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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: es ist vorbei
BeitragVerfasst: 16.09.2008, 09:36 
Hallo,

es ist vorbei.

Er kam am Samstag nach seiner LKW-Tour zu mir und hat mir ganz klar auf meine Frage was denn los sei, geantwortet, dass er sich von mir trennen wird.

Wir haben dann noch lange geredet und auch miteinander geschlafen. Aber sein Entschluss stand definitiv fest.

Am Sonntag hat er sich dann von meinen Kindern verabschiedet. Im Anschluß auch bei meiner Mutter. Danach sind wir noch zu seiner Schwester gefahren, damit ICH mich verabschieden konnte.

Er liebt mich nachwievor. Aber er hat erkannt, dass er viele, viele Probleme hat. Und diese Probleme kann er nur angehen, wenn er nicht dauernd daran denkt, bei mir zu sein. Er fühlt sich sehr, sehr wohl in meiner Familie. Aber es ging vermutlich zu schnell, diese Integration von ihm bei uns. Er hat zuviel Verantwortung bei uns übernommen, die er sich jedoch selbst und gern aufgebürdet hat. Er hat dann einfach den Deckel auf seine Probleme gestülpt und hat die Zeit hier bei uns genossen. Und wenn er dann heimgekommen ist, dann hat ihn alles erschlagen. Er möchte seine Probleme auf die Reihe kriegen und da er nicht weiss, ob das in zwei Wochen oder zwei Monaten oder zwei Jahren der Fall sein wird, beendet er unsere Beziehung. Weil ER es nicht aushält und weil er es MIR nicht zumuten möchte.

Er sagt, er hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber er hat in den 18 Stunden, während er mit dem LKW unterwegs war, viel darüber nachgedacht. Unser Streit hat nichts damit zu tun.

Er gibt keine andere Frau. Es gibt "nur" seine Probleme mit seinem Leben und da habe ich keinen Platz.

Ich habe ihm angeboten, dass ich mich von seiner Messiewelt komplett zurückziehe und keinen Ton mehr dazu sage. Aber das möchte er nicht. Weil er dann von Zweifeln aufgefressen würde, ob ich das wirklich ernst meine und nicht innerlich wütend auf ihn bin. Hilfestellungen von mir kann er aber auch nicht annehmen, weil er sonst sein Selbstwertgefühl noch mehr verliert. Und mit mir zusammen kann er diesen Weg nicht gehen, der jetzt vor ihm liegt, weil er sonst immer wieder von einem Zwiespalt in den nächsten fällt. Er drückt es so aus, dass zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Aber da seit einigen Wochen eine negative Grundstimmung in ihm herrscht, fällt seine Entscheidung leider nicht zu meinen Gunsten aus.

Wir haben uns geeinigt, dass wir "Freunde" bleiben. Er hat meinen Kindern gesagt, dass sie sich jederzeit bei ihm melden dürfen, wenn sie Probleme haben. Dass ICH mich bei ihm melden kann. Ich habe ihm klar gesagt, dass ich ihn über alles liebe und dass ich sehr traurig bin. Nicht nur ich bin traurig. Er ist es genauso. Meine Familie, seine Schwester ebenso. Meine Kinder hatten sich nach meiner Trennung von meinem Mann wieder gefangen. Sie haben meinen Freund genauso wie ich GEBRAUCHT.

Ich habe ihn gefragt, warum er gleich die Beziehung beendet. Wir könnten uns doch einigen, dass wir uns nur alle zwei Wochen sehen. Dass ich ihn komplett in Ruhe lasse in der anderen Zeit. Oder dass wir jetzt einfach mal vier Wochen nichts gemeinsam unternehmen und trotzdem das Wissen um den Anderen haben. Den Rückhalt. Das will er aber nicht.

