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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Ich bin unsicher, ob sie ein Messie ist und brauche Hilfe
BeitragVerfasst: 11.11.2010, 17:21 
Hallo,
ich habe hier schon einiges gelesen, fand aber für mein eigenes Problem noch nicht die richtige Antwort.
Um die Situation zu erklären, muss ich etwas ausholen und hoffe, dass das in Ordnung ist.

Also, es geht um meine frühere Stief/Pflegtochter und heutige Freundin meines Sohnes. Dies Konstellation erklärt sich bei meiner weiteren Beschreibung.

Als Vanessa 5 Jahre alt war, lernte ich ihren Vater kennen. Er lebte in Trennung und Vanessa bei ihrer Mutter, mit dem üblichen Besuchsrecht beim Vater. Sie war in meinen Augen ein vollkommen normales kleines Mädchen. Im Laufe der nächsten Monate bekam ich verschiedene Dinge mit. Erstens wurde das Kind vom Vater und seinen Eltern gegen die Mutter aufgehetzt, was die Mutter mit Gegenhetze beantwortete. Versuche meinerseits zu beschwichtigen, schlugen fehl. Ein halbes Jahr später zog ich zusammen mit meinem damals 11-jährigen Sohn mit dem Mann zusammen. Es folgte eine sehr konfliktreiche Zeit, da sich der Mann als Alkoholiker entpuppte. Darauf möchte ich jetzt nicht näher eingehen, um den Rahmen nicht zu sprengen. Die Tatsache als solche gehört aber sicher zu meinen Fragen dazu. Jedenfalls war ich 8 Jahre mit dem Mann zusammen. In diesen Jahren hat es zwischen ihm und der Mutter immer anwaltliche und gerichtliche Auseinandersetzungen um Vanessa gegeben, die durchaus auch und gerne vor den Ohren des Kindes ausgetragen wurden. Nach der Trennung von dem Mann verhinderte er auch meinen Kontakt zu Vanessa. 3 Jahre später kam der Kontakt durch einen Zufall wieder zustande. Vanessa lebte inzwischen beim Vater, weil die Mutter psychisch krank ist. Erst als sie bei ihm lebte, erlebte Vanessa auch die Alkoholkrankheit des Vaters. Inzwischen hatte er verschiedene Straftaten begangen, auch körperliche Gewalt spielte eine Rolle. Vanessa war froh, zu mir, meinem Sohn und meinem Lebendgefährten Kontakt und damit auch einen Zufluchtsort gefunden zu haben. Allerdings heimlich. Ihr Vater durfte das nicht wissen. Er bekam es natürlich doch raus und drohte mir mit Polizei und Gericht. Vanessa kam trotzdem weiter zu uns. Als sie 16 war, eskalierte die Situation und ihr Vater schickte sie wieder zu ihrer Mutter. Diese ließ Vanessa in eine Klinik für Kinder-und Jugendpsychatrie einweisen, was sicher auch nicht so verkehrt war. Dort besuchte ihr Vater sie dann wieder, versprach ihr das Blaue vom Himmel, bis er eines Tages einfach nicht mehr auftauchte. Wie wir später von der Polizei erfuhren, hatte er sich nach Thailand abgesetzt, um den diversen Strafverfolgungen zu entgehen. Mit Einverständnis ihrer Mutter durfte ich Vanessa in der Klinik besuchen. Nach 2 Monaten stand die Entlassung an. Der Vater war verschwunden, die Mutter nicht willens und in der Lage, ihre Tochter aufzunehmen. In Absprache mit dem Jugendamt zog Vanessa zu uns. 2 Tage nach ihrem Einzug erfuhr sie durch einen Polizeibeamten der zu uns kam, dass ihr Vater sich in Thailand das Leben genommen hatte.

