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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Danke!
BeitragVerfasst: 31.10.2009, 19:50 
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Vergessen hat geschrieben:
Nein, sie würde es nicht verzeihen, dass Katharina erwachsen wird. Veränderungen sind immer schlecht. Egal welche!


Hierzu möchte ich noch was sagen.

Katharina hält schon ihr ganzes Leben, auch als schutzbedürftiges Kind, wahnsinnig viel aus. Das zu überleben, erfordert eine Stärke, die man sich gar nicht vorstellen kann.

Ich stimme Tatjana zu: Katharina ist sehr stark. Sie musste sich diese Stärke auch als Schutz zulegen. Jetzt kann sie davon profitieren.

Die Schuldgefühle werden da sein. Aber Katharina wird sie aushalten und überwinden! Nicht sie ist schuld an irgendwas, sondern ihre Eltern. Auch der Vater. Er beschützt seine Kinder nicht, er schaut tatenlos(?) zu. Ihm fehlt wahrscheinlich auch die Krankheitseinsicht (co-abhängig).

Sich selbst retten ist mehr als legitim, vielleicht öffnet es zumindest dem Vater auch mal endlich die Augen. Ich werde richtig wütend, wenn ich sowas lese, dass sich Kinder für die Fehler der Eltern schuldig fühlen. Und sogar noch ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie sich aus unerträglichen Situationen befreien.

Ich hoffe, das klingt jetzt alles nicht zu hart... nur Mitleid allein hilft dir jetzt nicht weiter. Du solltest dich unbedingt auf dich konzentrieren, darauf, aus dieser unerträglichen Umgebung heraus zu finden.
Vielleicht wäre therapeutische Unterstützung nicht schlecht... gerade im Umgang mit Schuldgefühlen könnte das hilfreich sein.


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 Betreff des Beitrags: der Vater dazu
BeitragVerfasst: 31.10.2009, 22:44 
@ all die danach gefragt haben:
Katharinas Vater macht sehr viel, damit sie nicht im Papier ersticken. Er ist es, der alles von A nach B räumt. Er bespricht alles "angestrichene" und sagt, "nein, das brauchen wir nicht, nein, schneidest du nicht aus, nein, bei dem gewinnspiel machen wir nicht mit, nein zu dem Flohmarkt gehst du nicht" Nur braucht manchmal das Diskutieren mehr Zeit als es einfach aufzuheben. Er muss sich ja in einer gewissen Weise auch selbst schützen. Er schläft kaum noch (höchstens 4 std die Nacht) um mit Katharinas Mutter die Papierberge durchzugehen. Natürlich ist auch ihm klar, dass das alles nicht funktionieren kann. Daher hat er beide Gartenhäuser mit Papier bestückt und eine Garage angemietet. Aber irgendwann wird auch er resignieren.
Ja, die Gastherme, das wäre seine Sache. Aber irgendwo versteht Katharina, dass er nicht die Zeit und auch nicht den Platz dazu hat. Um an die Gastherme ranzukommen muss die halbe Küche ausgeräumt werden, die Sachen unter und über dem Brett und das Regal. Das braucht zwei Tage Arbeit.
Er schmeißt ja nicht nur den Haushalt, er kümmert sich um die Tante meiner Mutter (für die geht ein einmal in der Woche einkaufen und auf die Bank) und dann ist da eben noch Katharinas Oma. Als sie das letzte Jahr von Krankenhaus zu Krankenhaus zu Kur zu was weiß ich was ist hat er sich mehr um sie gekümmert als Katharinas Mutter. Seit den Sommerferien lebt sie mehr oder weniger bei uns.
Und irgendwelche Katastrophen gibt es auch immer. Mal fällt der Kühlschrank auseinander (darf er nach 30 Jahren auch eigendlich), dann kommt das Regal im Arbeitszimmer über der Tür runter oder der Marmeladenschrank fällt in sich zusammen. Schon mal 3 Gläser Kompott vom Teppichboden runterbekommen? Und während der Ferien ist ja auch keiner da, der irgendwas macht. Aber die Zeitungen kommen trotzdem.
Es wird allen klar sein, dass Katharina ihren Vater verteidigen muss, ob das nun gerechtfertigt ist, ist Katharina egal. Für Katharina ist er der liebste Mensch auf Erden.