Auch dass ihn erinnert habe, was wir noch alles vorhatten, bringt nichts. Wir wollten 2 Tage nach Dresden fahren. Es scheitert am Geld. Ich sagte dann, es sei kein Problem, dann fahren wir halt nächstes Jahr. Aber auch das sei kein Kompromiss, weil er es mir ja eigentlich für dieses Jahr versprochen hat. Er macht sich fertig mit Zweifeln und Gedanken, wo ich sage, na und? Dann machen wir das eben erst, wenn Geld da ist. Er setzt sich da selbst unter Druck, und ich kann sagen was ich will, dass es mich nicht stört, IHN stört schon allein der Gedanke, dass er etwas versprochen hat und es nicht zeitnah einhalten kann. Mein Sohn hatte sich auch sehr gefreut, als er ihm gesagt hat, dass er das eine Motorrad bekommen wird. Und jetzt ist es nichts mit dem Motorrad. Und vermutlich wird es auch nichts werden. Solche Dinge machen meinem Freund das Leben zur Hölle. Das verstehe ich auch. Mich würde mein schlechtes Gewissen jedenfalls erdrücken. Aber ich würde alles mögliche tun, damit ich wenigstens annähernd meine Versprechen einlöse. ER kann das nicht.

Er war und ist mein Halt. Ich hatte schon seinen Geburtstag im Oktober vorbereitet. Hatte mir schon überlegt, was wir an Weihnachten alles machen könnten. Ich brauche jemanden, dem ich all meine Liebe und Zärtlichkeit geben kann. Und er hat alles aufgesogen wie ein Schwamm und er hat es mir wiedergegeben. Als wir uns letztes Jahr kennengelernt haben, war ich lange Zeit sehr zurückhaltend, was die "Familieneinführung" betraf. Ich wollte ihn nicht zu weit in mein Leben lassen, aus Angst, es sei nur ein kurzes Gastspiel. Aber er hat sich bewusst mit seiner ganzen Art in unser Leben eingebracht. Er hat sich mit seinem Verhalten in unser aller Herzen katapultiert und jetzt lässt er uns fallen. Wir lieben ihn alle und er geht. Obwohl auch er uns liebt. Ich verstehe es nicht. Das heisst, ich verstehe es und ich verstehe es nicht. Warum muss er alles so rigoros machen?

Am Sonntag habe ich ihn gebeten, hier im Forum all meine und eure Beiträge zu lesen. Er war sozusagen schockiert und sprachlos, wie treffend ich das alles beschrieben habe. Aber er war hier noch nicht wieder mit seinem Nick online. Ich weiss nicht, ob er es über sich bringt, sich hier zu äussern. Jetzt vermutet er, dass sein Nick gelöscht wird, weil er es mal wieder nicht geschafft hat, tätig zu werden.

Ich habe ihn gefragt, wie er sich in Zukunft fühlen wird, wenn er mit seinem Freund und dessen Freundin mal weggeht. Die beiden turteln in einer Tour und sind nach zwei Jahren noch verliebt ohne Ende. Er meinte, dann würde er sich eben wieder wie das fünfte Rad am Wagen fühlen. Ich habe ihn gefragt, wie er mit seiner sexuellen Lust umgehen wird. Er sagte, vor mir gab es keinen Sex und jetzt gibt es eben auch keinen mehr.

Ich frage mich, warum das alles sein muss. Bin ich ihm kein Halt? Gibt ihm meine Liebe keine Kraft?

Dann habe ich ihm noch angeboten, dass wir doch gute Freunde bleiben können. Dass wir uns auch ab und zu mal treffen könnten und nen Kaffee in der Stadt trinken, oder was Essen gehen könnten. Er meinte, er glaube nicht, dass das funktionieren wird. Ich habe ihn gebeten, mir und meinem Vorschlag wenigstens eine Chance zu geben.

