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AutorNachricht
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BeitragVerfasst: 23.09.2008, 21:50 
Hallo Beri,

ja, ok, ich hab ein Helfersyndrom. Das stimmt schon irgendwie. Ich helfe gern. Und deshalb bin ich ja in meinem Beruf recht zufrieden.

Aber mein Freund hat doch genauso ein Helfersyndrom. Oder wie ist das zu verstehen, dass er glaubt, mir was Gutes zu tun, wenn er meine Kinder bittet, mit mir zu ner Veranstaltung zu gehen, zu der ich gar nicht will? Oder dass er vor Wochen schon versucht hat, meine Mutter überreden wollte, mit uns zu den Biertagen zu gehen. Sie hasst solche Veranstaltungen. Er meint es aber nur gut. Er hat uns hier sehr viel geholfen. Zwischenmenschlich. Handwerklich. Er meint es immer nur gut.

Ist das dann wohl in Ordnung? SEIN Helfersyndrom? Und meines nicht?

Welche Initative soll ich ihm überlassen? Am Anfang war ich noch so richtig voller Euphorie. Das hab ich mittlerweile alles abgestellt. Ich bin nur beunruhigt. Und ich mache mir Sorgen. Aber doch nicht wegen seines Messieverhaltens und seiner Wohnung. Sondern wegen der Depressionen. Ich arbeite in einem Beruf, wo ich sehr oft mit solchen Situationen konfrontiert werde. Da kann ich manches nicht verhindern. Aber warum soll ich bei meinem Freund die Hände in den Schoss legen und nichts mehr sagen? Nichts mehr TUN? Zusehen?

Was spricht dagegen, wenn wir telefonieren? Über "normale" Dinge. Vor allem, wenn es ihm danach besser geht?

Ich habe ihn gefragt, ob er mit dabei sein möchte, wenn meine Freunde aus NRW zu Besuch kommen. Er sagte ja. Ich habe gefragt, ob er mit meiner Freundin und ihrer Familie und uns zum Pizzaessen gehen möchte. Auch da sagte er ja.

Heute Mittag, als wir telefoniert haben, hat er gemeint, dass er mich heute abend anrufen würde. Bisher kam kein Lebenszeichen. Vor ein paar Wochen noch, hätte ich ihn mit SMS bombadiert. Jetzt sehe ich mir nen Film an und gucke ab und zu hier rein. Wenn er sich nicht mehr meldet, auch recht. Ich hatte vor, ihm noch eine Gute-Nacht-SMS zu schicken, aber ich glaube, das lasse ich jetzt dann mal lieber.

Stimmt, ich weiss, dass er hier mitliest. Ich habe ihn gefragt, ob er das möchte und auch damit zurecht kommt. Erst danach habe ich ihm diesen Link gegeben.
Und da wir ja nicht wirklich viel miteinander reden, ist es dann wirklich so schlimm, wenn er meine Gedanken hier lesen kann? Sollte diese letzte Frage jetzt mit "ja" beantwortet werden, vielleicht sogar von ihm selbst, werde ich mich hier nicht mehr zu Wort melden.
Wir wollten übrigens sogar seine Schwester hier lesen lassen, damit sie alles besser verstehen kann. Weil er selbst es nicht kann, alles derart detailliert und treffend wiederzugeben.

Wegen meiner Gedanken, die um unsere Beziehung kreisen, muss ich dir widersprechen. Das ist absolut nicht mehr der Fall. Ich kann durchaus stundenlang etwas ganz anderes tun, ohne auch nur ein einziges Mal an ihn und uns zu denken. Zum Beispiel versuche ich, mein funktionstüchtiges neues Faxgerät mit meiner neuen funktionstüchtigen Telefonanlage zu verbinden. Da die beiden aber offenbar nicht kompatibel sind, habe ich auch weiterhin andere Gedanken im Kopf.


Eigentlich ist das schade, dass die Angehörigen keine Beiträge einstellen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich deren Probleme sooo schnell in Luft aufgelöst haben und weiterhin auflösen. Aber egal. Es gibt hier auch keine SHG's speziell für Angehörige. Und wir wohnen wirklich nicht in der Pampa, sondern ich rede von einer Großstadt! Ich verstehe das überhaupt nicht.