@zimtspinne: Oh, ja, ein Schutzengel ist lebenswichtig. Im Kokosboden kann man sich schnell verfangen, im dunkeln durchs Schlafzimmer ist immer mit anstoßen verbunden und beim über was drüber steigen ist die Gefahr viel größer, dass was passiert, wie wenn man einfach läuft. Dass Katharina sich noch nie die Fußzehen gebrochen hat, kann nur ein Wunder sein. Aber man lernt im Dunkeln zu tasten, man weiß wo immer was steht. Dass niemand unter dem Regal stand war auch nur Glück. Über die Trittschutzverlegung in vielen Betrieben kann Katharina nur lachen (am lustigestens ist es aber wenn man in einem völlig zugestellen Büro einen Trittschutz verlegen soll^^).

Die Ausgrenzung, tja, was soll Katharina dazu sagen, ihre Mutter macht ihr alle Freundschaften madig und wer mal Mobbingopfer war, glaubt so was dann noch viel eher. Ihr Vater erlaubt ihr fast alles solange alles für die Berufsschule gemacht ist. Es kommt aufs gleiche raus, ob sie um 1 Uhr nachts oder um 7Uhr am anderen morgen nach Hause kommt. Wach ist er so oder so. Aber Katharina kann nicht zu Freunden, die es nicht gibt.

zimtspinne hat geschrieben:
Ich könnte und wollte diese Verantwortung nicht ewig tragen. Das ist absolut krankmachend. Manchmal gilt auch einfach: Hilfe durch Nichthilfe. Wer sich dann nicht Hilfe holt (zuvor Krankheitseinsicht), dem kann von Angehörigen auch einfach nicht geholfen werden. Die beseitigen höchstens die Symptome (war bei mir so), verkürzen ihre Lebenszeit und verlängern die Leidenszeit desjenigen.
<- den Absatz verstehe ich nicht. Auf was beziehst du das?

Was meinst du mit Schuldgefühlen? Jetzt sind definitiv noch keine da. Oder meist du, wenn Katharina ausgezogen ist, kommen welche?

Ihrem Bruder gegenüber fühlt sich Katharina verantwortlich, ja, aber nicht mehr.

Natürlich ist ihr Vater von ihrer Mutter abhängig. Schon von der finanziellen Seite. Er könnte wohl für einen Lebensunterhalt sorgen, aber nicht von heute auf morgen, dazu sind seine Programmierkenntnisse warscheinlich etwas zu veraltet. Und ob er mit soviel "Außenwelt" zurecht kommen würde wäre auch mal dahingestellt. Das letzte Jobangebot von IBM war vor der Geburt von ihrem Bruder.


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BeitragVerfasst: 31.10.2009, 23:13 
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Es ist schön das Katharina einen Vater hat mit dem sie sich versteht. Und natürlich möchte/muß sie ihn verteidigen. Bloß wo läuft das ganze drauf hin? Katharina war schon bei einer beratungsstelle? Was haben die denn geraten? Dem ganzem nur einen Namen zu geben kann es ja nicht gewesen sein.

