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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: meine Hilflosigkeit...
BeitragVerfasst: 08.09.2008, 17:14 
Hallo,

ich fange mal lieber ein neues Thema an.

Gestern konnte ich noch kurz mit meinem Freund sprechen. Es ging ihm nicht gut. Er hatte dieses Gespräch mit seiner FastExFrau, die ihm mitgeteilt hat, welche Angaben sie beim Finanzamt gemacht hat. Er bekommt sozusagen überhaupt nichts mehr zurück, sondern glaubt sogar, nachzahlen zu müssen. (Weiss er aber erst, wenn der Ausgleich abgegeben ist). Dann konnte er noch kurz mit seinem jüngsten Sohn (7 Jahre) sprechen. (die beiden großen Kinder sind schon erwachsen und verheiratet). Der jüngste Sohn hat sich nett und freundlich mit ihm unterhalten. Danach sagte dann die FastExFrau, dass selbiger Sohn gesagt hätte, dass er seinen Vater bei keinem Fußballspiel sehen möchte (Sohn spielt jetzt in der F(?)-Jugend). Auch nicht beim Training. Sobald er seinen Vater dort irgendwo entdecken würde, würde er sofort mit dem Fußball aufhören und aus dem Verein austreten.

Mein Freund erzählte mir, dass er seit dem Ende des Gespräches auf der Eckbank sitzen würde und mittlerweile schon 2 Bier getrunken hätte. Er sei sehr traurig und würde seit zwei Stunden weinen.

Unser Gespräch war dann auch recht schnell beendet. Aber ich habe keinerlei Vorwürfe gemacht, keine Vorhaltungen, sondern hab gesagt, dass das eine Schei'situation sei und ich gern bei ihm wäre, um ihn im Arm zu halten.

Heute morgen kam eine SMS von ihm, dass er verschlafen hätte und zu spät zur Sitzung bzw Arbeit käme. Ich habe ihm geantwortet, ob er nicht heute abend mal wieder zu mir kommen möchte. Einfach nur, dass wir uns mal wieder sehen. Er meinte, das ginge nicht, weil er gestern vergessen hätte, seine LKW-Abrechnung zu schreiben (er fährt im Nebenjob ab und zu mal eine Tour) und er deshalb heimfahren müsse. Was hat er dann gestern gemacht? Er hat mir doch gesagt, dass er die Abrechnung macht und wichtige Papiere sortiert. Durch seine Hektik gestern nachmittag hat er vermutlich das Wohnungs-Chaos erst so richtig perfekt gemacht.

Dann habe ich ihm heute vormittag nach meinem Arztbesuch mitgeteilt, dass ich ziemlich krank und bis auf weiteres krankgeschrieben bin. Bisher kam diesbezüglich keine Reaktion von ihm.

Als meine Kinder vor einem Jahr bzw halben Jahr ins Krankenhaus mussten, kam er fast im Tiefflug zu mir, um mir beizustehen. Warum kann er mir selbst nicht auch beistehen?

Wir haben uns den ganzen August tagtäglich gesehen, waren ununterbrochen zusammen. Bis August haben wir uns fast jeden Tag gesehen. Es war wunderschön für uns. Und jetzt war er am Donnerstag abend kurz bei mir und das wars.

Ich habe ihn gefragt, ob er genervt von mir sei. Oder ob ich ihm unwichtig sei. Oder ob ich ihm nichts mehr bedeuten würde (Vermutlich waren das die falschesten Fragen, die ich stellen konnte).
Er sagte ganz deutlich, dass das nicht der Fall sei, ich aber verstehen solle, dass er nach dem Gespräch in ein Loch gefallen sei. Und er seinen Kram allein auf Reihe bekommen müsste. Ich habe ihm gesagt, dass ich einem Forum geschrieben hätte und ich jetzt ein bisschen verstehen würde. Er wollte wissen, welches Forum das sei. Ich glaube aber nicht, um selbst zu schreiben, sondern um zu lesen, was ich geschrieben habe. Egal, ich wusste den Link eh nicht auswendig.

Aber ich habe Angst! Ich habe Angst, dass er sich verliert, sich aufgibt und dass er sich am Alkohol festhält (ich hatte einen Vater und einen Ehemann, die beide Alkoholiker waren).

