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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Aber was kann man denn dann tun?
BeitragVerfasst: 15.11.2009, 08:54 
Hallo zusammen,

bin gerade neu hier im Forum und auf der Suche nach ein paar Ratschlägen. Dabei geht es um meine Tante, die definitiv ein Messie ist, dies allerdings nicht mal ansatzweise einsieht. Ihre Sammelsucht geht von Zeitschriften über kitschige Dekos, die sich allerdings zu kleinen Hügeln auf den Schränken auftürmen bis hin zu leeren Zigarettenschachteln, für die sie auch Gründe findet, warum die noch nicht weggeworfen sind. Das sie in der Hinsicht gefährdet war, war uns allen schon seit langem klar, richtig überhand hat es aber erst in den letzten Monaten genommen, umso stärker es mit ihrer Mutter - meiner Oma - gesundheitlich und geistig bergab ging.
Und durch die ganzen Probleme mit meiner Oma (erst zu Hause betreuen, immer wieder Krankenhaus, jetzt schließlich Heim, weil eine Betreuung zu Hause nicht mehr machbar ist) hat natürlich kaum einer auf ihre Wohnung geachtet ... was wohl ein Fehler war, denn die meisten Ecken kann man laut Aussage meines Vaters jetzt kaum oder gar nicht mehr betreten (ich wohne selber etwas weiter weg wegen meines Studiums und kann nur alle paar Wochen daheim vorbei schauen).
Für uns ist klar: Da muss was passieren! Nur bin ich jetzt unsicher, wenn ich oben den "Was soll man nicht machen" -Thread lese, gewinne ich das Gefühl, das ich sie nicht mal darauf hinweisen darf. Mein Papa, als Mann nicht unbedingt gerade mit Taktgefühl gesegnet, lies sich vor Entsetzen über das Horrorbild bei seinem Besuch diese Woche dann zu "Meine Güte, du bist ja n richtiger Messie, weißt du das?" hinreißen, woraufhin sie ihn unter großem Gekreische zur Tür und auch hinaus befördert hat.
Aber was macht man denn, wenn derjenige nicht mal ansatzweise einsieht, das er ein Problem hat? Man nichtmal den Müll entsorgen darf, siehe volle Mülleimer oder leere Zigarettenschachten?

Dazu kommt erschwerend noch, das sie seit Mitte 30 Frührentnerin ist, da sie körperlich auch noch sehr krank ist. Das erschwert ihr natürlich auch Hausarbeiten wie putzen etc, allerdings nicht in dem Maße, wie sie behauptet. Ihre Ausrede - sei es wenn es um das Suchen von Unterlagen für meine Oma geht, oder das Putzen, beim Amt anrufen, was auch immer - ist stets, das sie keine Zeit dazu gehabt hätte. Dabei sitzt sie von morgens nach dem Aufstehen bis Mittags bei sich, besucht dann zwischen Mittag und Abend 2-3 Stunden ihre Mutter im Heim und verbringt den Rest des Tages wieder zu Hause. Jeder weiß, das sie die Zeit dazu hätte, nur sie selber scheinbar nicht.

So, tut mir leid das es was länger geworden ist, prinzipiell ist der Fall aber wohl klar: Es MUSS etwas geschehen, bevor die Wohnung ein Eigenleben entwickelt und man nur noch durch den Flur bis vor die Räume laufen kann, aber wie macht man das, wenn der Betroffene nichtmal einsieht, das er ein Problem hat und man ihn da laut den Ratschlägen am besten gar nicht drauf hinweist? Eine Räumungsaktion würde ihren Zustand so wie ich das jetzt herausgelesen habe ja nur verschlimmern und zu nem Therapeuten werden wir sie mangels fehlender Einsicht schwer bekommen.

Wie geht man vor? Sind ehrlich gesagt ziemlich ratlos, nur das wir was tun müssen, ist klar.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.11.2009, 12:09 
Hi Cahro,

eigentlich halt ich mich gerne aus solchen Angehörigenpostings raus. Nicht weil ich das für lästig halte, sondern weil ich zu genau weiß wie schnell sowas nach hinten losgehen kann.

Aber zwei Sachen sind mir in deinem Post aufgefallen.
Und ich möchte dieses versuchen wertneutral aufzugreifen.

Sehe ich das richtig, dass es sich um eine kranke, vermutlich auch seelisch belastete Frau handelt?