Wenn ich ehrlich bin, möchte ich ihn nicht verlieren. Wir haben soo viele Gemeinsamkeiten. Wir haben soo viele gemeinsame Interessen. Wir haben den besten Sex aller Zeiten miteinander. Aber ich habe ihn verloren. Bei mir kommt erst langsam die Erkenntnis, dass er es wirklich ernst meint. Dass wir wirklich nichts mehr zusammen unternehmen werden. Dass es vorbei ist.

lg, Helena


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BeitragVerfasst: 16.09.2008, 09:49 
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hallo helena,
es tut mir leid für dich. wirklich.
aber auf der anderen seite scheint er jetzt seinen weg zu gehen. und das finde ich wiederum gut.
helena, du hättest sein messisein nicht aussparen können, selbst wenn du es gewollt hättest.
versuch es, als schubser für dich zu sehen, denn bei dir läuft ja auch nicht alles rund.
freunde bleiben geht nur dann, wenn man sich richtig getrennt hat.
ein früherer freund von mir ruft ab und zu an. so einmal im jahr, manchmal auch alle zwei jahre. wir können gut miteinander reden, weil wir uns immer noch "kennen". aber es ist klar, jeder hat sein eigenes leben.
helena, ich hoffe, du findest für dich eine möglichkeit, dass es dir irgendwann auch wieder besser geht.



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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 16.09.2008, 10:13 
danke @Eiskristall,

vielleicht glaube ich ja auch nur, dass die Liebe am Ende doch stärker ist. Vielleicht denke ich, wenn ich mich jetzt wirklich ruhig verhalte und nicht dränge und mich zurückhalte, dass er dann irgendwann doch wieder zu mir zurück kommt, weil er seinen "Mist" schneller auf die Reihe bekommt.

Aber vermutlich mache ich mir nur selbst etwas vor............ vielleicht brauche ich diesen Strohhalm im Moment

Ich hatte es mir so richtig schön vorgestellt, wie wir zum Beispiel erst meine Scheidung und dann seine Scheidung feiern.

Wenn ich jedoch ehrlich zu mir selbst bin, dann muss ich sagen, dass ich mir seit Wochen schon insgeheim selbst die Frage gestellt habe, ob wir es wirklich schaffen. Ich habe mir oft gedacht, dass es nur ein Traum sein kann, aus dem ich irgendwann aufwache. Es war einfach alles zu schön, zu harmonisch, voller Liebe und Zärtlichkeit, wenn wir zusammen waren.


Helena


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 16.09.2008, 10:46 
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Liebe Helena!

Es tut mir so leid für dich! Ich kann mir vorstellen, wie sehr es dich schmerzt und dass du versuchst irgendeinen Ausweg zu finden um noch weiter Kontakt halten zu können. Aber ist das auch vernünftig?

Im Moment glaubst du vielleicht, dass alle zwei Wochen besser als nichts ist und du schon glücklicher wärst, wenn du ihn bloß ab und zu siehst und du dich auch nicht in sein Leben einmischen würdest (können).
Stell dir vor, es wäre so - Ihr würdet eine Beziehung "auf Distanz" führen.
Wärst du damit wirklich zufrieden? Oder würdest du nicht langsam versuchen wieder Land zu gewinnen und über kurz oder lang wäret Ihr am selben Punkt.

Hoffnung zu haben ist nicht schlecht, aber man muß auch der Realität ins Auge sehen. Eine Beziehung kann nur dann auf Dauer gut gehen, wenn die beiden Partner auch mit sich selber im Reinen sind.
Und da krankt es leider bei Euch beiden.

Auch wenn es noch so weh tut im Moment, es wäre besser für dich, wenn du dich nicht an irgendwelche Strohhalme klammerst. Wenn du stark bist und die Trennung akzeptierst.
Mit deinen Bemühungen ihn irgendwie noch zu halten, verlängerst du bloß deine Schmerzen. Mit Abstand kann man so eine Situation viel leichter bewältigen.

Es kann ja sein, dass Ihr irgendwann wieder die Chance auf ein gemeinsames Leben habt, bloß solltest du dich nicht so sehr darauf fixieren. Gib ihm und auch dir den jetzt nötigen Abstand und vertraue auf das Schicksal - es wird so kommen, wie es für dich am besten ist.

