Messie-Selbsthilfe-Forum

Messies treffen sich zum Austausch und zur Motivation
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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Vorstellung und.....
BeitragVerfasst: 01.09.2008, 22:13 
Hallo,

mein Name ist Helena, ich bin 45 Jahre alt. Ich lebe in Scheidung, bin alleinerziehende Mutter von drei fast erwachsenen Kindern.

Als mein Mann letztes Jahr ausgezogen ist, habe ich mich einer Selbsthilfegruppe für Trennungsgeschädigte angeschlossen und dort meinen Freund kennen gelernt.

Er ist der liebste Mensch überhaupt für mich. Ich blühe seitdem auf. Er sagt mir immer wieder, dass es ihm genauso mit mir geht. Ich liebe ihn. Er liebt mich.

Das ist die eine Seite.


Die andere Seite ist, dass er ebenfalls getrennt und seit 1 1/2 Jahren in einer Ein-Zimmer-Wohnung lebt. Oder besser gesagt: haust. Anfangs dachte ich noch, er hat eben keine Zeit zum Aufräumen.

Nur sind wir jetzt ein Jahr zusammen und sein Zimmer sieht immer noch so aus. Fast noch schlimmer. Überall sind Stapel mit teilweise wichtigen Papieren, dass man in Schlangenlinien durchs Zimmer laufen muss. Sämtliche Tische, Stühle, die Eckbank, das Sofa, Schränke, selbst UNTER dem Tisch sind Kartons und Papierstapel.

Im Bad sind die Schränkchen zwar aufgestellt, aber nicht fertig zusammengeschraubt. Geschweige denn eingeräumt.

Kürzlich habe ich aus Versehen seinen Schrank aufgemacht und fand Hunderte von Tageszeitungen. Bis zum Jahr 2005 zurück. Er ist aber im Januar 2007 daheim ausgezogen. Das heißt also, er hat diese uralten Tageszeitungen mitgenommen.

Er ist IMMER unpünktlich. Er macht sich selbst den größten Stress, weil er nie die Zeit richtig einschätzt.

Er verspricht Dinge, die er nicht einhalten kann. Damit tut er sich selbst weh und anderen natürlich auch.

Das Schlimmste ist jedoch, dass seine Frau letztes Jahr eigenmächtig rückwirkend die Lohnsteuerklasse geändert hat. Deshalb wurde er vom Finanzamt anders veranlagt und muss ziemlich viel nachzahlen. Allerdings hat er es bis heute noch nicht geschafft, seine Einkommenssteuer aus den Jahren 2005, 2006 und 2007 abzugeben. Deshalb wurde sein Gehalt gepfändet.

Es ist für ihn ein Unding, Verträge zu kündigen, die er nicht mehr braucht. Er hat zum Beispiel einen Account bei einem Anbieter, der einiges an Geld kostet. Auf diesen Account waren damals seine Kinder und auch seine Frau mit jeweils eigenen E-Mail-Adressen angelegt. Er hat seiner Familie im April eine Mail geschickt, dass er diesen Account zum 1.6. löschen wird. Leider hat er das Jahr nicht dazu geschrieben. Es wird weiterhin jeden Monat das Geld abgebucht. Er hat ihn immer noch nicht gelöscht.

Daueraufträge für verschiedene Verträge ändert er nicht, sondern schiebt es hinaus, bis wieder ein Monat vorüber ist und wieder der höhere Betrag abgebucht wurde.

Andererseits ist er jedoch der pingeligste und genaueste Mann, den ich kenne. Handwerklich ist er ein Genie. Beim putzen kann ihm niemand das Wasser reichen. Er repariert alles, was nur möglich ist. Solche Dinge zu tun, liebt er über alles.

In der letzten Zeit klagt er über Schmerzen in den Schultern. Es sind diffuse Schmerzen, ohne dass ein traumatisches Ereignis vorangegangen wäre. Es ist kein Rheuma. Keine Sehnenverletzungen und es gibt auch keinen neurologischen Befund. Er empfindet es "als schwere Last auf den Schultern". Auch DAS macht mir Angst.

Es gäbe noch viel mehr zu erzählen......


Ich habe bis vor einigen Wochen nur geahnt, dass er ein Messie sein könnte. Irgendwie hatte ich vollkommen falsche Vorstellungen, was ein Messie ist. Durch meinen Beruf hatte ich zwar ab und zu mit Personen zu tun, die zum Beispiel Milchtüten sammeln und an die Wände im ganzen Haus stellen oder die ein ganzes Zimmer mit alten Zeitungen füllen. Diese Personen habe ich damals bedauert und mir gedacht, was Einsamkeit alles anrichten kann. Tja.... war wohl ein vollkommen falscher Gedankengang. Ich habe mir damals leider nicht die Mühe gemacht, mich über dieses Wort "Messie" zu informieren.

Mein Freund und ich hatten jedenfalls einen ziemlichen Streit. Ich habe ihn sehr lautstark darauf hingewiesen, dass er sich endlich mal am Riemen reißen soll und daheim seine Unordnung anpacken soll. Ich habe seine Hemden gebügelt, gespült, seine Fenster geputzt. Damit er sich nicht mit solchen "Lappalien" befassen muss, sondern sich der Steuer widmen kann. Aber das war grundverkehrt. Er meinte, er wolle nicht, dass ich ihm helfe. Er müsse sich das selbst beweisen, dass er es alleine schafft. Es sei ihm unangenehm, Hilfe anzunehmen, sich zu bedanken.

Als er auf meine Hilfe so negativ reagiert hat, bin ich irgendwie aufgewacht und habe im Internet nach Informationen gesucht. Mittlerweile toleriert er aber, dass ich ab und zu seine Hemden bügle oder seine Wäsche einfach mitwasche, wenn er bei mir ist.

