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 Betreff des Beitrags: Meine Freundin und ihre Kinder - was nun?
BeitragVerfasst: 13.08.2010, 17:54 
Hallo Zusammen,

ich bin neu..... und hab lange überlegt, was zu tun ist. Aber ich beginne mal von vorn. Seit ca. 16 Jahren kenne ich xxx, wir sind uns im Kiga unserer Töchter begegnet, hatten lange losen Kontakt und durch meine eigene Trennung sind wir Freundinnen geworden. Keine wirklichen dicken, sondern solche, die manches miteinander unternehmen, mit den Kids in den Biergarten, oder gemeinsam bei Ikea shoppen, ein Eis zusammen essen gehen oder aber regelmässig ins Kino gehen.... und das hat sich über die Jahre hingezogen.

Meine Freundin hat viel zu tun, sie engagierte sich sehr in der Schule, machte unendlich viele freiwillige Dienste, hier eine Konferenz, da ein Verein, immer rund um die Uhr beschäftigt - irgendwann fiel mir auf, sie ist so gut wie nie zu Hause und überhaupt, wir haben uns nie bei ihr getroffen...... ihre Wohnung kannte ich lange Jahre nicht. Die Begründung war immer ihr Mann, der sei komisch und wolle seine Ruhe haben und überhaupt, man lebe getrennt.....

Es gab bei ihr eine sehr unangenehme Trennung, in der ich Seiten an ihr erlebte, die mich verwirrt haben..... wie kann man 8 Jahre gemeinsam getrennt in einer Wohung leben? Aber ich hab auch gemerkt, das Hilfsangebote nicht angenommen wurden, sie wollte das nicht hören..... nicht darüber reden und alles was ich sagte, verlief im Sand. Ich hab mir dann gedacht, das ist ihre Sache, hab zwar hin und wieder gesagt, "find ich für die Kinder schwierig....." (sie hat zwei Töchter, heute 20 und 16) aber auch das ließ sie nicht an sich heran. So entwickelte sich unsere Freundschaft einfach so...... ich hab gedacht, ist ihre Sache und ansonsten sind wir prima miteinander klar gekommen.

Letztes Jahr hatte sie Trouble mit ihrem Vermieter und bat mich in die Wohnung, als Zeugin bei einem Gespräch zwischen Vermieter und Hausgesellschaft. Ich bin fast umgefallen..... nur noch Laufwege........ ich hab sowas noch nie nicht gesehen. Selbst im Bad kann man nicht duschen, nur Toilette und Waschbecken sind frei...... alles war mit Tüchern verhängt, so dass es nicht so wild aussah. Ansonsten war die Wohung sauber, die Gänge werden jeden Tag gewischt.... die Küche ist, teilweise, nutzbar..... jetzt nicht mehr, aufgrund von Schimmel ind er Wohung, was aber nicht ihre Schuld ist, sondern es ist ein Abflussroht in der Wand leck gegangen, der Schaden ist repariert, aufgeräumt allerdings nicht mehr....

Ihre Garage - unbetretbar. Man hat das Gefühl, wenn man sie öffnet, dann fällt einem alles entgegen. Gab auch schon Ärger, wegen Brandschutz etc.

So - das ist das eine. Das andere ist, ihre Große ist ihr, jetzt nach den Ferien weggelaufen und wohnt zur Zeit bei uns.... sie will nicht mehr nach Hause. Und ich hab zunehmend das Gefühl, mir wächst das über den Kopf. Meine Freundin reagiert, mir fällt kein besseres Wort ein - bockig. Hat das Schloß ausgetauscht und wieder zurück, schirmt die jüngere Schwester ab, erzählt wüstes Zeug, von Du bist schuld, wenn Deine Schwester ins Heim muss bis hin zu - nun musst Du Deine Ausbildung abbrechen und arbeiten, denn Du hast kein Geld.....

Die Familie lebt von Hartz IV und in der Tat, unter 25 jährige dürfen ja nicht ausziehen, außer - eben, außer es liegen besonderen Bedingungen vor, die nun auch gegeben sind. Die Schiedsstelle hat die Sache wohlwollend beurteilt......