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LG Xalina

Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)


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BeitragVerfasst: 01.11.2009, 00:04 
@ Xalina:
Katharina war schon bei einer Beratungsstelle. Allerdings haben die ihr dort klar gemacht, dass eine Beratung nicht auf lange Sicht möglich ist. Helena hat ihr bei wirklich akuten Dingen geholfen. Aber nicht weiter. Das ist so wie bei den Mediamarkt-Mitarbeiter: "Dafür bin ich nicht zuständig!" Sie hat sich dann in langer Kleinarbeit zu einem Psychologen getraut. Der sieht das aber nicht als soo großes Problem. Für ihn sind andere Sachen wichtiger. Sachen, von denen Katharina denkt, dass sie sich von alleine lösen, wenn sie mit dem zu Hause besser umgehen könnte. Und das waren auch nur ein paar Vorgespräche. Er hätte Katharina am liebsten gleich in eine Klinik gesteckt. Aber damit will Katharina nach wie vor nichts zu tun haben. So blieben die Vorgespräche Vorgespräche. Eigendlich hätte sie sich nach den Sommerferien noch mal melden sollen. Aber es kostet zu viel Zeit sich damit auseinander zu setzten. Nach ihren Prüfungen vllt., wenn alles etwas mehr Perspektive hat kann man sehen, ob ein Auszug nicht doch die einfachste Variante ist...
Es tut gut, zu wissen, dass man verstanden wird.


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BeitragVerfasst: 01.11.2009, 03:34 
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Hallo vergessen!

Es muss schön für Katharina sein, dass sie einen so lieben Papa hat, der sich so viel Mühe gibt. Er hat es sehr sehr schwer und macht natürlich auch mal einen Fehler, aber er gibt alles, was er kann, das merkt man. Der arme, was er tragen muss.

Schade, dass Katharinas Mama das wohl nicht sieht und nur für sich und gegen ihre ganze Familie kämpft und sich nur verzweifelt zu verteidigen sucht. So hört es sich für mich an, als sei sie in völliger Panik, dass jemand ihr etwas lebensnotwendiges nimmt und sie sich völlig unverstanden damit fühlt.

Noch trauriger, dass Katharina ein Kind ist, ohne es sein zu dürfen. Einerseits übernimmt sie emotional die Rolle der Verteidigerin und Beschützerin, andererseits wird ihr keine Freiheit und Verantwortung für etwas zugestanden, ihr nichts zugetraut. Traust Du Katharina etwas zu, zu erreichen? Was meinst Du, was wäre Katharina in der Lage zu schaffen? Wie alt schätzt Du Katharina denn in echt, vergessen? Oder hat sie mehrere verschiedene "Alterszahlen", das gibt es auch oft?

Ich war auch mal bei einer Psychologin, vergessen. Ich wollte über einige wichtige Dinge mit ihr reden, die mir sehr wichtig waren, mit denen ich überhaupt nicht klar kam. 10 Jahre habe ich gedacht, die hat mich überhaupt nicht verstanden. Sie wollte mit mir nicht über all diese Dinge mit mir reden. Sie wollte immer nur wissen, wie andere mich sehen. Sie meinte, ich hätte mich nicht genug selbst lieb. Erst seit kurzem weiß ich, sie hat mich besser verstanden, als ich irgendetwas verstanden hatte.

Das ist aber völlig in Ordnung, denn ich war nicht so weit und manchmal erscheinen uns die Dinge völlig anders, als sie sind. Manchmal sehen wir auch sehr deutlich. Manchmal passt man auch einfach nicht zusammen. Und die Dinge werden schon zum richtigen Zeitpunkt klar, es ist nur wichtig, dass man beschließt, dass man glücklich sein möchte.
Dann langsam sieht man im Nebel auch so weit, dass man immer einen kleinen Schritt weiter gehen kann. Wohin der Weg geht ist manchmal gar nicht so wichtig, hauptsache, es geht etwas weiter grob in eine eingeschlagene Richtung. Ein Schrittchen zu gehen ist etwas tolles, das erinnert mich an die Pralienenschachtel: Man weiß eben nie, was man kriegt und das kann auch irgendwann sehr spannend sein.

Ich freue mich darüber, Katharina kennenlernen zu dürfen. Ich kenne sie ja eigentlich noch nicht. Aber zu wissen, dass sie irgendwo sitzt und sie mich liest und ich hier bin und von ihr lesen kann, freut mich, dann fühle ich mich ihr ganz nahe.