Bei einer erneuten "ungünstigen" Situation platzte dann plötzlich bei mir der Knoten und ich habe mich endlich im Internet informiert. Wie Schuppen ist es mir von den Augen gefallen. Vorsichtig habe ich ihn darauf angesprochen. Erst war er entsetzt und hat alles von sich gewiesen. ER doch nicht. Aber dann haben wir weiter geredet und er hat die Ausdrucke gelesen, die ich ihm mitgebracht hatte.

Das war vor gut einem halben Jahr.

In den folgenden Monaten habe ich dann vermutlich alles falsch gemacht, was man als Angehörige in so einer Situation nur falsch machen kann. Ich habe geschimpft, gebeten, Hilfe angeboten, Tipps zum Sortieren gegeben, Pläne aufgestellt, wieder geschimpft, gedroht, resigniert und dann ging alles wieder von vorne los.

Ich kann nicht mehr und weiß mir keinen Rat mehr. Aus seiner Familie weiß niemand von diesem "Problem".

Das andere Dilemma ist noch, dass er und ich zwar in derselben Stadt arbeiten, unsere Wohnungen jedoch 100 km auseinander liegen. Ich arbeite im Schichtdienst, er arbeitet jeden Tag mindestens 9 Stunden. Ich kann also nicht einfach mal schnell zu ihm fahren. Ich habe 60 km zur Arbeit über die Autobahn und er 40 km über die Landstrasse. Wobei er jedoch meistens mit der Bahn fährt. Es bleibt also sehr viel Zeit auf der Strecke.

Jetzt habe ich in der Stadt, in der wir arbeiten, über die Selbsthilfeorganisation, bei der wir auch wegen der Trennung von unseren Ehepartnern waren, von zwei Messie-Selbsthilfegruppen erfahren. Leider trifft sich die eine Gruppe nur alle zwei Monate und bei der anderen Gruppe muss man die Termine erfragen. Eine Angehörigengruppe gibt es nicht. Aber ich kann doch nicht einfach dort anrufen und ihn dann an den Haaren hinzerren. Er muss das doch selbst wollen und machen. Er hat eh schon gemeint, dass das ja eigentlich SEINE Sache sei, sich um eine Gruppe zu kümmern. Aber darauf habe ich ja seit drei Monaten gewartet, dass ER sich darum kümmert. War es falsch, dass ich mich erkundigt habe? Dass ICH mich jetzt darum gekümmert habe?

Er hat mir auch klipp und klar gesagt, dass sich kein anderer Mensch DAS alles mit ihm erlauben dürfte, was ICH ihm schon alles gesagt und für ihn getan habe. Jeden anderen Menschen hätte er aus seinem Leben geworfen. Aber ich bin sein Halt und er liebt mich.

Ich habe ihm jetzt trotzdem mitgeteilt, dass wir uns SO lange nicht mehr sehen werden, bis er die Steuer beim Finanzamt abgegeben hat. Und ich habe keine Ahnung, ob das richtig war oder falsch. Er meinte vor ein paar Tagen, je mehr Druck ich ausüben würde, desto weniger würde er irgendetwas "tun" können.

Aber selbst wenn ich keinerlei Druck ausübe und ihm das alles neutral sage, oder freundlich, oder liebevoll, kann er es nicht "tun". Den ganzen Sonntag zum Beispiel war er daheim und hat NICHTS für die Steuer gemacht. Weil seine Noch-Ehefrau ihm zwei Auskünfte und diverse Belege geben muss, sie sich aber weigert, sagt er, kann er die Steuer nicht fertig machen. Heute Abend ist er nicht daheim, sondern ist auf einer außerordentlichen Parteiveranstaltung. Morgen Abend ist sicherlich auch wieder etwas „Wichtiges“ zu erledigen.

Und am Donnerstag haben wir unser Einjähriges.

Ich weiß nicht mehr weiter.

Vor unserem Urlaub habe ich ihm klipp und klar gesagt, dass ich nicht mit ihm an die See fahre, wenn er die Steuer nicht fertig hat. Und ich habe mich mit der Bemerkung abspeisen lassen, dass ihm die Unterlagen von seiner Frau fehlen. Daraufhin habe ich gesagt, dass wir in der zweiten Urlaubswoche, in der wir wieder daheim sind, einen ganzen Tag bei ihm verbringen. Er macht die Steuer und ich lese oder kümmere mich um die Wäsche oder sonst etwas. Und abends wollte ich essen gehen. Auch das wurde nicht eingehalten, weil er die beiden restlichen Wochen unseres Urlaubs bei mir und meinen Kindern verbracht hat. Ich habe mich unglaubwürdig gemacht. Aber ist das nicht zu hart, wenn ich das jetzt durchhalte und an unserem Einjährigen jeder von uns alleine daheim sitzt und traurig ist.


So, dafür, dass ich mein Anliegen und mich nur kurz vorstellen wollte, wurde der Eintrag ziemlich lang. Man verzeihe mir bitte. Aber irgendwie tut es einfach gut, darüber schreiben zu können


Liebe Grüße, Helena


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BeitragVerfasst: 01.09.2008, 23:25 
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hallo helena,
schon ok, die länge deines berichtes mein ich :-D
was ich toll finde, bei allem problemen schreibst du immer noch respektvoll von deinem freund. aber ich kann dich auch verstehen, dass du an deine grenzen kommst.
zum einen: das siehst du schon richtig, du kannst es nicht für ihn machen, er muß selbst in die pötte kommen. du kannst ihm hilfe anbieten, aber ob er die annimmt, ist seine entscheidung.
und die verhältnisse, in denen dein freund lebt, hören sich eher an, als wäre da professionelle hilfe angemessen. aber auch sowas muß dein freund anleiern, ansonsten würde man ihn entmündigen.
hier im forum gibt es jemand, die sich eine professionelle aufräumhilfe geholt hat. ich persönlich habe mit psychosozialen beratungsstellen gute erfahrungen gemacht.
ansonsten ist es oft so, dass "messi" oft nur ein teil eines weitaus komplexeren problems ist, aber sowas übers internet zu diagnostizieren, find ich schwierig.
aber ich muß ehrlich sagen, ich lebe nicht in einer partnerschaft. sowas kompliziert die sache schon ziemlich. hier gibt es einige, die in partnerschaften leben, vielleicht schreibt da noch jemand.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03.09.2008, 12:31 
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Hallo Helena!