Jetzt bin ich einerseits geschockt, derweil ich meine Freundin von einer Seite kennen lerne, die mir fremd ist. Und trotzdem möchte ich mich nicht komplett mit ihr überwerfen, denn sie liegt mir am Herzen. Sie hat es schwer gehabt und mir ist ansatzweise klar, wodurch sie so geworden ist. Sie ist ein Kontrollfreak (war beim zweiten Date ihrer Tochter und hat dem jungen Mann gesagt, wo er die Tochter treffen kann und wo nicht und wollte dann mit ihm Termine für die Treffen machen..........) und wenn ihr die Kontrolle entgleitet, dann reagiert sie, für mich, unberechenbar.... ich sorge mich also nicht nur um meine Freundin, sondern auch um ihre Töchter. Gut die eine hab ich hier, sie ist rührig und kümmert sich..... aber die andere, ist momentan eher nicht erreichbar.

Mir ist auch klar, im Grunde ist es meine Freundin, die Hilfe braucht..... aber sie will von allem nichts wissen. Sie lehnt immer noch alles ab und ist schwer getroffen, über den vermeintlichen Verrat ihrer Tochter (okay, das muss weh tun, keine Frage, aber das Kind ist in Not - sehe ich jedenfalls so) und natürlich auch darüber, das die Arge ihr diese Wohung nicht mehr bezahlt, wenn eines ihrer Kinder auszieht.

Wobei ich denke, ein Umzug, auch wenn er erzwungen wird, ist einfach DIE Chance für alle..... da brauchts nur noch kompetente Hilfe, die eben an einem bestimmten Punkt "Stopp" sagt. Denn Müll sammelt sie nicht, sie sammelt alles,w as man noch brauchen kann.... ich wette, sie hat drei Wohungseinrichtungen in ihrer in den Ecken gestapelt. Und ich bin total fasziniert, das sie immer weiß, wo alles ist und was sie alles hat. Und sie hat einfach alles............ Und Müll, also den richtigen Müll, den stellt sie auch regelmässig raus. Erstaunlicherweise gelingt es ihr in fremden Haushalten aber hervorragend, Ordnung zu halten und den Haushalt zu erledigen. Sie hat lange als Tagesmutter gearbeitet und geht als Zugehfrau ein bisschen dazu verdienen. Eine sauberere und schnellere Kraft als sie, kenn ich nicht. Das passt alles so gar nicht zusammen. Andererseits, wenn einer Hilfe braucht, dann ist sie auch da, verlässlich..... egal ob als Springer, wenn eine Freundin monatelang nicht laufen kann, oder alte Leutchen gepflegt werden müssen, zuverlässig und ordentlich. Für mich wird das immer schwerer diese Dinge zusammen zu bringen.

Vielleicht ist das für den Anfang einfach alles ein bisschen viel, aber ich fühle mich so hilflos...... wie kann man jemandem helfen, schon im Interesse der Kinder, der das nicht will. Und muss man eingreifen? Oder muss sie so lange "untergehen" bis sie selbst erkennt, SO geht`s nimmer? Dazu kommen "seltsame" Verhaltensweisen, die ich gar nicht einordnen kann und bei denen ich manchmal da stehe und mich frage "in welchem Film bin ich jetzt".

Wenn Ihr Fragen habt, immer her damit.... ich werd versuchen, sie so zu beantworten, wie ich es weiß. Aber ansonsten wäre ich für Hilfestellungen dankbar. Ich möchte nicht zusehen, wie sie sang- und klanglos untergeht und fallen gelassen wird......

Traurige und müde Grüße
Sundri

P.S. müde, weil ich versuch zwischen Mutter und Kind zu vermitteln, neutral zu helfen und doch Eindrücke gewinne, die ich, na ehrlich, eigentlich nicht gebraucht hätte.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.08.2010, 20:10 
Hej,

also, da dies hier die richtige Stelle ist, setze ich meine Gedanken und Motive noch einmal an diese Stelle:

Suche ich Hilfe? Ja, aber eher für mich selbst, das ich für meine Freundin hier keine Hilfe finden werde, das weiß ich wohl und das ich ihr erst helfen kann, wenn sie dafür bereit ist, auch. Ist sie nicht..... kein bisschen..... momentan ist sie einfach nur und ausschließlich extrem sauer, weil ihre Tochter, wie geschrieben, ausgezogen (eher weg gelaufen) ist und sie sie nicht wirklich wieder unter ihre Kontrolle bekommt. Die Dinge geraten ihr aus der Hand und natürlich, sie ist verletzt - was ihre Tochter da tut und in meinen Augen tun muss, verletzt sie. Das weiß ich. Aber ich weiß auch keinen anderen Weg als das Kind zu unterstützen. Na ja, das Kind ist 20, aber doch überfordert, hilflos und sehr traurig.