_________________
Manchmal würde ich gerne meine Wohnung googlen, wenn ich was suche!

Alles Liebe für Dich,
Tatjana


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 Betreff des Beitrags: Re: der Vater dazu
BeitragVerfasst: 01.11.2009, 10:05 
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es ist sehr schwer, so aus der Ferne ohne die ganzen Umstände zu kennen, eine Situation zu beurteilen, ohne dass dabei Missverständnisse aufkommen.

ich verstehe absolut, dass du deinen Vater verteidigst. dass du ihn liebst.

nur sehe ich das halt auch so: Eltern haben die Verantwortung für ihre Kinder. sie haben eine Aufsichtspflicht ihnen gegenüber und sind dafür verantwortlich, dass die Kinder beschützt aufwachsen, dass es ihnen gut geht. das ist oberste Priorität, denn Menschenkinder sind eine sehr lange Zeit auf den Schutz und die Zuverlässigkeit ihrer Eltern angewiesen, die ersten Lebensjahre sogar fast völlig.

Dazu gehören auch Fehler, die Eltern machen, aber hier geht es um ganz existentielle Dinge... wie warmes Wasser für die Körperpflege!

Wenn dein Vater die Küche zwei Tage lang räumen muss, um an die Therme zu gelangen, dann muss er das eben tun!

Ist Papierkram sortieren etwa wichtiger als das Wohlergehen seiner Kinder? Es geht nicht um irgendwelchen Schnickschnack, sondern um elementare Dinge wie warmes Wasser. Dein Vater ist den ganzen Tag zu Hause. Wenn er es nicht schafft, für die Grundbedürfnisse seiner Kinder wie Körperpflege zu sorgen, dann muss er sich an dieser Stelle eben Hilfe suchen!

Die Sicherheit seiner Familie, seiner Kinder sollten ihm wichtiger sein als sein Stolz. Sorry, wenn du dich jetzt angegriffen fühlst, aber ich sehe Kinder als besonders schutzbedürftige Wesen, die notfalls auch Hilfe von außen kriegen müssen, wenn ihre Eltern aus was auch immer für Gründen nicht dazu in der Lage sind.

Was würde man der Frau eines Mannes sagen, der regelmäßig aus der Stammkneipe kommt, Unfrieden stiftet, unzuverlässig seinen Kindern gegenüber ist, mit seinem Verhalten dafür sorgt, dass es ihnen schlecht geht? Sie soll ihre Kinder retten, würde man ihr sagen!

Eine Mutter scheint aber sowas wie eine heilige zu sein, die auf keinen Fall verlassen oder zu arg kritisiert werden darf.
Aber auch emotionale Verwahrlosung der Kinder ist Misshandlung, auch wennn man physisch nichts sieht.
Ich sehe das so, dass einfach die Grundsicherheit der Kinder bedroht ist durch ein Netzwerk aus Abhängigkeiten.

Indem du sagst, du willst das "Funktionierende" nicht gefährden, erhältst du diesen Kreislauf mit aufrecht. Der Vater deckt das Messiesystem der Mutter, indem er ständig Schadensbegrenzung versucht, du deckst den Vater. Der Papierkrams sortieren muss, aber nicht die Küche ausräumen kann, um für warmes Wasser für ein Kind zur Körperpflege zu sorgen.

Du kannst weiter in dem Abhängigkeitskreislauf verharren... aber du kannst auch etwas ganz ungeheuerliches tun und diesen Kreislauf aufbrechen. Indem du dich der Abhängigkeit entziehst. Dich nicht mehr für deine Eltern verantwortlich fühlst. Ich glaube sogar, dass du damit deinem Bruder mehr hilfst, als wenn du weiter euer Messie-System mitträgst, indem du funktionierst.