Du hast meine größte Hochachtung, dass du dich bemühst herauszufinden, wie du deinem Freund in dieser Situtation helfen kannst. Leider muß aber er zuerst einmal diese Hilfe wollen und annehmen.

Bei mir war es zwar nicht so krass und dadurch, dass mein Mann selber genug Zeug anschleppt, hat er meine Sammelleidenschaft auch nicht als abnormal empfunden. Sicher hat ihn dann irgendwann das Chaos gestört und es gab auch etliche Streitereien deswegen. Aber er hat nie versucht hat meine Unordnung zu beseitigen und dann auch irgendwann gesehen, dass ich mit dem Kram schlichtweg überfordert bin und mir keine Vorwürfe mehr gemacht.
Ich habe erst jetzt so langsam verstanden, warum es überhaupt soweit gekommen ist und was ich selber zu tun habe.
Mich bemüht zu lernen, wie ich mich dem Problem stelle und meine Ängste überwinden kann. Nichts Anderes ist nämlich dieses Hinauszögern der lästigen Arbeiten. Angst davor sich zu entscheiden, was man mit dem Gerümpel anfangen soll. Angst davor eine falsche Entscheidung zu treffen und daher läßt man es lieber sein.
Mein Mann hilft mir dadurch, dass er meine Sachen völlig in Ruhe läßt und seinen Kram äußerst penibel verräumt. Sonst verfalle ich sehr leicht in das Gefühl, dass meine Arbeit sowieso sinnlos ist und sie daher auch bleiben lassen kann.
Das Problem ist ja nicht die unaufgeräumte Wohnung, das Problem sitzt viel tiefer. Und so nach und nach habe ich nicht nur die Probleme, sondern auch meinen Haushalt mehr in den Griff bekommen.

Ich finde schon einmal gut, dass ihr getrennt wohnt und du dadurch nicht von seinem Zeug wirklich behelligt wirst.
Mit Ermahnungen, Zwang und Drohungen wirst du nichts erreichen können. Du bist seine Partnerin und nicht seine Mutter. Respektiere ihn zuerst einmal wie er ist.
Die grundlegende Frage ist: Will er etwas an seiner Situation ändern?
Leidet er darunter? (Damit meine ich aber nicht, ob du glaubst, dass er darunter leiden müsse.)
Hat er Depressionen, Schuldgefühle, Minderwertigkeitsgefühle, Selbstverachtung deswegen?

Dann muß auch dort angesetzt werden, sonst bringt die ganze Aufräumerei nicht viel und über kurz oder lang ist alles wie vorher.

LG Gisi


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BeitragVerfasst: 07.09.2008, 07:08 
Hallo @Eiskristall,

danke für deine Antwort.

Natürlich schreibe ich respektvoll von meinem Freund. Warum auch nicht? Ich liebe ihn und er hat jetzt nunmal dieses Problem, bei dessen Lösung ich ihm helfen möchte, damit er endlich ein "freies" Leben führen kann. Ohne seine Stapel und sonstiges im Hinterkopf zu haben.

An meine Grenzen komme ich, ja, das ist richtig.

Erst diese Woche war es wieder soweit. Es war ihm nicht recht, dass ich mich um Adressen für Selbsthilfegruppen gekümmert habe. Das wollte er selbst machen. Die Frage ist nur: wann hätte er es gemacht? In diesem Zusammenhang ist mir gestern dann rausgerutscht, dass ich sehr wohl wüsste, dass er es selbst angehen wollte. Nur hätte er vergessen, das Jahr dazu zu sagen. Diese Aussage von mir war leider nicht so gut. Aber sie trifft den Punkt. Bisher hat er es jedenfalls nicht über sich bringen können, bei einer der Telefonnummern anzurufen. Ich kann mir vorstellen, dass er sich schämt. Das ist ja dann wirklich ein Schritt, mit dem er sich richtig als Messie "outet". Wir sind zwar in einer Großstadt, aber auch dort kennt man viele Menschen. Und er weiss noch nicht, ob er mich bei der einen Gruppe dabei haben möchte, bei der die Angehörigen in derselben Gruppe sind. Ich weiss auch nicht, ob das so gut ist, aber man muss es doch wenigstens versuchen! Ich würde auch für ihn dort anrufen und mit ihm gemeinsam beim ersten Mal hinfahren. Allerdings glaube ich, dass das der falsche Weg wäre. Es muss von ihm selbst ausgehen. Nur ist es sehr, sehr schwer für mich, das zu akzeptieren.

Ich habe ihm erneut Hilfestellungen für sein Wohnungschaos angeboten. Will er nicht. Es ist nur leider so, dass er keinen Anfang findet. Und wenn er ihn gefunden hat, dann hört er nicht auf mit Aufräumen und Sortieren. Und trotzdem ist nach solchen Aktionen nicht wirklich viel von den wichtigen Dingen erledigt.

Aber immerhin hat er jetzt einen Termin bei einer Psychotherapeutin festgemacht. Ich weiss nur nicht, ob er seine "alte" Geschichte (er hatte Depressionen) vom letzten Jahr abschließen möchte oder ob er sein Messie-Verhalten ansprechen möchte. Meiner Meinung nach hängt eh beides zusammen. Und es gibt auch mit Sicherheit ein sehr komplexes Problem in seiner Vergangenheit. Es fängt in seiner Jugend an und hört in seiner Ehe auf. Das habe ich mittlerweile aus seinen Erzählungen und aus vielen seiner "Eigenarten" herausgehört und herausgelesen.

Eine professionelle Aufräumhilfe lehnt er kategorisch ab! Die einzige Person, die ihm ein bisschen helfen darf, bin ich. Es kostet ihn selbst bei MEINER Person große Überwindung, diese Hilfe zuzulassen.