Ich wünsche dir alles Liebe
Gisi


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 16.09.2008, 11:03 
Hallo Gisi,

du hast ja recht. Vielleicht ist es auch deshalb eine solch seltsame Situation, weil ich ja noch krank geschrieben bin. Wer weiss, wenn ich wieder arbeite, wie dann alles ist.

Ich war noch nie in der Situation, dass mich jemand verlassen hat, obwohl er mich liebt. Ich kenne nur das Gegenteil.

Allerdings glaube ich, dass es mit der Zeit zwischen uns einschlafen wird. Die SMS werden weniger und die Anrufe sowieso. Und irgendwann ist er dann aus meinem Leben verschwunden. Er kann es auch nicht so rigoros durchziehen. Das habe ich gestern bemerkt und auch am Sonntag abend, als wir jeder daheim waren.

Wir werden sehen, wie es weiter geht. Ich wünsche mir nur von ganzem Herzen, dass er den Weg hierher findet und auch die Zeit, um zu schreiben.

lg, Helena


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 Betreff des Beitrags: Depressionen?
BeitragVerfasst: 17.09.2008, 18:46 
Hallo schon wieder,

mein Ex-Freund war gestern bei seiner Hausärztin. Die hat gemeint, dass diese Unordnung und dieses Unvermögen, etwas auf die Reihe zu kriegen, nicht unbedingt auf ein Messie-Syndrom hindeuten. Das könnten auch Zeichen einer unbehandelten Depression sein. Hmmm, ein neuer Aspekt für mich.

Er hat ja letztes Jahr, bevor wir uns kennenlernten, Antidepressiva eingenommen, die er von seinem Nervenarzt bekommen hat. Allerdings war die Behandlung durch diesen Arzt auch nicht unbedingt das Wahre. Und nachdem er nicht wirklich oft bei seiner Psychotherapeutin zur Therapie war (ich glaube, es waren zwei Sitzungen) hat er diese Antidepressiva nach und nach ausschleichend abgesetzt. Den letzten Termin bei der Psychotherapeutin hat er absagen müssen und keinen neuen mehr vereinbart.

Heute war er bei dieser Psychotherapeutin. Wir haben heute nachmittag kurz telefoniert. Es geht ihm gut. Er hat auch mit seiner Krankenkasse gesprochen, weil er eine Reha-Maßnahme beantragen möchte.

Ich schreibe das hier, weil ich euch sagen möchte, dass wir weiterhin in Kontakt stehen. Dass wir im Grunde genommen jeden Tag telefonieren und uns austauschen.

Und weil ich glaube, dass ihn der "Zwang", MIR etwas recht machen zu wollen, meine Erwartungen erfüllen zu wollen, erst richtig kaputt gemacht, gelähmt hat. Und ich bin mittlerweile der Meinung, dass er es jetzt schaffen wird. Ohne mich! Aber trotzdem mit mir. Uns geht es gut.

Spricht etwas dagegen, wenn ich hier weiterhin mitlese? Und vielleicht ab und zu etwas schreibe? Und vielleicht meldet er sich ja auch einmal selbst zu Wort.

Liebe Grüße, Helena


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 17.09.2008, 18:48 
????......da hab ich jetzt wohl auf den falschen Button geklickt. Eigentlich wollte ich nämlich ein neues Thema aufmachen. Dürfte aber egal sein, denke ich mal

lg, Helena


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 17.09.2008, 23:59 
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Helena, auch wenn mir gerade nichts tröstendes einfällt, ich finde es sehr schön, daß du hier bei uns bist!
Ich persönlich finde es sehr interessant, wie du aus Nichtmessie-Sicht die Dinge siehst, ohne Messies zu verurteilen.

