihr damit sagt, sie auch mit der Wohnung zu akzeptieren. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist eher zu akzeptieren, das man scheinbar nichts machen kann, obwohl man es möchte. Und es ist deprimierend zu hören, das Hilfe im Sinne von helfen statt abwarten scheinbar keinen Zweck hat, was ich euch natürlich auch glaube, denn ihr kennt es ja deutlich besser und wisst, wie es in der Situation ist.

Danke auch nochmal für den Link Tatjana, hab ihn mir gleich angeschaut. Eine sehr mutige Frau, offen im Fernseh ihre Wohnung zu zeigen und darüber zu sprechen.


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BeitragVerfasst: 15.11.2009, 15:38 
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ich finde, das wichtigste ist schon geschrieben worden.

deshalb noch kurz: solange noch keine viechers krabbeln, ist das chaos der tante meiner meinung nach ihr privatproblem. wenn sie von sich aus kommt und um hilfe fragt, ok, ansonsten siehe halben satz vorher.

cahro, wenn ihr sie mit hilfe überrennt, entmündigt ihr sie sozusagen.

es gibt für mich nur eine ausnahme, wo sowas ok ist, nämlich dann, wenn viechers krabbeln, tote tiere in der wohnung liegen, und/oder kinder mitbetroffen sind.


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 Betreff des Beitrags: Re: Aber was kann man denn dann tun?
BeitragVerfasst: 31.10.2011, 18:30 
Hallo,

ich hole diesen Thread mal wieder nach oben, denn, ich habe ein ähnliches Problem. Sobald ich freigeschaltet bin, werde ich mich auch vorstellen, aber, ich habe das grad hier gelesen und muss einfach dazu jetzt antworten:

Hier geht es allerdings um meine Schwester. Und vor ein paar Monaten ist mir schon aufgefallen, dass da was nicht stimmt .... und jetzt die Tage hat meine Mutter bestätigt, dass es wohl noch schlimmer geworden ist. Wie und was da los ist, das werde ich später noch erzählen, aber, beim Lesen dieses Beitrags ist mir eben eine Frage aufgekommen: es wurde geschrieben (ganz lapidar ausgedrückt), die beste Hilfe ist, keine Hilfe, sie so nehmen, wie sie ist und abwarten, bis sie selber merkt, so gehts nicht weiter. Also folgere ich daraus, dass es wohl auch eher kontraproduktiv wäre, sie in behutsamer Form drauf hinzuweisen, dass sie professionelle Hilfe braucht. Sehe ich das richtig ?

Würde mich über ein paar Anmerkungen dazu freuen, denn, meine Mutter und ich hatten eigentlich vor, uns mal in Ruhe mit ihr zusammenzusetzen ........

LG Grabbi


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 Betreff des Beitrags: Re: Aber was kann man denn dann tun?
BeitragVerfasst: 03.11.2011, 16:44 
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Hallo Gast,

ich schreib hier mal als.. hm "trockener" Messie.

Ja, wenn man im Messiesyndrom eine Sucht sieht, ist Abgrenzen und "Loslassen in Liebe" der einzige Weg.

Damit wird Verantwortung für das eigene Tun und Lassen an den Menschen zurück gegeben, der auch allein dafür verantwortlich ist.
Ein bisschen hier und da aufräumen helfen würde nur das Problem zudecken, das ginge dann auch in Richtung Co-Verhalten.

So krass es klingt, aber mit der Abgrenzung und Nichthilfe wird oft ein Leidensdruck ausgelöst, der letztlich vielen den Anstoß zur Veränderung gibt. Das erzählen zumindest ehemalige Messies (SHG).

Mal ganz abgesehen davon, dass Hilfe absolut nichts bringt, solange es keine Krankheitseinsicht gibt. Und der nächste Schritt wäre, Hilfe annehmen zu wollen. Erst dann können Angehörige was tun, wobei professionelle Hilfe in Form einer Therapie besser wäre... um erstmal an die Ursachen dieser ungesunden Bewältigungsstrategie "Messie" zu gelangen und gesündere Verhaltensmuster zu erlernen.