Bisher habe ich hier ja nur zwei Antworten erhalten. Vielleicht hätte ich ein paar direkte Fragen stellen sollen? Es würde mich jedenfalls sehr interessieren, wie es andere Angehörige erleben, erlebt haben und wie sie damit umgehen und umgegangen sind.

Leider habe ich die Erfahrung machen müssen, dass es in unserem Umkreis überhaupt keine Angehörigen-Gruppen gibt. Ich habe über Selbsthilfezentren und über die kirchliche Seite Anfragen gestartet. Es wurde mir jedoch mitgeteilt, dass zwar Bedarf bestünde, sich aber niemand als GruppenleiterIN finden würde und ob ich nicht eine solche Gruppe leiten möchte.

lg, Helena


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.09.2008, 08:10 
Hallo Gisi,

danke für deine Antwort. Und du hast leider recht: noch will er keine Hilfe bei seinen Stapeln usw., aber er nimmt es an, wenn ich zum Beispiel einfach seine Hemden mitnehme und daheim bügle, oder seine zwei Fenster putze oder den Abwasch erledige. Das wars dann allerdings auch schon.

Was mich jedoch in totale Verwirrung stürzt: wenn er bei mir ist, dann wird alles sorgfältigst von ihm erledigt und aufgeräumt. Sogar Verpackungsmaterialien trennt er nach Altpapier und gelbem Sack. Bei mir ist er aufmerksam, ordentlich, perfekt. Er geniesst es, bei mir zu sein.

Wir haben gemeinsam meinen Keller, den mein Exmann als riesengroßes Chaos hinterlassen hat, aufgeräumt. Meine drei Kinder haben ebenfalls mitgeholfen. Mein Freund hatte sich sogar einen Plan gemacht, wie wir was wo einräumen. Er hat ein riesiges Regal gekauft. Für mich war klar, dass ich vieles wegwerfe. Der Abfallberg wurde demzufolge immer größer. Aber zwei Tage später wäre Sperrmüllabfuhr gewesen. Also keinerlei Problem. Für mich. Nur hat er alles in sein Auto gepackt und bei sich daheim im Wertstoffhof entsorgt. Allerdings nach einer Zwischenlagerung in seiner Garage von ca. 2 Monaten!


Kann ich deine Worte so verstehen, dass es Angst ist, Entscheidungen zu treffen. Angst davor, die einmal getroffene Entscheidung vielleicht nicht mehr rückgängig machen zu können? Dass an jedem Stück, was man wegwirft, ein Teil der Vergangenheit klebt und man sozusagen bei Wegwerfaktionen Teile der Vergangenheit entsorgt, die vielleicht noch nicht aufgearbeitet sind?


Aber bei ihm ist es so, dass er von seinen "Stapeln" gar nicht so viel wegwerfen muss. Es sind ja wichtige Unterlagen. Im Dezember oder im Januar hat er zum Beispiel seine neue EC-Karte gesucht. Mehrere Wochen hat er gesucht. Sie nicht gefunden. Als ich einmal kurz allein in seiner Wohnung war, habe ich mir einen Stapel vorgenommen, der relativ "frisch" vom Datum her war. Und siehe da, nach genau 20 Sekunden hatte ich seine EC-Karte gefunden. Hat er dann wochenlang nur gesagt, er sucht die Karte? Oder hat er wirklich gesucht und sich beim Suchen verzettelt und den Grund fürs Suchen vergessen? Er konnte mir darauf keine Antwort geben. Es sei halt so, meinte er.
Ich habe ihm mittlerweile mehrmals vorgeschlagen, dass ich seine Stapel soweit sortiere, dass er weiss, wo der Bankstapel, wo der Arbeitsstapel, wo der Krankenkassenstapel ist. Ich würde ihm auch alles chronologisch sortieren. Aber das lehnt er ab. Er sagt, er muss alleine hinkriegen, sonst verliert er sein Gesicht und wird sich immer Vorhaltungen machen, dass er es nicht alleine geschafft hat.

Du hast einen Mann, mit dem du zusammenlebst. Es ist einerseits vielleicht einfacher, wenn man nicht zusammen wohnt, aber andererseits wäre es vielleicht besser, wenn wir in Wohnung leben würden. Dann würde er sehen, wie ICH meine Sachen verräume und vieles auch wegwerfe. Er müsste nicht Wäsche und Abwasch vorschieben, weil wir dann ja zu fünft wären und wir uns die Hausarbeit teilen würden. Und dadurch könnte er sich seinen Problemen stellen. Sie zumindest einmal erkennen. Aber so spült er mit einer Akribie drei Tassen und zwei Teller bei sich zu Hause, dass man meinen könnte, es sei wertvolles Meissner Porzellan.

Wenn ich ihn nicht so respektieren würde, wie er ist, wären wir vermutlich nicht mehr zusammen.

Und er will etwas ändern. Aber ich habe ein Problem damit, wie lange es dauert, bis er etwas ändert. Nein falsch ausgedrückt. Mein Problem ist, dass er erstmal sehr lange darüber nachdenken muss, um sich über irgendetwas klar zu werden. Danach kommt dann sein Entschluß, das zu ändern. Nur ist es kein Entschluß, der schnell getroffen und umgesetzt wird. Sondern er wägt dann wieder dieses und jenes ab. Ob der Entschluß so umgesetzt werden kann oder auf die andere Art oder doch lieber auf die althergebrachte Art. Es kann durchaus vorkommen, dass zwischen Erkennung und Entschlußfindung drei Monate liegen. Und trotzdem nichts geändert wird. Oder er es einfach vergisst.

Andererseits kann er aber auch sehr spontan und flexibel sein. Wenn es IHN und sein direktes Umfeld nicht betrifft. So auch am letzten Donnerstag. Er hatte absoluten Stress auf der Arbeit, kam aber dennoch abends zu mir, weil wir ja Einjähriges hatten. Er hätte es nicht ausgehalten, mich an diesem Tag nicht zu sehen.