Ich selbst aber frag mich, wie gehe ich mit ihr um? Wie spreche ich die Dinge an, klar und deutlich? Oder eher gar nicht? Wie kann ich damit umgehen, das die meisten Dinge, die sie mir bisher erzählt hat, anders sind und zwar sehr anders? Das sie z.B. ihrer Mum unterstellt sie wäre dement und wir uns hier sorgen, was man tun könne und nun erfahre ich, das davon nichts stimmt..... die Demenez zeigt sich darin, das die Mum nicht will, was die Tochter fordert. Wie geht ich mit so etwas um? Bisher hab ich ihr immer alles geglaubt..... auch das die Unordnung nur kurzfristig wäre und mittlerweile beseitigt.

Ich sorge mich um meine Freundin, sie nimmt seltsame Züge an..... Beispiel, wir gehen Montags immer ins Kino, es gibt hier eine Aktion "einer zahlt, zwei gehen hin", man kann Karten vorbestellen, aber den Film nicht aussuchen. Sie bestellt seit einiger Zeit immer 6 Karten (wir sind aber nur zwei) und nimmt dann für uns immer die Plätze in der Mitte und erzählt den "Nachbarn" dann, das sie ja Glück gehabt hätten, derweil unsere Kinder spontan nicht mitgekommen wären..... es war nie die Rede davon, das die Kids mit ins Kino gehen.... und ich sitz da und fühl mich unwohl. Ich hab versucht, sie darauf anzusprechen und sie hat sofort geblockt, das Thema gewechselt und geredet, so dass zuhören nicht möglich war.

Und ja, hauptsächlich sorge ich mich um die Kinder, denn die haben natürlich daheim keine Sozialkontakte und immer nur woanders hingehen ist schwierig.... sie können zu Hause nicht duschen (die Wanne ist bis unter die Decke voll gepackt) und teilen sich zu zweit ein Zimmer, das eben auch nur Gänge hat..... trauen sich nicht, die Sachen ihrer Mutter aus dem Zimmer zu stellen - ist auch schwierig, es ist kein Platz da.

Ich merke, das es mir mit der Erkenntnis dieser Dinge selbst nicht gut geht, aber ich möchte mich auch nicht zurück ziehen..... wie also gestalte ich diese Beziehung weiterhin? Einfach so, als wäre nichts geschehen?

Ich hab das Gefühl, das hier eine Stelle des Umbruchs ist, mittlerweile weiß ich, das auch die zweite Tochter von zu Hause weg will, aber noch ergibt sie sich ihrem Pflichtgefühl "Mama war auch immer für mich da!" und so gibt sie noch ein Stück von sich auf, denn Freundinnen zu haben ist für sie ja extrem schwer. Und ich befürchte eben auch, wenn die zweite Tochter geht, das meine Freundin dann ganz absackt? Ist das berechtigt?

Fragende Grüße
Sundri


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.08.2010, 20:26 
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Hallo Sundri,

das ist natürlich wirklich eine absolut schwierige Situation, ganz besonders für die Kinder. Erstmal muss ich loswerden, dass ich es von dir absolut gut finde, dass du dich dieser Familie und ihren Schwierigkeiten annimmst und gerne helfen möchtest und dich nicht abwendest.

Allerdings...

Sundri hat geschrieben:
Ja, aber eher für mich selbst, das ich für meine Freundin hier keine Hilfe finden werde, das weiß ich wohl und das ich ihr erst helfen kann, wenn sie dafür bereit ist, auch. Ist sie nicht..... kein bisschen.....