Liebe Grüße, Helena


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BeitragVerfasst: 24.09.2008, 00:03 
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Helena, ich lese aus deiner Antwort heraus, dass du doch verletzt bist durch mein Posting. Das tut mir Leid, denn das wollte ich nicht.

Du verstehst anscheinend einige meiner Gedanken als Vorwürfe gegen dich. So sind sie aber nicht gemeint. Du bist auch nur ein Mensch, genau wie dein Freund, genau wie ich auch. Und wir alle machen mal Fehler. Aber die sind ja in der Regel nicht mit böser Absicht geschehen - sondern eher im Gegenteil. Das Helfersyndrom z.B. war nicht als Vorwurf gemeint. Wär auch schon merkwürdig, denn ich hab es definitiv auch ;)

Was ich versuche, dir zu vermitteln, ist dass du so viel Abstand wie nur irgend möglich einhalten solltest. Jetzt im Moment jedenfalls. Das kann sich auch wieder ändern - je nachdem, wie sich eure Beziehung weiter entwickelt.

Sehr viele von uns hier leiden unter Depressionen oder auch unter anderen psychischen Störungen. Es ist grundsätzlich gut und richtig, dass du dich kümmerst. Nur kann das eben auch leicht mal zu viel werden. Ich kann hier nur für mich sprechen und aus meinen persönlichen Erfahrungen berichten. Das kann auf dein Problem zutreffen, muß es aber nicht. Ich persönlich freue mich, wenn mir jemand in einer depressiven Phase Hilfe anbietet. Aber es kann durchaus sein, dass ich sie trotzdem nicht annehme, weil ich es vielleicht in dem Moment, in der aktuellen Situation gerade nicht kann oder will. Das bedeutet aber in dem Falle nicht, dass ich Hilfe allgemein ablehne und auch nicht, dass ich gegen den Helfer irgend etwas hätte. Es hängt von der jeweiligen Situation ab.

Zu viel kann es aber ebenso auch für dich werden. Du hast eine starke Persönlichkeit, aber auch du wirst irgendwann an deine Leistungsgrenzen stoßen. Und wenn du "ausbrennst" ist damit niemandem geholfen - und dir selbst am wenigsten.

Ich merke, ich schreib schon wieder viel zu viel und zu verschnörkelt. Es ist schwer, solche sensiblen Dinge schriftlich richtig rüber zu bringen.

Was ich dir haupsächlich vermitteln wollte ist, dass du ganz dringend auf dich selbst schauen solltest. Es ist wirklich schade, dass es keine funktionierende Angehörigengruppe gibt, denn das würde dir sicher weiter helfen. Ich glaube, an anderer Stelle wurde schon mal das Stichwort der Co-Abhängigkeit eingebracht. Der Ausdruck stammt aus der Sucht-Behandlung. Damit meine ich in diesem Zusammenhang, dass der "Kranke" (eigentlich der Suchtkranke, aber das läßt sich durchaus auch auf einen Messie sinngemäß anwenden) sein Umfeld quasi mit hinein zieht in die Problematik.

Beim Co-Messie könnte das z.B. bedeuten, dass er für den Messie aufräumt, putzt, dessen Papiere ordnet usw.

Ich hab momentan gerade Angst um dich, dass du dich in dieser ganzen Situation komplett verausgabst. Du bist derart bemüht um deinen Freund - sei es mit aktiver Hilfe oder auch damit, ihn bewußt nicht unter Druck zu setzen (das kostet dich aber auch Kraft!), dass deine Gesundheit darunter leiden könnte. Deine akute Krankheit könnte durchaus auch ein Stopp-Zeichen deines Körpers sein.