Ich weiss, dass er leidet. Manchmal, wenn wir wirklich einmal Zeit für uns haben und stundenlang reden, dann sagt er mir, dass er unter seiner Situation sehr leidet. Dass er sie ändern möchte. Es aber nicht kann. Er hat depressive Phasen, er hat Schuldgefühle sich selbst und mir gegenüber, er hat Minderwertigkeitsgefühle, aber auch wieder nur ihn und sein Umfeld betreffend, und er verachtet sich selbst, weil er nichts auf die Reihe bekommt. Er lernt langsam, über seine Gefühle zu sprechen. Meistens muss ich ihn noch dazu ermuntern, wenn ich ihm ansehe, dass ihn etwas beschäftigt. Aber er ist froh, wenn ich ihn ermuntere, sagt er. Sonst wäre er stumm wie ein Fisch und würde alles in sich hineinfressen, wie in den letzten Jahren auch, weil es seine Ehefrau nicht interessiert hat.

Wie soll ich ihm helfen, dort anzusetzen? Kann ich das überhaupt? Und nutzt es etwas, wenn er hier bei mir und meiner Familie (meine drei Kinder akzeptieren ihn, meine Mutter ist hingerissen von ihm) volle Anerkennung bekommt? Wenn er hier "Liebe" von allen Seiten erfährt? Warum kann er das nicht umsetzen und endlich einen Anfang in seiner Wohnung machen? Er sagt selbst, dass er, wenn er seine Wohnung auf Vordermann gebracht hat, er viel mehr Zeit für mich und auch für seine Hobbies hat und dass er sich das sehr wünscht. Wieso reicht seine Kraft nicht aus, um wenigstens die Steuer zu erledigen?

Mittlerweile habe ich mir einige Bücher zu diesem Thema gekauft. Aber Antworten auf diese Fragen habe ich trotzdem nicht bekommen.

So, jetzt habe ich mir wieder ein bisschen was vom Herzen geschrieben.


lg, Helena


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.09.2008, 10:44 
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Helena, hallo

Ich glaub, das Wichtigste machst du schon richtig.
Du hast ihn sehr gern, respektierst ihn und läßt ihm dennoch seine Entscheidungsfreiheit.
Ein Messie braucht sehr viel Geduld und Akzeptanz von der Umwelt.
Das schlimmste sind Vorwürfe, denn die eigenen Vorwürfe sind sowieso schon schlimmer als es sich ein Außenstehender vorstellen kann.
Es hängen so viele Erinnerungen -positive und negative - in den Dingen und im Chaos, das ist z.B. bei mir oft der Grund, warum es beim Entrümpeln stagniert.
Die Dinge geben einem vermeintlich Sicherheit.
Man hat Angst, wenn man alte Dinge wegwirft, daß damit auch schöne Erinnerungen weggeworfen werden.
Das tägliche Chaos in einem selbst braucht so viel Energie, daß man keine Regelmäßigkeit in den Tagesablauf, was Aufräumen betrifft, bekommt.
Die Gedanken sind so festgefahren mit Wunschträumen, wie es sein könnte und dann wieder Selbstvorwürfen, daß man es nicht schafft, daß man sich im Kreis dreht.
Wird etwas weggeworfen, entsteht ein Loch an der Stelle, das man auch erst sehr schwer erträgt, denn das Chaos hat irgendwie auch eine Schutzfunktion für die Seele.
Man braucht keine Leute in sein Reich einzuladen, da man sich geniert, und diese Leute können einem so auch nicht zu nahe treten und zu sehr in die Seele schauen.
Es ist ein unglaublich mühsamer Weg, der auch seine Zeit braucht.
Das Chaos ist nicht an einem Tag entstanden, sondern über viele, viele Jahre.
Man kann es anfangs selbst gar nicht glauben, daß man das nicht doch mal in einer Hauruckaktion wegbekommt.
Dann wieder steht man völlig verzweifelt da, wenn man merkt wie langsam man nur Fortschritte erzielt, wie schwer man viele Dinge loslassen kann, und man gibt wieder auf.
In diesem Forum hier motivieren wir uns gegenseitig, nicht aufzugeben, haben Verständnis, wenn jemand ein schlimmes Tief hat, freuen uns mit, wenn jemand Fortschritte erzielt und viele unserer Gedanken (die zu dem Chaos geführt haben) sind recht ähnlich.
Da kann man manchmal schon witzige Gemeinsamkeiten entdecken, und es wird einem dadurch auch verständlicher wo und warum es hakt.
Wenn man es versteht, heißt das noch lange nicht, daß man das dann sofort umsetzen kann.
Die Selbstzweifel und die Gefühle brauchen einfach ihre Zeit.
Je optimistischer man sich fühlt, desto leichter kann man entrümpeln, aber oft ist jedes Stück Schwerstarbeit, denn es sind unglaublich viele Gedanken und Gefühle, die währenddessen hochkommen.

Hab das mal von Heidi aus
Liste 1 Ideen: Was soll man nicht machen
kopiert - das fand ich für mich persönlich sehr hilfreich.
Hast du da schon mal gelesen?

Zitat:
Wenn etwas durch den Messie geschafft wurde, dass Lob am besten bei einem: "Ich habe geshen, dass Du..." belassen.

Nicht noch hintenanfügen "Wenn Du so weitermachts dann ist bald das und das geschafft" "nur noch x dann y!"

So was verstärkt nur das Gefühl, vor einem riesigen Berg Arbeit zu stehen. Schnell hat man als Messie das Empfinden das gemahcte würde im nächsten Satz herabgewertet.

Wenn man noch etwas ergänzendes sagen wil dann sowas wie "Das ist schön/freut mich/sieht gut aus" o.ä.


Helena, ich finde es unglaublich toll, daß du zu deinem Freund hältst, auch wenn du manches nicht nachvollziehen kannst.
Du lebst ihm schon mal ein Leben in Ordnung vor, er lernt bestimmt auch aus deinem Verhalten mit, und vermutlich wird er ganz langsam einiges übernehmen, wenn ihn niemand dazu zwingt.