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 Betreff des Beitrags: Re: der Vater dazu
BeitragVerfasst: 01.11.2009, 10:23 
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Vergessen hat geschrieben:

@zimtspinne: Oh, ja, ein Schutzengel ist lebenswichtig. Im Kokosboden kann man sich schnell verfangen, im dunkeln durchs Schlafzimmer ist immer mit anstoßen verbunden und beim über was drüber steigen ist die Gefahr viel größer, dass was passiert, wie wenn man einfach läuft. Dass Katharina sich noch nie die Fußzehen gebrochen hat, kann nur ein Wunder sein. Aber man lernt im Dunkeln zu tasten, man weiß wo immer was steht. Dass niemand unter dem Regal stand war auch nur Glück. Über die Trittschutzverlegung in vielen Betrieben kann Katharina nur lachen (am lustigestens ist es aber wenn man in einem völlig zugestellen Büro einen Trittschutz verlegen soll^^).

Die Ausgrenzung, tja, was soll Katharina dazu sagen, ihre Mutter macht ihr alle Freundschaften madig und wer mal Mobbingopfer war, glaubt so was dann noch viel eher. Ihr Vater erlaubt ihr fast alles solange alles für die Berufsschule gemacht ist. Es kommt aufs gleiche raus, ob sie um 1 Uhr nachts oder um 7Uhr am anderen morgen nach Hause kommt. Wach ist er so oder so. Aber Katharina kann nicht zu Freunden, die es nicht gibt.

zimtspinne hat geschrieben:
Ich könnte und wollte diese Verantwortung nicht ewig tragen. Das ist absolut krankmachend. Manchmal gilt auch einfach: Hilfe durch Nichthilfe. Wer sich dann nicht Hilfe holt (zuvor Krankheitseinsicht), dem kann von Angehörigen auch einfach nicht geholfen werden. Die beseitigen höchstens die Symptome (war bei mir so), verkürzen ihre Lebenszeit und verlängern die Leidenszeit desjenigen.
<- den Absatz verstehe ich nicht. Auf was beziehst du das?

Was meinst du mit Schuldgefühlen? Jetzt sind definitiv noch keine da. Oder meist du, wenn Katharina ausgezogen ist, kommen welche?

Ihrem Bruder gegenüber fühlt sich Katharina verantwortlich, ja, aber nicht mehr.



Dass du Erfahrung mit mobbing hast, tut mir sehr leid. :(

Mit Schuldgefühlen meine ich die, die du später haben würdest, wenn du etwas veränderst.

Zitat:
<- den Absatz verstehe ich nicht. Auf was beziehst du das?


Ich meinte damit, dass Angehörige, die helfen wollen, oft immer nur vorübergehend die Symptome beseitigen. Indem sie die Wohnung aufräumen, ausmisten, usw.
Grundsätzlich ändert sich an der Situation des Messies aber nichts, eher noch im Gegenteil. Er bekommt wieder Luft, fühlt sich nicht mehr krank und verfällt wieder in den alten Trott. Oder (wenn das Ganze eher fremdbestimmt ablief) er fühlt sich durchleuchtet, gedemütigt, lebensunfähig und betäubt das ganz schnell wieder mit Verdrängung.

Nun könnte man die Grundsatzfrage aufwerfen, inwiefern Messiesein überhaupt eine Krankheit ist... das hängt sicher von der Ausprägung und den Begleitumständen ab.
Ich betrachte es als Krankheit, wenn mich ein Zustand lähmt, sozial isoliert, depressiv und unglücklich macht.

Ich sehe es auch deshalb als Krankheit, weil kurzfristige, vielleicht noch dazu ungewollte und fremdbestimmte Hilfe bei mir nie etwas änderte - nur mal aufräumen und ausmisten reicht nicht. Genau wie einfach nur nichts mehr saufen bei einem Alkoholiker nicht reicht. Er muss sein Leben und sein Umfeld ändern, seine Einstllungen. Er muss sich seinen (verdrängten und betäubten) Gefühlen stellen.
Ich glaube, dass die zugestellte Wohnung bei vielen auch ein Schutzschild ist.