Und jetzt mache ich mir unaufhörlich Gedanken, wie ich ihn aus diesem Loch wieder herausbringe bzw. was ich tun kann, damit er sich selbst aus diesem Loch befreien kann. Warum kann er nicht zu mir kommen? Ich bedeute ihm doch etwas und dennoch ist die Kraft der Liebe offenbar nicht so stark, wie dieser Zwang, alles erst auf die Reihe zu kriegen, sich selbst etwas beweisen müssen. Aber er kriegt das doch nicht auf die Reihe, wenn er in seinem Selbstmitleid ertrinkt.

Ich werde nicht zu ihm fahren, weil ich erstens krank bin und weil wir zweitens diese Situation schonmal hatten. Wenn er nicht will, dann will er nicht. Es wäre nicht schön für mich, bei ihm zu sein, wenn er abweisend ist, oder wenn er sich quält und glaubt, lieb zu mir sein sein zu müssen. Bisher habe ich das immer "Sturheit" genannt. Aber es ist ja nicht stur, sondern eben dieses Andere, das ich noch nicht so ganz begreifen kann.

Andererseits war es manchmal schon so, wenn dieser "nicht-können-Zustand" noch nicht derart verfestigt war, dann konnte ich ihn durch meine Anwesenheit doch etwas aufmuntern. Nur heute würde das vermutlich auf keinen Fall funktionieren.

Ich bin traurig und hilflos. Und ich musste es irgendwie loswerden. Kann ja mit niemandem darüber reden. Das ist auch eines meiner Probleme. Weil er ja nach außen hin der liebste und aufmerksamste und fürsorglichste Mensch der Welt ist. Und ich werde keinesfalls über sein Messie-Leben mit Leuten sprechen, die nichts davon wissen. Sie würden es vermutlich sowieso nicht verstehen. Wenn er es selbst erzählt und dazu steht, ist es ok.

Danke fürs Zuhören


Liebe Grüße, Helena


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BeitragVerfasst: 08.09.2008, 17:42 
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Liebe Helena,

das was Du da heute beschreibst ist zwar traurig, aber ich glaube nicht daß das sooo viel damit zu tun hat das er Messie ist, es sei denn er hat doch Angst das Du ihm Kritik wegen gestern gibst.
Das mit Deiner Krankheit (ich weiß ja nicht was Du hast) kann ich mir nur so erklären das er nicht weiß wie schlecht es Dir geht.

Mit dem Sohn muss ja gar nicht stimmen, soll er doch den Sohn selber fragen ob das so ist. mit 7 sagt man auch schonmal einfach etwas so und meint es nicht wirklich so!

Sollte er sich das hier durchlesen brauchst Du keine Angst zu haben, du hast nie schlecht über ihn geschrieben, ganz im Gegenteil. Vielleicht wäre es sogar gut wenn er es liest, dann versteht er vielleicht auch ein bischen mehr.

_________________
LG Xalina

Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)


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BeitragVerfasst: 08.09.2008, 17:44 
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hi helena,
wenn dein vater alki war und dein früherer mann mußt du aufpassen, dass du nicht in die rolle des coabhängigen fällst.
also inzwischen glaub ich, dass dein mann mindestens ein psychisches problem hat. ich mein das nicht abfällig, aber ich kann dir sagen, das kannst du nicht therapieren.
es ist echt ok, wenn du dir hier alles von der seele schreibst, ich bzw wir hier könnten deinem freund anlaufstellen empfehlen, aber solang er nicht selbst auf den trichter kommt, dass er hilfe braucht, bringts das überhaupt nichts.
das kann übrigens sein, dass er sich mit einer partnerschaft grad überfordert fühlt, das geht bestimmt nicht gegen dich. aber sowas gibts, und grad weil er dich mag, hat er wahrscheinlich das problem, dir sowas ins gesicht rein zu sagen.
und nun geh dich erst mal auskurieren :-D