_________________
Liebe Grüße, Cheany


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.09.2008, 11:58 
Hallo Cheany,

danke für die Antwort.

Und ich hoffe wirklich, dass ich einiges richtig mache. Aber genauso viel mache ich vermutlich falsch. Nachdem ich gestern diesen Satz von mir gegeben habe, dass er wohl das Jahr vergessen hat, kam nur noch eine kurze SMS, dass er ins Bett geht. Und heute kam noch überhaupt kein Lebenszeichen. Ich denke, ich werde mich nicht melden. Vielleicht hat er sich ja aufgrund meiner Bemerkung doch aufgerappelt und geht die Steuer an. Aber andererseits habe ich dann Angst, dass er sich heute wieder verliert und nichts erledigen kann.

Die Akzeptanz von der Umwelt ist für ihn relativ schwierig zu bekommen, weil ja niemand außer mir davon weiss.

Wegen der Erinnerungen habe ich ihm vor Wochen schon den Vorschlag gemacht, dass wir einen Karton nehmen, ich beklebe ihn mit einem fröhlichen Papier und da kommen dann immer wieder Erinnerungsstücke rein, die er beim Aufräumen findet. Und wenn es nur Zeitungsschnipsel aus dem Jahr 2005 sind. Oder Bierfilze oder was auch immer. Und dass wir ein Fotoalbum anlegen, wo nicht nur Bilder reinkommen, sondern vielleicht auch ein Grashalm aus unserem Urlaub an der See. Aber irgendwie war das wohl der falsche Vorschlag. Oder die Erinnerungen sind zu viele und zu komplex. Oder es ist noch zu früh. Und ich traue mich nicht, so ein Album zum Beispiel alleine anzulegen. Ich weiss ja nicht, welche Erinnerungen für ihn wichtig sind. Mit dem Album hatte ich im Geiste die Idee, dass er dann die aktuellen Erinnerungen hat und er sich von den alten Erinnerungen leichter lösen kann. Aber auch hier weiss ich nicht, ob ich damit richtig liege.

Ich verstehe es mit den Erinnerungen so, dass er zwar den Willen zum Aufräumen hat, aber wenn er dann dieses oder jenes findet, dann schweifen die Gedanken ab und er lässt dann diesen Stapel Stapel sein, aus Angst, es würde etwas zerstört werden. Aber warum macht er dann nicht mit einem anderen Stapel weiter? Warum lässt er dann ALLES liegen?

Übrigens habe ich mittlerweile ein Wort aus meinem Vokabular gestrichen. Ich versuche es zumindest im Zusammenhang mit Chaos und Ängsten und so weiter. Das Wort "einfach". Es kommt mir derart leicht über die Lippen, unbedacht und für mich ganz normal. Aber wenn sich dann sein Gesicht verschließt und er traurig sagt, ich würde mir immer SEHR leicht reden, dass alles so einfach sei..., dann weiss ich, dass ich mal wieder etwas kaputt gemacht habe und dass er/wir wieder dort weitermachen müssen, wo wir schon lange alles abgehakt hatten. Dann sind all seine Ängste diesbezüglich wieder da. Manchmal habe ich das Gefühl, es zerfleischt ihn innerlich, weil er mir zuliebe "anders" werden möchte, es aber nicht schafft, weil er eben noch ist, was er ist. Und dann zieht er sich zurück, wobei er ganz genau weiss, dass er es in erster Linie für SICH schaffen muss.

Am liebsten möchte ich ihm nahelegen, sich ebenfalls hier oder in einem ähnlichen Forum anzumelden. Es würde ihm vermutlich helfen. Nur, und das ist das große Problem, stellt sich mir die Frage, wann er das machen könnte. Er hat ja sowieso schon keine Zeit mit der Fahrerei und den Überstunden in der Arbeit. Und wenn er dann in einem Forum schreibt, so genau und penibel wie er in dieser Hinsicht ist, muss das dann alles "gut" geschrieben sein. Über jede Äußerung würde er 10x, 20x nachdenken. Und sie am Ende doch wieder verwerfen. Wann hätte er dann die Möglichkeit, daheim sein Chaos zu organisieren? Oder mal auszuspannen?

Diese Ideenliste habe ich schon mehrmals durchgelesen. Und habe erkannt, was ich in den letzten Monaten alles falsch gemacht habe. Genau das waren nämlich meine Worte, dass bald alles geschafft ist, wenn mal zwei Tage dabei bleibt. Nach diesem Satz hat er nämlich überhaupt nichts mehr gemacht.

Ich habe mit ihm gesprochen und wir waren uns einig, dass wir das Chaos auf viele kleine Hügelchen verteilen. Und mit jedem kleinen Hügel ist ein großer Schritt überwunden. Ich habe ihm Vergleiche vorgeschlagen, ich habe mit Beispielen geredet, Metaphern, alles mögliche. Er hat gemeint, diese Veranschaulichungen helfen ihm. Aber warum ist das dann nicht von Dauer? Warum bleibt nicht einmal ein klitzekleines Bisschen in ihm haften und hilft ihm für die anderen Probleme?

Es tut mir leid, wenn ich hier so viel schreibe und frage. Aber ich weiss mir keinen anderen Rat mehr. Nur habe ich ein bisschen das Gefühl, dass mir bisher keine Angehörigen geantwortet haben. Andererseits helfen mir die bisherigen Beiträge, alles besser zu verstehen.