Das war die Zeit, bis unser Sorgenkind zu uns kam.
Sie beendete die Hauptschule mehr schlecht als recht und mit viel gutem Reden durfte sie die Sozialpflegeschule besuchen, trotz schlechter Vornoten. Im ersten Vierteljahr sah ich nie Klassenarbeiten, weil angeblich keine geschrieben wurden. Bis ich einen Tag vor dem ersten Elternabend Hefte mit lauter Fünfen fand. Sie hatte Angst gehabt, sie uns zu zeigen. Von da an haben wir zusammen für die Schule geübt, die Noten wurden besser bis ins gute Mittelfeld.
Da Vanessa ca. seit der Einschulung in die Grundschule unter dem Tourette-Syndrom (allerdings ohne Fäkalsprache, nur mit Tics) und ADS leidet, wurde sie während der ganzen Zeit weiter von einem Jugendtherapeuten behandelt. Ein Thema für mich war damals die wahnsinnige Unordnung in ihrem Zimmer und in den Schränken. Außerdem and ich immer wieder versteckte und mittlerweile verschimmelte Lebensmittel unter und hinter ihrer Wäsche. Laut Therapeut sollte ich ihr die Teenagerbedingte Unordnung lassen. Im Gegenzug musste sie versprechen, keine Lebensmittel mehr zu verstecken.
Bei der Mithilfe im Haushalt, also mal Küche aufräumen, Spülmaschine ein/ausräumen war sie immer ordentlich.
Im letzten Jahr brach sie ihre Therapie ab, weil sie meinte, sie bräuche sie nicht mehr. Ich sah keinen Grund, daran zu zweifeln, weil in meinen Augen alles im grünen Bereich war. Außerdem war sie inzwischen schon 17. Die Unordnung in ihrem Zimmer bemerkte ich immer mal augenzwinkernd und dann wurde auch aufgeräumt. Seit dem Frühjahr ist sie nun volljährig und kurz darauf entdecketen mein Sohn und sie, dass sie mehr als geschwisterliche Gefühle füreinander haben. Für mich war das auch ok. Neide leben noch in unserem Haushalt.
Seit ca. 3 - 4 Monaten wird es mit ihr aber immer schlimmer. Sie hat wieder und wieder Lebensmittel in ihrem Zimmer versteckt. Der Geruch führte mich jedesmal dahin. Angeblich kann sie sich nicht erinnern, was versteckt zu haben. Die allgemeine Ordnung ist auch eher gar nicht vorhanden. Ich hatte auch geglaubt, sie vorher genug angeletet zu haben, wie man mit Geld umgeht, aber seit sie ihr Geld, es ist nicht viel, selbst verwaltet, hat sie schon Schulden angesammelt. Es ist noch nicht so horrende viel, aber da sie eine schulische, nicht bezahlte Ausbildung macht, ihre Mutter kein Geld für sie übrig hat und wir leider auch nicht in der Lage sind, finanziell was beizutragen, bekommt sie Hartz IV. Eigentlich bekäme sie auch Halbwaisenrente und wir haben ihr bei der Beantragung geholfen. Sie musste den Antrag eigentlich hur noch abschicken. Vor einigen Tagen kam ein Bescheid, dass ihr Anspruch erloschen ist, weil sie die Unterlagen nicht eingereicht hatte. Heute fand ich auf der Suche nach meinen Wintermützen und Schals eine 2 Wochen alte Mahnung der Fahrschule über fast 400 €. Außerdem fehlte uns in den letzten Monaten immer wieder Geld in den Börsen. Da haben wir aber nichts gesagt, weil wir nicht hunderprozent sicher waren und sie nicht ungerechtfertigt beschuldigen wollten.
Wir haben ihr immer wieder unsere Hilfe bei allen Angelegenheiten angeboten und auch praktische Hilfen geleistet. Gleichzeitig haben wir aber auch versucht, sie selbständig werden zu lassen.
Wir sind inzwischen völlig verzweifelt. Für meinen Sohn ist die Situation auch sehr schwer, denn er liebt sie, ist aber normal ordentlich, fleissig und kann gut mit Geld umgehen. Er versteht sie einfach nicht. Und wir auch nicht mehr.
Die geschilderten Dinge sind "nur" ein kleiner Ausschnitt dessen, wie es mit ihr ist.

Ich denke nun, dass sie eventuell Messie ist, während mein Lebensgefährte an andere psychische Störungen denkt. Unseren Rat, noch mal eine Therapie zu machen, hat sie zwar bejaht, kümmert sich aber nicht drum. Da sie volljährig ist, haben wir keine Handhabe mehr.

Könnte sie Messie sein?
Wie können wir ihr in dem Fall helfen?

Bitte, wir brauchen dringend Hilfe.

Herzlichen Dank im Voraus.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 11.11.2010, 18:53 
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Ich glaube, und das ist leider auch kein Wissen, dass sie durchaus eine Tendenz in Richtung Messietum hat, allerdings könnte ich mir (nachdem was du geschrieben hast) durchaus auch vorstellen, dass bei ihr die Kindheit einfach so traumatisch war, dass sie mit sich selbst nicht klar kommt und würde deshalb auch ganz dringend empfehlen, dass sie eine Therapie macht.

Für mich klingt es einfach zu sehr nach versteckten Problemen, ich meine, erst hört sie ständig die Streitereien ihrer Eltern mit an, dann wird sie von einem zum anderen geschoben (als wolle niemand sie bei sich haben), dann muss die Mutter in nen Klinik, der Vater setzt sich ab und am Ende stirbt er auch noch. Ich glaube, sie hat trotz eurer Hilfe einfach derzeit keinen Halt und sicherlich auch nicht wirklich für sich eine Perspektive gefunden und da sollte unbedingt ein Therapeut das mit ihr bearbeiten.

Was du für sie eigentlich nur tun kannst, da sie ja schon 18 ist, du kannst ihr anbieten, dass du dich zusammen mit ihr darum kümmerst, dass alles in die Wege geleitet wird, dass du ihr in dieser Hinsicht noch einmal Hilfestellung gibst.

Wichtig ist vor allem, dass sie zuerst mal mit sich selbst klar kommt und erst dann kann man die anderen Dinge angehen.

Allerdings bin ich keine Therapeutin und auch nicht geschult für diese Art der Probleme.

Ich drücke euch jedenfalls ganz feste die Daumen, dass ihr Hilfe findet und sich das alles wieder einrenkt.

LG
Kerstin

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 11.11.2010, 20:22 
Liebe Kerstin,
ich danke Dir für Deine schnelle Antwort.
Natürlich haben wir uns auch schon Gedanken gemacht, ob sie nicht durch all die schlimmen Erfahrungen ihres jungen Lebens psychische Probleme hat. Auf der Suche nach Hilfe war es einfach nur eine von mehreren Ideen, dass sie sich zum Messie entwickeln könnte. Ich habe mal gehört (ob das stimmt, weiß ich natürlich nicht), wer Unordnung in seinem Kopf hat, ist auch nicht in der Lage, Ordnung in sein Leben zu bringen.
Aber eine Hilfe war das Schreiben hier im Forum für mich jedenfalls schon mal. Denn es hat mich erleichtert und wir haben es anschließend tatsächlich geschafft, dass sie einen Termin bei einer Kinder- und Jugendpsychologin gemacht hat. Und was mich sehr gewundert hat, sie hat schon übernächste Woche einen Termin zum Erstgespräch.
Ohne dass ich mir vorher meine Sorgen vom Herzen geschrieben habe, hätte ich das Gespräch vielleicht nicht geschafft.

Also auf jeden Fall herzlichen Dank


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 11.11.2010, 21:06 
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Gern geschehen und ich hoffe, dass sich alles zum Guten wendet! :)

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