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BeitragVerfasst: 09.09.2008, 23:41 
Hallo Xalina

nach dem vorigen Gespräch mit ihm bin ich trotzdem der Meinung, dass es mit seinem Messie-Verhalten zu tun hat. Meine Krankheit ist ganz einfach beschrieben: beidseitige Lungenentzündung mit aufsteigender Infektion bis zum Kehlkopf, Nasen-Rachen-Raum

Er kann den Sohn sicherlich fragen. Das hab ich ihm auch schon vorgeschlagen. Aber das Thema "Sohn" führt bei uns zu Streitigkeiten. ICH sage nämlich, dass der Sohn beide Elternteile gegeneinander ausspielt und dass er lügt wie gedruckt. Er sagt bei der Mutter so und beim Vater so. Es wäre am besten, sie würden sich mal zu dritt bei einer neutralen Person treffen und dort darüber sprechen (Jugendamt zB). Der Sohn war vor ein paar Monaten auch schon bei mir und meinen Kindern und hat sich sehr wohl gefühlt. Hat im Auto sogar gesagt, es sei sehr schön gewesen. Zu seiner Mutter hat er etwas ganz anderes gesagt und dass er nicht mehr zu uns kommen mag.

Ja, ich hoffe, er versteht ein bisschen mehr, wenn er jetzt hier mitliest. Aber ein seltsames Gefühl hab ich trotzdem in mir, wenn ich mir vorstelle, dass er jetzt all meine Gedanken lesen kann. Und Angst habe ich keine, ich habe keine Lügen geschrieben, sondern nur die Wahrheit, wie sich mir darstellt.


Liebe Grüße, Helena


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BeitragVerfasst: 09.09.2008, 23:48 
Hallo @Eiskristall,

erklärst du mir bitte den Begriff "Coabhängig"? Soll das heissen, dass ich abhängig von dem GEDANKEN werde, dass es eventuell sein könnte, dass mein Freund vielleicht unter bestimmten Konstellationen Alkoholiker werden könnte?

Ja, das mit dem psychischen Problem haben mein Freund und ich uns auch schon gedacht. Deshalb bin ich ja auch so froh darüber, dass er jetzt den Termin bei der Psychotherapie hat. Und er ist auch erleichtert und nimmt das alles sehr ernst.

Er wollte heute bei der einen SHG anrufen, hat es aber vergessen. Er möchte es morgen erledigen.

Doch, doch, er hat mir schon ins Gesicht gesagt, dass er sich von mir überfordert fühlt.

Auskurieren ist gut, wenns nur was nutzen würde

Noch ne Frage, ich hab doch mittlerweile doch schon ein paar Beiträge geschrieben, hab aber unter meinem Namen immer noch 0 Beiträge stehen. Mach ich da was falsch? Hat mich vorhin nur ein bisschen irritiert und ich dachte schon, alles ist gelöscht.


Liebe Grüße, Helena


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BeitragVerfasst: 10.09.2008, 07:35 
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Wirbelwind
Wirbelwind

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Hallo Helena,

ich habe bisher immer nur stumm mitgelesen. Ich habe gedacht, Dein Freund kann glücklich sein, jemanden wie Dich gefunden zu haben. Und mir kam (genau wie Eiskristall) immer wieder Co-Abhängigkeit in den Kopf.

Eine Co-Abhängigkeit besteht dann, wenn in einer Beziehung sozusagen eine "Opferrolle" eingenommen wird - meistens eine Helfer-Rolle in aussichtsloser Position. Es kommt häufig vor, dass Co-Abhängige in Beziehungen zu süchtigen Menschen geraten, die sie „retten“ wollen. Dabei wird das eigene Wohlergehen, zum Teil auch die eigene Gesundheit vernachlässigt. Das Wohlergehen hängt davon ab, es dem anderen gut geht.

Du kannst Deinem Freund nicht helfen, wenn er sich nicht helfen lässt. Nach dem was Du schreibst, ist es möglich daß er bald den Punkt erreichen wird. Den Punkt, an dem er an der Grenze angelangt ist und sich helfen lässt. Das wäre dann ein Durchbruch, aber noch nicht das Ende Eures Kampfes.

Ich wünsche euch beiden nur das Beste. LG - DieSchwarzeZora


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BeitragVerfasst: 11.09.2008, 12:38 
Hallo @schwarze Zora,

danke für deine Antwort.