Stimmt, ich kann manches nicht nachvollziehen.
Zum Beispiel hatte ich auch über mehrere Wochen Stapel in meinem Zimmer mit Briefen und Unterlagen, die sortiert werden mussten oder Bilder sollen seit Monaten eingeklebt werden. Oder die Wäsche türmt sich. Ich habe verschiedene Dinge aus meiner Kinderzeit in einem kleinen Karton verstaut. Von meinen Kindern habe ich vom Kindergarten bis jetzt ebenfalls einiges aufgehoben. Wenn ich mal ein bisschen Zeit habe und mich sozusagen der Aufräumfimmel packt, dann ist alles in einem Tag erledigt. Da wird alles Mögliche weggeworfen, ohne groß darüber nachzudenken, ob ich es vielleicht in 7 Jahren noch einmal brauchen könnte.
Ich weiss, das ist dann wieder die Situation, wo für mich alles "einfach" erscheint und für ihn als Messie muss es sich darstellen, als ob er in einer tiefen Schlucht am Boden sitzt und nur einen kleinen Teil vom Himmel sehen kann, ohne Chance, raufzukommen. Das Witzige daran ist aber, dass ER MIR sagt, ich solle doch endlich mal meine Kommode aufräumen, das wäre eine totale Unordnung. Er hat es mir gesagt und ich habe es ernst genommen und alles aufgeräumt. Es hat mich ja selbst genervt, aber ich hatte eben keine Lust dazu, nach der Arbeit noch rumzuwerkeln. Warum nimmt er das dann nicht als Strickleiter, um nach oben zu kommen?
So haben wir darüber gesprochen. Und Strickleiter deshalb, weil eine normale Leiter viel zu einfach hochzusteigen wäre. Aber er konnte mir leider keine Antwort geben.

Mittlerweile habe ich begriffen, dass man ihn nicht zwingen kann. Und immer wieder dieses Thema ansprechen ist auch nicht gut. Nur verfällt er dann nicht ins Nichtstun? Gibt es Grenzen für einen Messie, wo er sich sagt, jetzt reichts?

Oje, jetzt ist es schon wieder ein Roman geworden. Und ich habe immer noch Fragen über Fragen.



Lg, Helena


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BeitragVerfasst: 07.09.2008, 12:39 
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Beiträge: 7676
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Liebe Helena,

ich finde es ganz toll wie Du hinter Deinem Freund stehst! Das habe ich schon letzte Woche gedacht und ich wollte Dir das da auch eigentlich schon schreiben und dann bin ich nicht dazu gekommen. Der Schritt in eine Messie Selbsthilfe Gruppe ist ein unheimlich Großer glaub ich, ich bin ihn bisher jedenfalls nicht gegangen. Der größte Vorteil von einem Forum ist die Anonymität. Mir hat es unheimlich geholfen mich selbst zu verstehen und dann mit der Zeit auch wirklich was zu ändern, aber es ist ein sehr langer und schwieriger Weg.

Das mit der EC Karte ist mir in ähnlicher Form bestimmt schon fast 50x passiert. Wenn man mehrere Papier Stapel hat ist es halt echt arbeit und manchmal schiebt man so eine Sucherei vor sich her weil man keine Lust hat Stundenlang die Stapel zu sortieren. Mein Mann ist selber Messie, auch wenn er es nur langsam einsieht :wink: , aber er hat unheimlichen Spaß daran mir zu erklären das die Hälfte meiner Papiere weg kann. Gehen wir bei einer wichtigen Suche die Stapel durch, muß ich wie ein Luchs aufpassen das er nichts weg wirft, das ist ziemlich anstrengend und erschwert die eigentliche Suche ungemein. Auf der anderen Seite wäre ich sehr froh wenn ich jemanden wie Dich kennen würde, denn Du scheinst wirklich bemüht zu sein Verständnis zu haben und auch zu zeigen. Luft in die Papiere kommt bei mir erst jetzt, nach über 1,5 Jahren Forum. Vorher war ich dazu nicht bereit und vorher hätte es auch nichts gebracht, auch nicht wenn jemand anderes es gemacht hätte. Jetzt überwiegt meine Lust nach Platz und Luft, vorher war es die Lust nach Sicherheit, oder mehr das Bedürfnis.
Schmeiss ich nichts weg, kann es auch nicht passieren das ich ein wichtiges Stück meiner Vergangenheit los lassen muß. Wichtig ist dabei nicht unbedingt wichtig...

Manchmal wünschte ich mir jemand würde mich an die Hand nehmen und zu so einer Selbsthilfe Gruppe führen. Vielleicht würde ich sogar wieder hin gehen. Aber alleine der Gedanke mich könnte jemand dort sehen :oops: , zu verbreitet ist die Ansicht durch die Medien das wir alle auf einer Müllhalde leben. Deswegen versuche ich wahrscheinlich bald eine ADS Selbsthilfe Gruppe zu finden. Die Probleme sind sehr ähnlich und ich bin der Meinung es gehört auch irgendwie zusammen, und da wäre es mir nicht so unangenehm falls mich jemand vor der Tür dahin sieht. Wäre das vielleicht eine Option für Deinen Freund? Müsste natürlich auch passen, wenn er nicht Betroffen ist, macht es natürlich keinen Sinn.

Du fragst nach der Grenze. Ja ich glaube die gibt es. Jeder Betroffene hier hatte eine erreicht als er sich hier angemeldet hat. Wir alle haben hier her gefunden weil wir nach Lösungen gesucht haben, eben weil wir so nicht weiter machen wollten wie bis dahin. Und ich denke jeder der hier mit macht hat es von sich aus gemacht, deswegen wird es nichts bringen wenn Du ihm das mit dem Forum näher bringst. Wann die Grenze allerdings erreicht wird und wie es dann zuhause und in dem Betroffenem aussieht, das ist bei jedem unterschiedlich.

Ich wünsche Euch alles Gute und das Ihr einen Weg findet!