...ist genau das der Knackpunkt. Momentan fühlt sich deine Freundin wohl mehr verraten, als sonst irgendwas anderes und ist wohl sehr verletzt. Ob in dieser Situation die Möglichkeit besteht mit ihr zu reden, kannst du besser wissen als ich, da du sie besser kennst. Doch was ich so von ihr lese, glaube ich, dass sie einfach erstmal ein wenig Abstand auch braucht und wieder "runterkommen" muss.

Vielleicht ist das "Weglaufen" ihrer Tochter auch ein Anstoß (früher oder später) für sie, sich nach einiger Zeit des Vermissens, vielleicht auch von selbst zu melden.

Ich bin ja selbst Messie und meine Familie hat das alles schon eine ganze Weile bei mir beobachtet. Auch sie haben zu Anfang versucht mir zu helfen, aber solange ich selbst mir mein Problem nicht eingestehen wollte, hat es nichts gebracht und die Fronten im Gegenteil nur erhärtet.

Wichtig ist in meinen Augen, dass du deiner Freundin signalisierst, dass du sie nicht verurteilst, dass du weiterhin zu ihr stehst und dass es für dich keinen Unterschied macht, weil sie immer noch die Gleiche ist, auch wenn du das zuvor nicht wusstest. Aber sie hat sich im Prinzip nicht verändert und ich glaube, sie könnte sicherlich jemanden brauchen, bei dem sie sich mal richtig ausheulen könnte.

Solange sie aber noch in der Abwehrhaltung ist, bringt es überhaupt nichts. Denn glaub mir, JEDER Messie (die ich bereits kennengelernt habe) schämt sich dafür, dieses Problem zu haben. In Grund und Boden sogar! Und keiner von uns möchte zugeben, dass wir sind, was wir sind.

In meinen Augen solltest du ihr einfach noch Zeit geben, zu verdauen, dass du jetzt weißt, was Sache ist. Ich könnte mir vorstellen, sie kommt nach einiger Zeit vielleicht auch von selbst auf dich zu. Spätestens, wenn sie sich wieder wegen ihrer Tochter beruhigt hat und sie nach Hause holen möchte.

Da ich selbst keine Kinder habe, kann ich dir im Umgang mit einer ganzen Familie nur recht wenig dazu sagen, aber ich hoffe sehr, dass du hier die Hilfe findest, die du brauchst.

LG
Kerstin

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erneut... mal wieder... immer wieder! - Aufgeben gilt immer noch nicht!


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BeitragVerfasst: 15.08.2010, 21:36 
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also hier im forum gibts einige, die auf arbeit gut und ordentlich funktionieren, nur daheim nicht mehr. ich hab auch dazu gehört. das geht also durchaus.

was ich an der ganzen sache gruselig finde, ist die tatsache, dass kinder beteiligt sind. eine 20igjährige kann zum glück raus, die ist ja eigentlich kein kind mehr.
aber die 16jährige tut mir leid, und ich finde, dem mädchen müßte man helfen.
einem messi helfen geht nur begrenzt. das muß die frau selbst machen.


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BeitragVerfasst: 15.08.2010, 22:28 
Liebe Kerstin,

danke für Deine Worte.... und ja, ich denke, das sich meine Freundin verraten fühlt und unter einem großen Druck steht. Vermutlich fürchtet sie auch eventuelle Konsequenzen, etwa den Auszug aus ihrer Wohnung, die eben, nach Auszug der einen Tochter zu groß sein wird und vermutlich ist da auch die Angst, weil jetzt wird ihr Verhalten aktenkundig. Die Sorge dass das JuA kommt und die jüngere Tochter in ein Heim muss hat sie ja auch formuliert. Ich weiß nicht, wie berechtigt diese Sorge ist, denke aber, da für die Tochter keine Gefahr an Leib und Leben besteht, dürfte die Sorge eher nicht so groß sein.

Das Mädchen selbst sagt bislang, sie wolle jetzt noch zwei Jahre daheim bleiben, bis sie mit der Schule fertig ist..... mal sehen, sie ist recht erwachsen und ich traue ihr das auch zu.