Jemand dem ihr sozusagen vorwerft, sie ist zwar arbeitsunfähig, aber eigentlich könnte sie ja SOOO viel mehr leisten?
Und das lasst ihr sie ja auch spüren. Das Spürenlassen sehe ich als Fakt, denn so wie du die Sätze formuliert hast
ist das einer.

Sie kümmert sich immer noch liebevoll und stundenlang um ihre kranke stark pflegebedürftige Mutter?

Ich fass mal kurz zusammen was ICH aus deinem Post lese.

Eine vermutlich seelisch überlastete und antrieblose, körperlich stark eingeschränkte Person, ist nicht in der Lage ihren "Verpflichtungen" nachzukommen.
Die Sticheleien und deutlich taktlosen Bemerkungen ihrer Familie muss sie aushalten, obwohl die Familie weiß, wie sehr diese Frau unter der Krankheit der Mutter leidet?

Ist das jetzt zu überspitzt? Ich glaube nicht.

Von daher, helfen werdet ihr erst dann können, wenn sich EURE Sichtweise ändert.
Es geht primär nicht darum dem Gegenüber mit welcher Methode auch immer, den Aufräumhammer auf den Kopf zu hauen.
Denn eines ist klar, in all der Angst und Sorge die diese Person fühlt/hat, wird eine Keule auch immer
als Keule empfunden.

Gespräche über die Sorgen, ein freundliches Miteinander, weniger "du musst" lassen den Gegenüber auch aufatmen.
Und dann hat er überhaupt Raum und Atem sich einzugestehen dass nicht gegen alle kämpfen muss.

Man kann nicht in die Köpfe von Menschen sehen. Selbst mit einem CTG sieht man niemals die Gedanken und Gefühle^^

Aber wie ich schon oben schrieb, es ist meine Betrachtungsweise der Situation. Herausgearbeitet Aufgrund von ein paar Sätzen.
Festgemacht an der Wortwahl.
Denn ich lese Verständnis für den Vater heraus. Aber null Achtung der Verwandten gegenüber die sich wohl sehr um die Mutte sorgt.

Das hier soll keine Wertung in der Form darstellen, dass du dich angegriffen oder verletzt fühlen sollst, das möchte ich nicht, war nicht meine Absicht.

Ich möchte einfach nur, dass du dir überlegst, ob eine Änderung deines Verhaltens und etwas mehr Verständnis für die
inneren Ängste deiner Tante, nicht dazu führen könnte, dass du Zugang zu ihr bekommst
Und dann ist auch praktische Hilfe und Unterstützung möglich.

LG
Curley

PS alles gute für deine Oma


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.11.2009, 12:47 
Ich habe keine Ahnung, was dich zu dieser Aussage bringt und kann dir versichern, nein, so ist es nicht.
Ja, sie ist krank und sie ist auch seelisch belastet. Das akzeptieren wir alle seit Jahren und helfen ihr auch. Und bisher auch völlig frei von Vorwürfen, da wir alle das Gefühl hatten, das sie es selber noch halbwegs in den Griff bekommt. Diese "Illusion", das es sich im Rahmen hält und die wir selber viel zu lange hatten, ist spätestens seit dem Besuch meines Vaters in ihrer Wohnung letzte Woche vorbei. Ich habe keine Ahnung, wie du darauf kommst, das wir ihr das vorwerfen und ihr sagen, das sie mehr leisten könnte. Das tut NIEMAND. Der Satz meines Vaters ihr gegenüber war wie ich auch angedeutet habe eine spontane Handlung, als er völlig entsetzt in der Wohnung seiner Schwester nicht mehr den Weg um den Küchentisch, geschweige denn zum Schlafzimmerfenster und ähnliches finden konnte.

Sie kümmert sich ebenso um ihre kranke Mutter wie auch mein Vater, der jeden Tag nach 10 Stunden Arbeit noch dort vorbei fährt. Ich rechne das beiden gleich hoch an, da ich weiß, wieviel Kraft das benötigt, da ich selber bei meinem Opa mütterlicherseits damals täglich da war und die Pflege größ0tenteils übernommen habe. Unabhängig davon, was man sonst noch macht, ist es einfach eine große seelische Belastung und da würde auch niemand etwas gegen einwenden.

Darum geht es mir auch gar nicht und ich fühle mich - da deine Aussagen alles andere als wertneutral sind - gerade eher angegriffen als geholfen. Ich sage mit keinem Wort das, was du als wertneutrale Interpretation bezeichnest, letztendlich aber ein Post in die Richtung "Wie könnt ihr gefühlslosen Trampel so mit der armen Frau umgehen" ist.