Mit deinem Freund, das ist ja sehr traurig, daß das zu Ende ist.
Vor allem, nachdem du wirklich versucht hast, ihn zu verstehen und sehr gerne hast.
Der Freund hat sicher seine Gründe, und es fällt ihm bestimmt auch nicht leicht, mit und ohne dir.
Vermutlich braucht er wirklich Zeit und den Freiraum, um seine Probleme selbst anzugehen.
Ich würd dringend raten zu versuchen, mir keine Hoffnungen auf einen Neuanfang mit dem Freund zu machen, (obwohl ich es selbst wohl auch täte :roll:)
Am besten, nur gut für dich selbst und deine Lieben, für die du verantwortlich bist, sorgen, so daß du auch niemand anderen brauchst.

Ich würde mich freuen, wenn du weiterschreibst!

_________________
Liebe Grüße, Cheany


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BeitragVerfasst: 18.09.2008, 08:58 
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natürlich kannst du hier weiterhin schreiben :-D


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 18.09.2008, 14:17 
Danke Cheany,

das macht nichts, wenn dir nichts tröstendes einfällt. Was soll mich auch trösten? Ich denke, da gibt es nichts, was ein Außenstehender sagen oder auch machen könnte. Das muss ich mit mir selbst ins Reine bringen

Mein Freund wird auch weiterhin mein Freund bleiben, nur haben sich leider die Grundbedingungen verändert. Ich spüre jeden Tag, jede Stunde, jede Minute mehr und intensiver, wie sehr ich ihn vermisse. Seine Berührungen. Dass er eben DA ist. Dass wir ein WIR sind.
Da er nie gelernt hat, über seine Gefühle zu sprechen und ich ihn immer wieder dazu ermuntert habe, mit mir darüber zu reden, was er empfindet, wird er mir nicht sagen, dass es ihm genauso geht. Aber er hat im Gespräch eine Bemerkung fallen lassen, nachdem ich ihn aufgemuntert und gelobt hatte, dass er seine sich vorgenommenen Punkte jeden Abend erledigt hat. Ich sagte, dass ja durch die Trennung von mir ein ganz großer Teil seiner "Aufgaben" nicht mehr vorhanden sei und er sich ja demzufolge um MEINE Belange nicht mehr kümmern müsste, was ihm doch sicherlich alles andere erleichtern würde. Seine Bemerkung daraufhin war, dass ich nicht glauben solle, dass es ihm dabei besonders gut geht, wenn er an die Trennung denkt.

In diesem Gespräch, als er dann zu Hause war, hat er gesagt, dass er im Zug bereits sein Abendessen gegessen hat. Erstens, weil er Hunger hatte und zweitens, weil er sich gedacht hat, dass er dann die Zeit für das Essen daheim einsparen kann. Und kaum war er daheim, rief er mich an und wir redeten. Er erzählte mir, dass ihn im Zug bereits eine innere Unruhe erfasst hatte, die er sich nicht erklären konnte. Auf dem Weg vom Bahnhof zu seiner Wohnung wurde das immer schlimmer. Als wir dann telefonierten, spürte ich das und am Ende des Gespräches fragte ich ihn, wie es ihm jetzt ginge. Er meinte, er sei viel ruhiger. Ich brachte das Wort "ausgeglichen" ins Spiel und er sagte, ja, das würde haargenau zutreffen. Er würde sich jetzt wieder ausgeglichen und ruhig fühlen und das käme von der Vertrautheit zwischen uns. Woraufhin ICH sagte, dass ich das ebenso empfinde und es doch ein schöner Zustand ist.

Daraufhin habe ich bis jetzt nichts mehr gehört. Das ist auch so ein Punkt, ich hatte ihn wirklich massiv unter Druck gesetzt, dass er mir auch vom Büro aus SMS schicken soll. Ich wollte immer Aufmerksamkeit und Beachtung haben und habe ihn dadurch viel zu sehr unter Druck gesetzt.

Heute abend wird er zu seiner Schwester fahren und dort übernachten. Ich denke, es werden gute Stunden für ihn. Mit Gesprächen und lieben Worten. Es wird ihm gut tun.

Heute morgen habe ich einige Seiten über Depressionen angesehen. Und auch dort habe ich einiges gefunden, was auf ihn zutrifft. Vielleicht sogar noch mehr als bei ADS oder beim Messie-Syndrom.