_________________
lg
Beri

Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann. Richard v. Weizsäcker


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 24.09.2008, 01:09 
Beri, du hast recht

ja, ich hab mich verletzt und angegriffen gefühlt, obwohl ich wusste, dass du es nicht so gemeint hast

ja, ich weiss, dass ich Abstand von allem halten sollte. Aber ich kann irgendwie nicht. Ich habe noch nie soviel und so intensiv und so real geträumt wie in den letzten Wochen. Und dann habe ich Tage später ein Déjà-vu nach dem anderen. Das macht mir selbst Angst, muss ich sagen

ja, so langsam glaube ich auch, dass meine Erkrankung ein Stopp in unserer Situation bedeuten soll. Ich habe Angst, dass ich über 6 Wochen krank geschrieben werde. Weil ich dann große, finanzielle Probleme bekommen würde. Soll heissen, ich setze mich auch hier unter Druck, dass ich gesund werden muss. Nur ist leider das Gegenteil der Fall

ja, ich bin vermutlich so ein Co-Messie. Ich würde am liebsten alles aufräumen und möchte danach gelobt werden. Ich hatte mir schon überlegt, dass ich genau das machen werde, falls seine Kur bewilligt wird. Nein, falsch, so dachte ich bis vor kurzem. Jetzt weiss ich aber, dass das Schlimmste für ihn wäre. Vor allem bekäme ich keinerlei Lob, sondern nur Ärger und er würde sich komplett von mir verabschieden.

ja, ich setze mich unter Druck, damit ich ihn nicht unter Druck setze. Es fällt mir ein bisschen schwer, wenn wir telefonieren und ich frage nichts und sage nichts und rede nur über Alltägliches mit ihm. Dann warte ich insgeheim darauf, dass er mir jetzt endlich erzählt, was er gerade empfindet, fühlt, wie er daheim weiterkommt. Aber, und das betone ich, ich frage NICHT nach!

Ich habe ihm am Wochenende zwei Bücher von Heinz Körner gegeben. "Johannes" und das andere Buch heisst "Sarah". Ich weiss nicht, warum ich sie ihm gegeben habe. Aber mir war, dass ich es tun musste, damit er sich selbst findet und ein bisschen zur Ruhe kommt. Er hat jetzt das Buch "Johannes" gelesen. Erstaunlich, weil er erst gestern im Zug damit angefangen hat. Heute abend wurde er damit fertig und danach haben wir telefoniert. Ich habe ihm gesagt, dass ich dieses Buch gelesen habe, als es mir psychisch sehr, sehr schlecht ging. Es war wie Balsam für meine Seele. Heute abend fand ich diesen Ausspruch irgendwie kitschig, aber er meinte, es würde genau das ausdrücken, was er nach dem Lesen empfindet. Balsam für die Seele. Zur Ruhe kommen. Ich habe ihn gefragt, ob er gleich schlafen möchte. Er meinte, nein, er sei noch so aufgewühlt von diesem Buch. Ich meinte, ob er denn nicht noch eine halbe Stunde durch die Nacht laufen möchte. Und er wollte das dann auch tun, sofern er seinen Schweinehund überwinden konnte. Balsam für die Seele. Seltsam, was ein Buch alles ausrichten kann

Hier habe ich einen Link zu einer Geschichte von Heinz Körner. Vielleicht mag ja jemand mal diese Seite aufmachen und findet sich dann in einigen Sätzen wieder
*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

Es ist auch so, dass ich mittlerweile ein klein bisschen denke, je mehr ich hier schreibe und er es dann liest, desto mehr verliere ich ihn. Weil er vermutlich sagt, er will mich nicht belasten mit seinen Problemen. Ich soll gesund werden. Und dann zieht er sich von mir zurück und redet nicht mehr mit mir. Aber das würde mich ja erst recht wieder krank machen. Wenn er mich aus seinem Leben komplett ausschließen würde. Mit seiner Therapeutin und seiner Hausärztin und hoffentlich auch in der Selbsthilfegruppe redet er selbstverständlich über sein Thema, hoffe ich zumindest. Es ist nicht immer einfach, sich mit Problemen auseinander zu setzen und sie dann auch noch zu artikulieren.

Und wie ich es auch anstelle, mache ich es verkehrt. Aber es tut mir immerhin gut, immer wieder darüber zu schreiben. Und vielleicht findet sich ja irgendwann eine Lösung.

Liebe Grüße, Helena


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