Ich bin hier, weil ich selber keine Erfahrung mit dem Thema habe und möglichst wenig falsch machen will bzw. wir alle wollen möglichst wenig falsch machen. Und da ich nunmal im Moment nicht zu Hause wohne, kann ich leider nichtmal regelmäßig zu ihr fahren. Was ich selber als sehr schade empfinde, da sie für mich mehr Ersatzmutter als Tante war und es mir verdammt weh tut, sie so zu sehen. Und ich hatte immer einen sehr guten Zugang zu ihr, was nichts daran ändert, das sie in den letzten Wochen/Monaten dieses mehr und mehr abgebrochen hat und sich immer mehr zurück zieht.
Schade, ich hatte mir Hilfe statt Vorwürfe erhofft, die mich gerade ziemlich treffen. Ich bin eben hier, um zu erfahren was man machen kann, und dann kommt jemand und schlussfolgert aus dem Nichts, das wir nach einer Hauruckmethode suchen, die alle Probleme beseitigt ohne uns um die Gefühle des Betroffenen zu sorgen. Nur weil ich den Post bewusst nüchtern verfasst habe, da ich nicht dazu neige in öffentlichen Foren meinen Herzschmerz kund zu tun, heißt das noch lange nicht, das jemand so etwas folgern darf.

Und nur weil ich hier Tatsachen darstelle, heißt das wohl kaum, das ich ihr diese in ungeschminkter Form vor den Kopf knalle. Ich berichte hier von Tatsachen, weil ich eine Hilfe dazu möchte, wie man so jemand überhaupt begreiflich machen kann, das da ein Problem besteht. Und dies lässt normalerweise KEINER sie spüren, Ausnahme nunmal mein Vater in seinem Schock mit dem einen Satz. Genug dazu, nochmal klar meine im ersten Post gestellte Frage:

Wie können wir es schaffen, ihr begreiflich zu machen, das sie ein Problem hat? Es kann so ja nicht weiter gehen und wie man vielleicht mittlerweile merkt, liegt mir viel daran, eine Lösung zu finden, die GUT für sie ist und nicht in einer sinnfreien Hauruckmethode endet.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.11.2009, 12:53 
"Eine vermutlich seelisch überlastete und antrieblose, körperlich stark eingeschränkte Person, ist nicht in der Lage ihren "Verpflichtungen" nachzukommen.
Die Sticheleien und deutlich taktlosen Bemerkungen ihrer Familie muss sie aushalten, obwohl die Familie weiß, wie sehr diese Frau unter der Krankheit der Mutter leidet?
Ist das jetzt überspitzt? Ich glaube nicht."

Wenn ich das gerade nochmal lese, weiß ich gar nicht, warum ich dir geantwortet habe. Und es ist der größte Unfug, den man hätte herauslesen können. Und ich sage es jetzt deutlich: Bitte halt dich aus hoffentlich weiteren Beiträgen hier raus, ich möchte nicht mehr mit Vorwürfen, die unter der Gürtellinie sind, konfrontiert werden. Allein der Gedanke, meine Tante so zu behandeln, tut weh, auch wenn es nicht so abläuft.

Hiflreiche Beiträge würde ich allerdings trotzdem gerne hören und ich habe auch nichts gegen Kritik - wobei unsere einzige Handlung bisher leider zusehen und hoffen statt handeln war, was sicher nicht richtig war. Das soll sich eben jetzt ändern, die Frage ist nur wie.


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 Betreff des Beitrags: Re: Aber was kann man denn dann tun?
BeitragVerfasst: 15.11.2009, 12:57 
Cahro hat geschrieben:
Mein Papa, als Mann nicht unbedingt gerade mit Taktgefühl gesegnet, lies sich vor Entsetzen über das Horrorbild bei seinem Besuch diese Woche dann zu "Meine Güte, du bist ja n richtiger Messie, weißt du das?" hinreißen, woraufhin sie ihn unter großem Gekreische zur Tür und auch hinaus befördert hat.

Dazu kommt erschwerend noch, das sie seit Mitte 30 Frührentnerin ist, da sie körperlich auch noch sehr krank ist. Das erschwert ihr natürlich auch Hausarbeiten wie putzen etc, allerdings nicht in dem Maße, wie sie behauptet. Ihre Ausrede - sei es wenn es um das Suchen von Unterlagen für meine Oma geht, oder das Putzen, beim Amt anrufen, was auch immer - ist stets, das sie keine Zeit dazu gehabt hätte. Dabei sitzt sie von morgens nach dem Aufstehen bis Mittags bei sich, besucht dann zwischen Mittag und Abend 2-3 Stunden ihre Mutter im Heim und verbringt den Rest des Tages wieder zu Hause. Jeder weiß, das sie die Zeit dazu hätte, nur sie selber scheinbar nicht.