Bei mir wurde mehrmals fremdaufgeräumt - das hat rein gar nichts gebracht, außer, dass es nachher noch schlimmer wurde und mir noch schlechter ging.

Irgendwann war der Leidensdurck so groß, der Tiefpunkt so tief, dass ich selbst raus wollte aus dem Schlamassel. Erst dann ging es. Sogar allein. Das war mir sehr wichtig. Nur den Keller habe ich einmal mit einer Bekannten aufgeräumt und ausgemistet. Aber nach meinem Tempo und sie hat auch nichts in die Hand genommen, sondern eher zugeschaut.

Ich sehe es inzwischen so, dass man diesen ganzen Prozess durchmachen muss... sonst besteht die Gefahr, dass es immer wieder Rückfälle gibt. Hauruck-Aktionen gibts bei mir inzwischen nicht mehr.
Unordnung fängt mich spätestens nach einer Woche an so massiv zu stören, dass ich mich schlecht ablenken kann und irgendwann einfach drauflos mache. Ohne Listen und ohne zu überlegen, ob ich zuerst mal das hinterste Küchenregal desinfiziere.
Ich mache das akute zuerst, ohne dabei perfekt sein zu wollen. Innerhalb einiger Stunden habe ich dann wieder den Grundzustand und merke, wenn man über Monate, also konstant eine Grundordnung hat, ist der Grundzustand auch leicht wieder herzustellen. Es ist alles nur oberflächlicher Dreck, keine monatelang "eingebrannten" Sachen.

Inzwischen hat die Hausarbeit für mich sogar was beruhigendes... bin ich mal aus dem Häuschen vor Emotionen, stürze ich mich in irgend eine Tätigkeit (Wäsche zb, mach ich gerne) und werde dabei ruhiger.
Und das als Person, die schon seit der Kindheit Probleme mit dem Aufräumen und Ordnung halten hatte... wer hätte das gedacht.

Veränderung muss aus einem selbst kommen. Von außen geht das nicht, egal was die Angehörigen anstellen.
Das muss man dann akzeptieren. Es ist schlicht ihr Leben, das sie auch versauen darf, wenn sie "will".


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 Betreff des Beitrags: Re: Aber was kann man denn dann tun?
BeitragVerfasst: 03.11.2011, 17:05 
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Beiträge: 2069
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Hallo Gast,

ich sehe das so, daß die beste Hilfe ist, wenn man Hilfe anbietet ohne sie aufzudrängen. Messies sind sehr empfindlich - sei es aus Scham über die eigene Situation oder auch beim Festhalten an Dingen, deren Wert kein Mensch sonst versteht.

Ich habe schon öfter fremde Hilfe in Anspruch genommen, mich aber immer vor Menschen gehütet, die übergriffig werden konnten. Alles mit bester Absicht - aber dieses oder jenes ist dann einfach tabu und darf nicht angefasst oder kontrolliert werden.

Meinen stark verrümpelten Keller, der auch lange ungeputzt war, den durfte mein Nachbar mal völlig um- und ausräumen. Der hat ein bisschen Geld gebraucht, war sowieso gerade am Wegziehen...und er hatte keine Angst vor Spinnen... Das war der Hauptgrund, warum ich gar nicht mehr in den Keller wollte.

Daraus hat sich dann ein Vertrauen entwickelt, daß er auch in meine Wohnbereiche durfte und mir half, er war da nie abwertend oder übergriffig. Mir hat das gut getan ihm beim Aufräumen zuzusehen und natürlich auch mitzuarbeiten, wie man was anpackt usw.

Das ist jetzt 4 Jahre her ... Ich bin immer noch Messie, aber so schlimm wurde es nie wieder.
Und sollte ich mal wieder so zu versumpfen drohen, dann werde ich mir Hilfe suchen, nur bitte niemand, der einfach nur mal schnell "klar Schiff" macht und mich in einem Haus zurück lässt, das mir irgendwie nicht mehr gehört.

Biete deiner Schwester Hilfe an, aber nicht gleich so viel, daß sie denkt, du stellt alles bei ihr auf den Kopf oder dringst in ihre intimsten Bereiche ein.

Vielleicht kann sie es annehmen. Falls nicht - dann kannst du nichts machen.

Liebe Grüße

Moni


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