Co-Abhängigkeit. Dieses Wort geistert mir andauernd durch den Kopf, seit ich es hier gelesen habe.

Eine gewisse Rolle ist das schon, in die ich mich gedrängt fühle. Selbst gedrängt habe. Aber es ist weniger eine "Opferrolle", es ist mehr eine "Samariterrolle". Ich vernachlässige mich nicht, nur weil ich möchte, dass es ihm gut geht. Meine Erkrankung hab ich mir irgendwo anders geholt. War sozusagen zur falschen Zeit am falschen Ort.
Es ist jedoch vollkommen richtig, dass es mir besser geht, wenn es ihm auch gut geht. Ich würde mich aber nicht für ihn aufgeben. Diese "Opferrolle" bis zur Selbstaufgabe, die habe ich eine Zeitlang in meiner Ehe eingenommen. Das war so entwürdigend für mich, dass ich mir geschworen habe, es nie mehr so weit kommen zu lassen. Allerdings war mir mein damaliges Verhalten nicht unter dem Begriff "Co-Abhängigkeit" bekannt.

Ich denke, du hast recht. Der Punkt dürfte wirklich jetzt bei ihm erreicht sein. Dadurch, dass er seinem Sohn und meiner Tochter die "Wahrheit" gesagt hat, diese unsichtbare Schallmauer durchbrochen hat, kommt jetzt alles ins Rollen.

Er war gestern abend hier bei mir. Es war für mich eine seltsame Situation irgendwie. In mir war nicht die große überschwengliche Freude darüber, dass er bei mir sein wird, sondern es war mehr ein freudiges Abwarten, wie er und wie ich mich verhalten werden. Ich bin auf Distanz geblieben, obwohl alles in mir nach einer Umarmung geschrien hat. Wir haben gegessen, mein einer Sohn war auch dabei. Aber als wir dann später im Bett lagen, war die Nähe wieder da. Er war endlich wirklich bei mir angekommen. Wir haben schon oft festgestellt, dass wir manchmal so etwas wie eine "Insel" brauchen, wo wir keinerlei schlechte Gedanken von draussen zulassen. Heute morgen ging es uns beiden gut.

Er hat eine Bemerkung gemacht. Er meinte, er wisse nicht, ob es nicht doch ab und zu besser sei, die Bude mal zu vergessen und mit mir zusammen zu sein. Danach fühle er sich gleich immer viel besser. Er habe jetzt seit Wochen daheim rumgewerkelt, aber es sähe noch schlimmer aus als zuvor.

Ich habe ihm beiläufig erzählt, dass ich gestern einige Briefe an die Versicherung und diverse Vertragskündigungen geschrieben und weggeschickt habe. Und diese Schreiben auch gleich abgelegt habe, wo sie hingehören. Dass ich dieses und jenes erledigt hätte, soweit ich es trotz meiner Erkrankung auf die Reihe bekommen habe.
Ich habe das alles in einem ganz normalen Tonfall gesagt und ich ihn nicht darauf hingewiesen, dass es doch bei ihm auch so einfach sein könnte. Vor ein paar Wochen hätte ich gesagt: siehst du? wenn man drüber bleibt, geht es gleich alles viel schneller und so weiter.
Wenn ich ehrlich bin, bin ich sogar ein bisschen stolz auf mich, dass ich diese Vorwürfe nicht gesagt habe. Aber andererseits glaube ich jetzt wieder, dass es schlecht war, es überhaupt zu erzählen. Das zeigt ihm doch nur wieder seine eigene Unzulänglichkeit auf, oder nicht? Andererseits, wenn ich überhaupt nichts mehr erzähle, ist das ja genauso doof. Dann denkt er am Ende, ich verheimliche ihm etwas.

So langsam habe ich das Gefühl, dass es ziemlich schwierig ist, immer die richtigen Worte zu finden. Ohne ihn zu verletzen, oder abzustempeln. Aber ich möchte auch nicht bei jedem Satz, den ich sage, überlegen müssen, ob ich ihn sagen darf/kann oder nicht.

Liebe Grüße, Helena


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