Wie ich schon schrieb ich lass mich normalerweise nicht auf Angehörigenthreads ein. Da ich nicht nur Betroffene sondern auch Angehörige bin.

Aber die von mir oben markierten Aussagen von dir haben mir meine Schlussfolgerungen nahegelegt.

Von daher, nix für ungut.
Ich wollte nicht angreifen, sondern aufzeigen, wo ich Konflikte sehe.

Aber ich merk grad, dass mir das hier nicht gut tut, dass es alte Wunden aufreisst.
Von daher tut mir leid, dass ich dir geantwortet hatte.

Vielleicht kann dir jemand andere ja eine Antwort geben, die du lieber hören möchtest.

Curley


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.11.2009, 13:12 
Wie gesagt, es geht mir nicht um Antworten, die ich gerne höre oder nicht.

Ich verstehe nur nicht, wenn ich danach frage, wie ich ihr helfen kann, OHNE etwas falsch zu machen, man daraus schlussfolgert, das wir mit Knüppeln auf sie einschlagen.

Und immer noch: Es sind Fakten, das sie genug Zeit hat, es sind Fakten, das sie den einen Tag etwas macht und den anderen Tag behauptet, ihre Krankheit lässt das nicht zu - und wir kennen ihre Krankheit in meinem Fall seit meiner Geburt, die anderen noch länger - und mit "nur sie selber nicht" wollte ich darauf hinweisen, das sie schlicht und ergreifend alles verdrängt. Es geht dabei um die ganzen Ausreden und Ausflüchte, die wohl zeigen, das sie nicht aktzeptiert, das etwas falsch läuft.

Ich will doch nur wissen, wie ich ihr irgendwie helfen kann, ohne von einem Fettnäpfchen ins nächste zustolpern und da ist der erste Schritt sicher, ihr zu zeigen, das man etwas tun muss. Das sie die Familie hinter sich hat war und ist bei uns immer so gewesen und wird auch so sein und das sollte sie auch wissen, aber scheinbar ist ihr das im Moment nicht möglich.

Und das sie so viel zu Hause ist, zeigt wohl auch ihren Mangel an Kontakten zu anderen, was ich auch sehr schade finde, denn auch das war früher nicht so, da wir mindestens einmal die Woche zusammen gegessen und Capuccino getrunken haben und das nicht die einzigen Kontakte waren.

Ich dachte halt, das sich hier bestimmt Leute finden, die selber schon in der Situation waren, das sie demjenigen helfen wollten und nciht wussten, wie sie es überhaupt anstellen sollen. Wie schon gesagt, alles was man sagen könnte scheint für sie schlecht zu sein, aber wie bringt man sie drauf ohne ihr etwas zu sagen?


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.11.2009, 13:14 
Tut mir leid, das du eventuell parallelen zu dem erkennst, was du erlebt hast. Das heißt nicht, das alle sich so verhalten, die mit einem Betroffenen zu tun haben. Ich WILL helfen, der Rest der Familie WILL helfen, nur kennen wir uns mit der Materie nicht genug aus.


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BeitragVerfasst: 15.11.2009, 13:48 
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Liebe Cahro!

Ich glaube dir, dass du deiner Tante helfen möchtest.
ABER diese Hilfe muß sie zuerst einmal auch haben wollen!

Solange sie ihre Situation nicht selber ändern will, wirst du sie mit all deinen noch so gutgemeinten Versuchen sie zu überzeugen, dass es bei ihr "falsch läuft" nur verletzen.
Sie hat nicht bloß Schwierigkeiten mit dem Wegwerfen oder Aufräumen.
Damit verbunden sind viel tiefer sitzende ursächliche Probleme und solange die nicht gelöst sind, könntest du ihre Wohnung auf Hochglanz bringen und sie würde sie innerhalb kürzester Zeit wieder ins Chaos stürzen.