Erst als ich das tat, mich mir zu stellen, änderte sich bei mir stückchenweise auch die Wohnungssituation. Mir wird das eigentlich erst jetzt so richtig bewusst.
Ich bekomme plötzlich Dinge ganz selbstverständlich hin, die früher undenkbar waren. Das hat sicher auch etwas mit Disziplin und trainieren zu tun, dass es dazu aber überhaupt kam, dass ich mich darauf einließ, hängt mit meiner veränderten Lebenseinstellung zusammen. Die von mir ausging, und nicht von außen initiiert wurde. Ich war bereit, mich auf mich einzulassen.
Ok, es gab auch einen Druck von außen (Ärger mit Vermieterin), ich kapitulierte aber einfach vor der Krankheit und sah ein, dass ich Hilfe brauchte. Die suchte ich mir aber selbst aus, ich ließ niemanden mehr in meinen Sachen rumwursteln.

Was mir allein auch sehr half, war ein Umzug und ein Neuanfang. Ich hab dabei zwar nochmal (zum letzten Mal) Federn gelassen, weil Termine nicht richtig eingehalten wurden (nicht meine Schuld mal ausnahmsweise ;)), ich in Affentempo packen und mir dabei helfen lassen musste, was natürlich wieder damit endete, dass neugekaufte Dinge und alles mögliche auf dem Sperrmüll meiner Vermieterin landeten, ich viele Pflanzen einbüßte und einiges mehr.
Zu diesem Zeitpunkt wollte ich aber nur noch weg und raus da und biss die Zähne zusammen. Hilfe annehmen, wenn man in einer Sackgasse steckt, ist kein Zeichen von Schwäche.
Ich hatte auch die Einsicht, dass ich an der blöden Situation mal wieder selbst schuld war - wochenlang wusste ich von dem Umzug, steckte aber den Sand in den Kopf statt zu packen. Hätte ich diesen Druck aber nicht gehabt, gekündigt zu haben und ausziehen zu MÜSSEN, wäre ich noch wer weiß wie lange in der beschissenen Situation geblieben.

Was ich damit sagen will.... ich würde nicht behaupten, dass gewisser Druck von außen gar nichts bringt und nur schadet... bei mir war aber da schon eine gewisse Einsicht vorhanden, dass mit meinem Leben gehörig was schief läuft. und ich so eigentlich nicht weiter machen möchte.

Vielleicht ist das ja bei anderen anders. Ich bezweifle aber, dass ein Messie die Ordnung ganz automatisch aufrecht erhalten wird, sollten Angehörige mit oder ohne Hilfe von Behörden die einmal herstellen. Bei mir hat es jedenfalls kein einziges Mal auch nur eine Woche lang funktioniert (ich erschrecke selbst darüber, wie schnell alles schlimmer als zuvor war nach meinen oder fremden "Gewaltaktionen")

Noch mehr bezweifle ich, dass ein Messie ohne Krankheitseinsicht sich von Angehörigen helfen lassen wird. Es gehört eben viel mehr dazu als einfach aufzuräumen oder aufräumen zu lernen.
Man wird mit sich selbst konfrontiert werden, wenn man sich mit den Ursachen und Begleiterscheinungen beschäftigt (kaum ein Messie leidet nicht unter Depressionen, Angstattacken, sozialer Ausgrenzung und vielem mehr) und das kann sehr weh tun. Man kann nicht mehr verdrängen, sonden muss sich mit sich auseinander setzen. Das ist manchmal viel härter als alles aufräumen... weil vieles an die Oberfläche kommt, das man verdrängt oder noch nie überhaupt gesehen hat.
Aber mit sich ins Reine zu kommen, ist auch unglaublich schön und befreiend.