Irgendwie könnte ich mir vorstellen, dass das Messie-Syndrom, ein Symptom für Depressionen ist? Aber ist das IMMER so?

Ich habe ihm gestern erzählt, dass ich zur Zeit ziemlich blöde Tage erlebe. Weil ich ja nichts richtiges tun kann, sonst bekomme ich wieder Erstickungsanfälle. Aber warum kriege ich es nicht auf die Reihe, endlich die blöde Wäsche zu sortieren und zu waschen? Endlich die Kassenbelege der letzten MONATE ins Haushaltsbuch einzutragen? Endlich mein Fotoalbum fertig zu kleben? Oder Briefe abzulegen? Dann habe ich ihm gesagt, dass ich den Inhalt meiner Tasche, die ich ja jeden Tag mit auf die Arbeit nehme, aufs Bett gekippt habe. Weil ich dem Gewicht nach Goldbarren mit mir rumschleppen würde. Aber leider waren es keine Goldbarren und auch keine Geldrollen. Nur lauter unnützer Krimskrams. Warum ist das so? Mein Freund sagte, dass er sich vorgenommen hat, jeden Abend seine Aktentasche gleich auszuräumen und die kopierten Briefe und sonstiges gleich aufzuräumen und Werbung sofort wegzuwerfen. Seit Montag hat er das geschafft. Und warum schaffe ICH es jetzt plötzlich nicht, alles auf die Reihe zu kriegen? Oder fällt mir das jetzt nur auf, weil ich nichts anderes zu tun habe? Ich hab Bücher hier liegen, die ich unbedingt lesen wollte. Ja, hab ich auch, aber ich bin nie bei einem Buch geblieben, sondern lese kreuz und quer. Bücher über Messies, Depressionen, Ängste und zusätzlich lese ich noch einen Thriller von Robert Ludlum.

Naja, genug gejammert. Ich finde es auf jeden Fall sehr schön, dass ich euch auch weiterhin ein bisschen was erzählen kann. Und ich hoffe es und wünsche es mir wirklich, dass sich auch mein Freund einmal zu Wort meldet.

Zu deinem Satz, dass ich als Nicht-Messie die Messie's nicht verurteile kann ich nur sagen, frage ich nur, warum ich das tun sollte? Wer hat das Recht, andere zu verurteilen? Ich bin keine Richterin und Messie's oder ADSler oder Depressive oder oder sind keine Verbrecher. Also? Außerdem bin ich langsam der Ansicht, dass in vielen von uns ein kleiner oder großer Messie steckt.

Ach ja, nochwas. Ich versuche nicht nur, meinen Freund zu verstehen, ich glaube sogar, DASS ich ihn in vielen Dingen verstehe. Nur ist da eben noch diese Stimme in mir, die dann immer dagegen fragt. Warum er ausgerechnet die Frau, die ihn versteht und liebt, sozusagen aus einem engsten Lebenskreis ausschließt. Warum die Liebe nicht stark genug ist. Und dann kommt die Antwort von der anderen Stimme in mir, dass er mit seinem Leben und den ganzen Problemen nicht einfach Schluß machen kann, weil die eben da sind und auch schwerwiegende Konsequenzen für ihn haben. Da ist es leichter, wenn er mich aus seinem Leben ausschließt.

Und für meine Kinder sorge ich, das ist vollkommen klar. Für meine Mutter natürlich auch. Ich kriege es auch hin, ein paar Löcher in die Wand zu bohren oder Türen abzuschleifen. Ich bin auch glücklich dabei. Nur ersetzt all das nicht die Liebe, Aufmerksamkeit und das Zusammensein mit dem Mann, den ich liebe.

Das waren jetzt viele philosophische Gedanken. Aber man kann ja zum Glück den Beitrag ganz schnell zumachen, wenn es zu langweilig zum lesen wird.

liebe Grüße, Helena


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