Du sagst, sie hätte Kraft und Zeit genug zum Ordnungmachen. Du weißt aber nicht, welche kraft- und zeitzehrenden Kämpfe dabei in ihr statfinden. Solange man es nicht selbst erlebt hat, ahnt man nicht, wie sehr einen so etwas "Einfaches" wie Hausarbeit blockieren kann. Dabei kann man nicht von Normalzuständen ausgehen.
Wenn ich gut drauf bin, dann kann ich locker in einer halben Stunde meine Küche aufräumen. An einem anderen Tag brauche ich eine halbe Stunde alleine schon dafür, bis ich mir überlege, ob ich die gebrauchte Teetasse in die Küche zurücktrage.

Sei für deine Tante da. Höre ihr zu und akzeptiere, dass sie anders ist. Biete deine Hilfe an und akzeptiere es, wenn sie diese nicht will.
Mehr kannst du im Moment echt nicht tun.

LG Gisi

_________________
Es geht im Leben nicht darum, zu warten bis das Unwetter vorbeizieht. Es geht darum, zu lernen im Regen zu tanzen.


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BeitragVerfasst: 15.11.2009, 13:52 
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Liebe Cahro!

Ihr wollt helfen - ok!
Manchmal ist es besser zu helfen, indem man nicht hilft!

Du sagst deine Tante verdränge alles und würde sich nicht eingestehen, dass sich etwas ändern muss.
Woher willst du das wissen?

Die Tatsache, dass deine Tante jegliche sozialen Kontakte abbricht, zeigt mir eigentlich, dass sie sich ihre Situation sehr wohl eingesteht.

Es gibt Menschen die im Chaos leben und dieses nicht als schlimm empfinden. Sie lassen Leute zu sich in die Wohnung und scheren sich nicht darum, was andere von ihnen denken könnten.

Die Reaktion deiner Tante auf den Vorwurf deines Vaters, vermittelt mir aber ein anderes Bild.
Er hat sie mit etwas konfrontiert, was ihr warscheinlich schon lange bewusst ist. Das wiederum ist mit das Schlimmste, was in der Gefühlswelt eines Messies passieren kann, von anderen mit der Nase darauf gestoßen zu werden.

Ich denke, deine Tante weiß sehr wohl, wie es um sie steht. Sie fühlt sich unwohl, ist aber in ihrer Situation gefangen. Es kann Jahre dauern, bis sie soweit ist, mit anderen Menschen darüber sprechen zu können, ihre intimsten Gefühle anderen gegenüber zu öffnen. Und auch wenn ihr ein noch so enges Verhältnis habt, kann es sein, dass sie sich ihrer Familie gegenüber zu allerletzt öffnen wird.

Deine Tante befindet sich in einem schwierigen Prozess, aus dem sie sich nur selbst heraushelfen kann. Wenn es einmal soweit ist, dass sie bereit ist, Hilfe anzunehmen, dann könnt ihr vielleicht helfen.

So schwer es auch fällt, bis dahin heißt es "Füße still halten" und abwarten.


Die ZEIT, die deine Tante nur zu Hause rumsitzt und NICHTS tut, was glaubst du eigentlich, wie viel Kraft sie das kostet, nichts zu tun? Und trotzdem tut sie nichts!
Schwer zu verstehen, oder? Tut mir leid, aber als Außenstehende wirst du das auch nie begreifen können. Aber du kannst es akzeptieren!


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Hallo Cahro!

Normalerweise hätte ich vermutlich auch nicht geantwortet, das liegt an vielen anderen Gründen, die Dich gar nicht betreffen. Nun ist es mir aber ein Anliegen.

Erstmal kurz vorweg: So wie ich Curley hier kennengelernt habe, meinte sie es ganz sicher nicht böse, sondern wollte Dir bestimmt nur helfen, falls Eure Sichtweise in diese Richtung geht, die sie rausgelesen hat.

Ich glaube Dir absolut, dass Ihr Deiner Tante helfen wollt und es schwer ist, als liebende Angehörige diese Situation mitanzusehen.
Ich habe übrigens als Angehörige hier angefangen und danach hat sich ein riesiger Prozess bei mir in Gang gesetzt. Ich bin auch ein Messie, aber kein sammelnder, sondern ein chaotischer, der es nicht schafft Ordnung zu halten. Wenn ich heute aber meine Anfangsposts hier lese, bekomme ich das Schaudern, weil ich im Nachhinein erst verstehe, wovon ich anfangs überhaupt keine Ahnung hatte, wie anders mein Denken war.