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BeitragVerfasst: 01.11.2009, 15:33 
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Zitat:
Aber auch emotionale Verwahrlosung der Kinder ist Misshandlung, auch wennn man physisch nichts sieht.
Ich sehe das so, dass einfach die Grundsicherheit der Kinder bedroht ist durch ein Netzwerk aus Abhängigkeiten.

zimtspinne voll und ganz zustimme!


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BeitragVerfasst: 01.11.2009, 22:59 
Liebe Katharina,

was Du beschreibst, kenne ich nur zu gut von früher, mein einziger Wunsch war immer nur, zu Hause auszuziehen und als ich das endlich konnte, war ich so erleichtert, mir fiel nicht nur ein Stein vom Herzen, sondern ein ganzer Felsbrocken.

Endlich konnte ich allein in einer sauberen Küche kochen und auch bei mir kochten die Spaghetti ständig über, das war mir so egal.. :lol: Hauptsache war für mich von sauberen Tellern und in sauberer Umgebung zu essen.

Auch heute noch kämpfe ich jeden Tag mit den täglichen Routinen, die im Alltag gemacht werden, weil ich es nie gelernt habe. Dennoch kann ich heute noch das Freiheitsgefühl und die Glücksgefühle spüren, als ich meinen 18. Geburtstag feierte, fast ohne Möbel und mit meinen liebsten Menschen umgeben, die mir Haushaltsgegenstände schenkten und mit Kissen auf dem Fussboden saßen. Es kam eben erst alles nach und nach.

Auch die Freunde kamen dann. Plötzlich war es leichter, auf Leute zuzugehen, man konnte ja jemanden mit nach Hause nehmen, einfach mal so zum Tee.

Vielleicht kannst Du ja einfach mal auf Dein Herz- und Bauchgefühl hören und spüren, was Du Dir für Dich wünscht. Auch Deinen Bruder könntest Du einladen, ebenso Deine Eltern, auch wenn es vielleicht zunächst Unverständnis und Reibereien geben könnte.

Ich wünsche Dir erstmal alles Liebe - fühl Dich mal gedrückt
LG Sarina


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BeitragVerfasst: 04.11.2009, 22:26 
Jetzt mal gucken wie das alles so wird. Nächste Woche habe ich theoretische Prüfungen, ich hab ein heiden Bammel davor, weil ich nicht die Zeit und den Platz hatte mich richtig darauf vorzubereiten. Aber das muss schon werden.
Als nächstes würde dann kommen, dass ich warscheinlich für ein Jahr dort bleiben kann, wo ich jetzt gerade arbeite. Was mich rießig freuen würde.

Parallel dazu hat am Sonntag die Gastherme den Geist aufgegeben. Worauf mein Vater am Montag die Küche ausgeräumt hat (was zur folge hat, dass im Wohnzimmer und im Schlafzimmer gar kein Platz mehr ist). Was aber auch bedeutet, dass wir seit Sonntag keine warme Heizung mehr haben. Zum Glück kam der Heizungsmesch bald. Der hat festgestellt, dass irgendein Ventil kaputt ist und dass es für die Anlage keine Ersatzteile mehr gibt. Das heißt, das alte Teil muss raus und ein neues rein. Dann wäre auch die Sache mit dem warm Duschen für das nächste Jahr kein Thema mehr. Aber bis jetzt sitzen wir eben im 18°C "warmen" Wohnzimmer... (Von ungefair kommt das nicht, dass immer alles schlimmer kommen kann... Fehlt nur noch dass der Strom nicht geht, was zum Glück aber unwarscheinlich ist!)

Zum anderen haben sich meine Eltern ein Haus angeschaut. Und wenn sie sich beide was anschauen, dass ist das schon sehr kongret. Aber sie können es noch gut vermasseln (wär ja nicht das erste Mal). Nur würden mit einem Auszug die Probleme erst richtig anfangen, von wegen ausräumen... Katharina darf sich nur keine zu großen Hoffnungen machen.