Ihre große Tochter führt ja genau ihr Verhalten als Grund an, um frühzeitig eine eigene Wohung genehmigt zu bekommen. Und das sie da auf mich ebenso wütend ist, kann ich gut verstehen, denn ich unterstütze ihr Kind - die Unterstützung für sie selbst, indem ich versuche ihrer Tochter zu erklären, das sie sie weiterhin liebt und das es eine Krankheit ist und das die Mama Hilfe braucht, die bekommt sie ja nicht mit..... Klar stärke ich die Tochter, sage ihr, das sie auf sich achten soll und muss, das es so herum sein sollte, das Eltern sich um ihre Kinder kümmern und nicht umgekehrt - ich sehe ihre Ausbildung in Gefahr..... und, auch wenn es weh tut, geht sie vor. Und vielleicht ist sie auch hin und her gerissen, mich würde es beruhigen, mein Kind an einem sicheren Platz zu wissen, immerhin zieht sie nicht von einer Freundin zur nächsten.

Ich verurteile sie nicht, sie kann ja am wenigsten dafür. Die Gründe sind in ihrer Kindheit zu suchen, glaube ich jedenfalls und für sie allein nicht unbedingt zu lösen. Sich Hilfe holen ist ein Eingeständnis. Ich stell mir das schon ein bisschen wie ein coming out vor, sehr schwierig..... sich selbst eine solche Schwäche einzugestehen ist schwer, aber Dritten gegenüber? Da gehört viel Mut zu oder viel Verzweifelung.

Manchmal macht mich unsere Gesellschaft wütend, niemand sollte sich schämen müssen, für das was er ist.

Ich werde versuchen, sie morgen früh anzurufen, Montags ist immer unser Kinotermin, okay, morgen gibt es Shrek, den wollen wir nicht sehen, aber Zeit für einen Cappuccino sollte doch sein..... und wenn ich ihr dadurch nur zeigen kann, das ich da bin.


Liebe Eiskristall,

meine mittlere Tochter ist mit ihrer Tochter befreundet und die beiden Mädchen waren am Samstag zusammen ein Eis essen, da meine Tochter weiß, wie sehr wir uns sorgen, hat sie ihr einiges gesagt..... momentan sieht es noch so aus, das die Tochter meiner Freundin bei ihr bleiben will. Sie sagt "meine Mama war auch immer für mich da....." okay...... so haben wir aber zu ihr Kontakt und ich hab Gesprächsbereitschaft signalisieren lassen, das hab ich ihr in den Ferien auch schon gesagt "wann immer etwas ist, Du kannst jederzeit kommen.... ich bin für Dich da." Ansonsten will ich da nicht weiter eingreifen und schon gar nicht irgendwelche Reaktionen oder Aktionen erzwingen, ich glaube, die momentane Bewegung ist für alle Beteiligten bereits schwer genug.

Euch liebe Grüße und Danke
Sunri


@ all,

die Lügerei hat mich traurig gemacht..... aber ich bin dabei, hinter den Lügen die Angst zu erkennen, die Not.... wie groß muss diese Not sein, nicht sagen zu können "komm auf einen Kaffee vorbei", immer alle täuschen.... immer einen Grund zu finden, das man sich über Jahre hinweg an neutralen Orten trifft. Ich bin erschüttert über all das, was dahinter steht. Wie schlecht muss es ihr gehen, wenn sie Geschichten erfindet, über Dinge die ihr passieren..... und die es gar nicht gibt. Und wie allein muss sie sein? Ich denke, daran werde ich noch ein wenig zu knabbern haben.

Ansonsten hoffe ich, das mit dem Auszug der ersten Tochter viel in Bewegung gerät.... ich wünsche mir für sie, die richtige Richtung oder den Mut zu sich zu stehen.

Euch allen einen schönen Wochenanfang und Danke
Sundri


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BeitragVerfasst: 25.08.2010, 20:42 
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Ich glaube nicht, dass die jüngere Tochter in ein Heim müsste... für solche Fälle gibt es Betreutes Wohnen und ähnliche Projekte.
Wenn das Mädchen schon signalisiert, dass sie da raus möchte, ist das ein ernstzunehmender Hilfeschrei.