Ich möchte damit sagen, dass es für Betroffene m.E. ebenso schwer ist, wenn sie nicht verstanden werden, denn ich habe bei mir selbst gemerkt, wie unterschiedlich die Denkweisen sind. Für einen Außenstehenden mag es so aussehen, dass all die gesammelten Dinge keinen Wert oder Sinn haben. Deine Tante sieht darin aber einen Wert, sonst würde sie sich sicher nicht damit belasten.
Und für Dich mag es so sein, dass sie "faul" erscheint. Sie vollbringt aber vermutlich täglich in Gedanken Höchstleistungen, nur dass man das nicht an der Wohnung oder sonstwo sieht, es vielleicht sogar noch verschlimmert.

Das Wesentliche ist, dass Eure Welten sehr weit entfernt voneinander sind. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Verständnis, auch wenn man es aufbringt, nur dann möglich ist, wenn man seine eigenen Vorstellungen völlig beiseite schiebt. Denn Verständnis kannst Du ja nur haben, wenn Du verstehst. Selbst ich kann bis heute nur Weniges verstehen, was die Denkweise meines Mannes betrifft. Da hilft m.E. nur, wenn man ganz zurück fährt und den Menschen fühlend betrachtet und akzeptiert; dass er jemand ist, mit seinen eigenen Ansichten, Wünschen, Bedürfnissen, Erfahrungen usw., der auf seine Weise lebt, die sich von Deiner weit unterscheidet. Und ich meine wirklich akzeptiert, dass es so erstmal völlig i.O. ist, auch wenn es anders ist und mit den eigenen Weltanschauungen nicht deckungsgleich

Den einzigen Tipp, den ich Dir geben kann: Nimm Deine Tante als Menschen, mit dem Du gerne Zeit verbracht hast, völlig ungeachtet von dem wohnlichen Umfeld. Wenn Ihr alle sie so nehmt, wie sie ist, mit ihr um ihretwillen Zeit verbringt, sie emotional unterstützt wie man sich in einer Familie unterstützt, ohne Eure Maßstäbe für Äußerlichkeiten aufzudrängen und die Wohnung ignoriert, nur dann kann sie die Kraft finden, für sich etwas zu tun und ihr Umfeld selbst zu verändern. Wenn sie körperlich nicht dazu in der Lage ist, dann fragt sie Euch vielleicht, ob Ihr ihr helfen könnt, wenn sie Euch vertraut und weiß, dass Ihr ihr gerne helfen mögt.

Trotzdem: Solange sie nicht von sich aus etwas ändern möchte, bleibt Euch nur sie zu nehmen, wie sie ist, wenn Ihr ihr helfen oder zu ihr stehen wollt. Sie zu irgendetwas zu drängen oder ihr zu sagen, wie sie ist, wird keinen Erfolg bringen, sondern eher die Situation verschlimmern. Das mag jetzt schwer sein, aber es liegt eine Geschichte dahinter, warum es so geworden ist. Und Ihr werdet diesen Prozess sicher nicht schnell ändern können, so leid es mir tut, aber das solltet Ihr wissen und versuchen zu verinnerlichen. Das ist es, womit Ihr lernen müsst zu leben und umzugehen, so wie sie m.E. damit leben lernen muss(te), nicht das perfekte Heim schaffen zu können, was sie sich vermutlich wünscht(e).

Jemand hatte im Forum einen Link einer Sendung von Lanz zum Thema Messies eingestellt, den möchte ich Dir hier nochmal einstellen: *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. *** . Ich fand es sehr schön, dass respektvoll mit der Betroffenen umgegangen wurde und man einige kleine Einblicke in das Gefühlsleben einer Betroffenen mit Expertenmeinung bekam (wenn man die kleinen Anflüge von Zur-Schau-Stellung übersieht, die man sehen könnte).

Vielleicht schaust Du Dir das mal an und magst unvoreingenommen darauf schauen, dass es um Menschen geht, die ihre eigene Geschichte haben und ihr eigenes Leben führen und Dich darauf einlassen, wie weit entfernt diese Denkweise von Deiner ist. So habe ich es auch gemacht und es hat mich bereichert.

PS: Messie ist nicht gleich Messie, alle hier sind sehr unterschiedlich. Ich schreibe meine persönliche Sicht nicht als Sammler, sondern als perfektionistischer Chaot, der noch lange nicht schafft, eine Wohnung nach seinen Wünschen zu präsentieren, der aber etwas daran ändern möchte.

_________________
Manchmal würde ich gerne meine Wohnung googlen, wenn ich was suche!

Alles Liebe für Dich,
Tatjana


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