@tatjana:

Natürlich fühlt sich meine Mutter unverstanden. Sie fühlt sich nicht nur so, sondern sie wird von Katharina nicht verstanden. Wie soll Katharina es verstehen dass man Kistenweise Plastiktüten (die es an jeder Ecke gibt) sammelt, wie soll sie verstehen, dass man Unterhosen die keiner mehr anziehen kann aufheben muss. Nein, Katharina versteht es wirklich nicht. Aber soll sie das überhaupt verstehen?

Katharina weiß, dass sie einiges kann. Und diese Bestätigung bekommt sie ausschließlich bei ihrer Arbeit. Deswegen ist die ihr auch so wahnsinnig wichtig. Das Ver- und Zutrauen was ihr ihre jetztigen Kollegen entgegenbringen absolut aufbauen. Sie kann lachen und (ja einige werden es kaum glauben) Spaß haben.
Was sich Katharina zutraut? Oh, nicht zu viel, sonst könnte man sich selbst enttäuschen, wenn es dann doch nicht klappt.
Die "Erfindung" von Katharina ist gute 3 Jahre alt. Aber wie alt sie sich fühlt? Bei der Arbeit auf alle Fälle älter (so 18, 19). Zu Hause ist sie vllt 15. Mit Freunden auch so 18, 19. (Vergessen wird 21 dieses Jahr)

Ja, es kann sein, dass er mich besser versteht, wie ich das denke. Aber ich hab nicht wirklich Lust und auch die Zeit nicht mich damit auseinander zusetzen. Ich brauche dir ja nicht zu sagen, wie fertig man nach so einem Gespräch manchmal ist. Schon allein seine "Öffnungszeiten" sind ein Problem.

Bei Pralienen steht meistens auf der Packungsunterseite was drinnen ist. Der Vergleich mit dem Essen ist gar nicht so schlecht. Man weiß meistens nicht, was einen erwartet. Daher hab ich mich dazu entschieden ausschließlich das zu essen, von dem ich weiß dass es mir schon mal geschmeckt hat. Klar, das stößt auf viel berechtigte Kritik und ist auch nicht gerade abwechslungsreich oder gar noch gesund. Man kann sicher an einer Hand abzählen, was ich so essen. Es ist mir egal, was andere davon halten. Jeden Mittag zwei Brezeln ist nicht abwechslungsreich und stößt auf viel Lachen. Ich könnte auch jeden Mittag in die Kantine gehen. Aber dann müsste ich entscheiden, ob ich lieber das eine oder das andere Menü will und dann könnte noch was dabei sein, das ich nicht esse. Nee, meine Brezeln sind eine wunderbare Sache.



@zimtspinne:

Wie du oben im Betrag lesen kannst, tut sich was.
Natürlich hast du recht mit dem was du sagst/schreibst.
Sicher decke ich meinen Vater und halte den Kreislauf stabil. Aber was sollen wir denn machen außer Schadenbegrenzung? Erst gestern Abend hab ich versucht zu erläutern warum keine 50 Probierbecherchen gebraucht werden. Das einzigste was kam war von meiner Mutter, dass sie erst am Samstag froh über eines gewesen wäre. Zu der Menge kam gar nichts. Die Einsicht, so sagt ihr doch alle, muss von selbst kommen. Wie soll man sowas beschleunigen???

Oh, Mobbing ist eine tolle Sache. Vorallem, wenn man nicht selbst betroffen ist. Mein Problem besteht darin dass ich das frühere Mobbing für meine Zurückhaltung verantwortlich mache. Und Schüchternheit und zurückziehen ist nicht gut, wenn man auf Hilfen angewiesen ist.



@Sabrina:

Dein Beitrag zeigt, wie viel du dir damals zugetraut hast. Und wie gut dir das alles getan hat. Wie war das bei dir zu Hause? Und wie bist du zu der Einsicht gekommen, dass du gehen "musst"? Haben deine Eltern verstanden, warum du ausgezogen bist?
Würde mich über ne Antwort freuen!


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