Ich stelle mich da ganz klar auf die Kinderseite... Kinder können sich nicht wehren und aus unerträglichen Situationen mal eben fliehen, wie Erwachsene das können. Sie brauchen Schutz und Unterstützung. Die Situation dürfte sie ohnehin bereits traumatisiert haben. Kinder zeigen das nach außen nicht unbedingt, bzw oftmals benutzen sie instinktiv Selbstschutzfilter und das ganze Ausmaß des Traumas kommt erst viel später hoch.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie Messies (zu denen ich ja auch gehöre) ganz selbstverständlich unendliche Rücksicht, Verständnis und Toleranz von ihren Mitmenschen und Angehörigen fordern und erwarten. Gerade hier im Angehörigenbereich wird das sehr deutlich. Da gibt es ganze Listen von Verhaltensanweisungen an die Partner und Eltern/Kinder von Messies "du musst das und das..", "du darfst niemals das und das..."....
Dabei ist der Leidensdruck für die Angehörigen und vor allem für Kinder genauso groß wie für die Betroffenen.

Kein Abhängiger irgend einer anderen Sucht käme damit durch. Das Messiesyndrom hat definitiv auch Suchtcharakter... Rückfälle und lebenslange Gefährdung sind genauso vorhanden wie bei einem Alkoholiker. Vermutlich gibt es sogar ebenfalls ein Suchtgedächtnis, das anspringt, sobald bestimmte Bedingungen zustande kommen.
Ich merke das bei mir selbst... als geheilt würde ich mich trotz aller Fortschritte nicht bezeichnen, eher als symptomfrei. Das kann sich jederzeit ändern, ich muss da immer wieder neu dran arbeiten und in bestimmten Situationen höllisch aufpassen, dass ich nicht in alte Muster verfalle und nach kurzer Zeit wieder im Teufelskreis Chaos/Isolation/Depression drin bin.

Ich möchte dich nicht als co-abhängig bezeichnen... gewisse Züge zeigst du aber schon. Du trägst dieses ganze System mit; durch deine Hilfe sowie unendliche Geduld und Verständnis kann sie schön weiterwurschteln wie bisher. Du nimmst die Lügen hin und deckst ihre seltsamen Aktionen. Wirst du zu forsch, wird sie bockig und zieht sich zurück.

Eure Beziehung zueinander hört sich nicht wie eine Freundschaft auf Augenhöhe an, mit gegenseitigem Geben und Nehmen - du scheinst dich total für sie aufzureiben, während sie sich nimmt, was ihr gerade passt. Ihr Problem überlagert eure Freundschaft, an erster Stelle steht ihr Messiesein, selbst dann, wenn ihr zusammen etwas unternehmt.

So hart es klingt, aber du solltest sie loslassen. In Freundschaft loslassen. Du kannst ihr nicht helfen, solange sie das selbst nicht will. Machst du weiter wie bisher, gerätst du immer mehr in den destruktiven Kreislauf hinein, funktionierst als Teil davon und hältst mit deiner Hilfsbereitschaft das Ganze auch noch am Laufen.

Sie ist eine erwachsene Person, die letztlich für sich und ihr Leben selbst verantwortlich ist. Ich würde ihr klar machen, dass, solte sie bereit sein, Hilfe anzunehmen, du jederzeit für sie da bist, sie auch als Beistand zu Behörden etc begleiten würdest, ihr bei der Therapeutensuche behilflich bist, und was sie sonst noch an Hilfe braucht.
Sie muss das aber wollen und es muss von ihr kommen. Nur dann machen Hilfsangebote Sinn. Alles andere ist Zeitverschwendung, und es handelt sich nicht nur um deine wertvolle Lebenszeit, sondern auch um ihre.

So übernimmst nämlich du Verantwortung für sie und ihr Leben, und das kann es ja auch nicht sein. Sie muss endlich Verantwortung für sich selbst übernehmen; indem du ihr System nicht mehr weiter mit aufrecht erhältst, wird sie das wohl auch irgendwann tun müssen. Oder untergehen. Auch das wäre dann aber ihre Entscheidung. Es ist ihr Leben, nicht deins. Du kannst ihr ihr Leben nicht abnehmen.

Manchmal hilft man mehr, wenn man nicht hilft. Du hast ja schon gemerkt, dass du es eh nicht kannst.


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