_________________
LG Xalina

Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)


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BeitragVerfasst: 07.09.2008, 12:44 
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hallo helena,
bei einigen beschreibungen mußte, ich doch schmunzeln. (obwohl ich weiß, dass die situation nicht witzig ist)
wenn jemand meine wohnung sehen würde, würde mir keiner glauben, dass ich auf der anderen seite, zb auf der arbeit, zur pingeligkeit neige, dort sehr ordentlich bin. auch wenn ich hier daheim was mache, fällt es mir schwer, nicht in eine fast zwanghafte odentlichkeit zu verfallen.
auch das mit der energielosigkeit kenne ich.
ich bekomme immer mehr den eindruck, dass das eine sehr komplexe geschichte bei deinem freund ist. das wirst du so schnell nicht ändern können. du denkst dir, das ist doch alles ganz einfach, nimmst ihn sozusagen an die hand, ziehst ihn mit und sagst, guck mal, das ist doch ganz einfach. aber das ist deine sichtweise, deine welt, dein denken.
seins ist anders. er denkt anders, er empfindet anders. da kannst du ziehen, so viel du willst. vielleicht kommt er ein stück mit, um dir einen gefallen zu tun, aber er kann es im prinzip nicht.
bei ihm ist es auch nicht so, dass er nie gelernt hat, ordnung zu machen, sowas gibts ja auch.
da steckt einfach mehr dahinter und ich finde die idee, zu einem therapeuten zu gehen, nicht schlecht.
aber was er da erzählt und bearbeitet, ist wiederum seine sache.
wenn zwei menschen sich zusammen tun, die keine ganz jungen menschen mehr sind, bringt halt jeder seine geschichte mit und seine eigenarten. und manchmal auch seine probleme.
du kannst ihn nicht ändern, höchstens ein stück weg mit ihm zusammen gehen. und wenn er dein tempo nicht mitgehen kann, bringt alles ziehen nichts, irgendwann wird er sich hinsetzen und sagen, ich kann nicht mehr. und du bist fix und alle vom ziehen. (jetzt mal so sinnbildlich ausgedrückt)
ich denke, es geht erst mal um's akzeptieren, dass die singe so sind, wie sie sind.


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BeitragVerfasst: 07.09.2008, 13:39 
Hallo Xalina,

danke.... ich wollte auch die ganze Woche wieder reinschauen und hatte es nicht geschafft.

hmmm..... es könnte also sein, dass er mir nur SAGT, dass er in die SHG gehen möchte, damit ich beruhigt bin? Angerufen hat er jedenfalls dort noch nicht. Ich würde ihn ja auch an die Hand nehmen und mit ihm gemeinsam dorthin gehen. Es mit ihm gemeinsam durchstehen. Aber DARF ich das denn? Ich glaube fast, er würde sich fügen und mitkommen, aber es wäre ja dann nicht ganz und gar sein Wunsch und Wille.

Die Vorzüge eines Forums sind mir bestens bekannt und auch bewusst. Ich war vor 10 Jahren in einer sehr, sehr schwierigen Lage und habe es durch ein Forum geschafft, mir selbst zu helfen. Aaaber... ICH hatte damals Zeit, da ich krank geschrieben war und konnte meine Kontakte im Forum pflegen. Bei meinem Freund ist es leider so, dass er keinen Abend vor 20 Uhr nach Hause kommt. Und wenn man seit 5:30 Uhr auf den Beinen ist, dann wird es schwierig, für ein Forum noch Zeit zu finden. Na, mal sehen. Bisher hat er jedenfalls noch nicht weiter danach gefragt, als ich ihm erzählt habe, dass ich in einem Forum schreibe. Ich warte ab, ob er von sich aus nochmals auf dieses Thema zu sprechen kommt.

Wir waren beide in einer SHG für Trennungsgeschädigte und haben nur positive Erfahrungen gemacht. Vielleicht kann er deshalb den Schritt in eine SHG leichter unternehmen. Aber ich habe für mich insgeheim jetzt realisiert, dass es die nächsten zwei bis fünf Monate nichts damit wird.

Ich kann es also auch als relativ "normal" ansehen, dass er bei mir Dinge kritisiert, die bei ihm Gang und Gäbe sind. Und dass er bei mir hier derart ordentlich ist, ist vermutlich auch ein "normales" Verhalten.

Du bist 1 1/2 Jahre hier und schaffst jetzt, deine Stapel zu sortieren? Ok. Er ist seit Januar 2007 allein auf sich gestellt und seit Anfang 2008 wissen wir, dass er ein Messie ist. Dann kann ich mir in Etwa vorstellen, wie lange es bis zu diesem kleinen Hügel bei ihm dauert. Aber es freut mich, dass du es bis hier geschafft hast.

Oh und ich weiss nicht, ob es immer so angenehm ist, so jemand wie mich an der Backe zu haben. Manchmal, wenn mir der Kragen platzt, dann kann ich sehr ungemütlich werden. Naja, wurde ich sehr ungemütlich. Seit ein paar Wochen sage ich klipp und klar und nicht mehr durch die Blume, was mir nicht passt und dann ist das Thema fast (einmal spreche ich es nochmals an, meist am nächsten Tag) erledigt, weil ich gemerkt habe, dass er dann zu macht und nichts mehr annimmt. Früher haben wir stundenlang gestritten und waren frustriert ohne Ende, weil wir beide nicht verstanden haben, warum so etwas mit uns geschieht, wo wir uns doch unheimlich mögen und uns nicht weh tun wollen.

Deine Idee mit ADS kommt nicht in Frage. Das habe ich ihn nämlich bereits gefragt. Er sagte, er sei Messie und dazu stehe er auch.

Vielleicht ist es ja ganz gut, wenn wir mit der SHG noch zwei Monate warten. Dann ist es dunkel draussen und er wird nicht gesehen, wenn er dorthin geht.

Ich habe mir im Internet Bilder angesehen, von Messie-Wohnungen und ich war entsetzt. Es ist doch nicht jeder so, wie dort dargestellt wird. Bei meinem Freund ist die Wohnung keine Müllhalde, sondern eher ein verstaubtes Archiv.

Vermutlich muss er seine Grenze erst noch erreichen. Er ist aber auf dem direkten Weg dorthin, das spüre ich. Es gibt aber auch einen Weg NACH der Grenze für uns. Daran halte ich mich fest.

Liebe Grüße, Helena


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