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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Selber ein Messie und nun dem "Helferdrang" widerstehen ...
BeitragVerfasst: 17.01.2012, 11:14 
Ich war zu Weihnachten im Haus meiner Eltern und jüngeren Geschwister. Ich könnte dort immer heulen. Sie haben so ein schönes Haus, aber keinen Platz.

Zwei ehemalige Kinderzimmer sind vor jahren frei geworden, aber sie sind immer noch so möbliert wie damals und stehen voll mit Büchern, Kinderspielzeug, Deko und beim Umzug nicht mitgenommenen Relikten.

Im Treppenhaus kann man vor Deko kaum treten. Praktisch jedes Mal, wenn meine zweijährige Tochter die Treppe rauf oder runter geht, geht etwas kaputt. Mir ist das schon peinlich, aber es ist fast unmöglich, in diesem über-dekorierten Haus, wo in jeder Ecke (inkluse der engen Wendeltreppe) Keramiklämpchen, Deko-Figuren, verstaubte Strohblumensträußchen, Sammel-Biergläschen etc. stehen, sich achtlos zu bewegen, ohne das was runterfällt.

Im Wohnzimmer stapeln sich Zeitschriften und Servietten in irgendwelchen Beistellwägelchen, weil die Schränke voll sind. Trotz des großen Wohnzimmers und der zwei nicht mehr bewohnten Kinderzimmer hat meine 2-jährige Tochter nirgends richtig Platz zum Spielen. Klar, sie findet schon Platz und spielt, aber eigentlich sitzt sie immer im Weg und sorgt mit ihren Spielsachen für noch mehr Chaos, was mir dann wieder peinlich ist.

Den Dachboden kann man nicht mehr begehen. Da schlummern noch Sachen, die ich vor 10 Jahren anlässlich eines Auslandssemesters abgestellt habe - ich würde sie mitnehmen, um meine Mutter zu entlasen, aber sie sind seitdem Abstellen nicht mehr gesichtet worden, weil man durch die oberen "Schichten" nicht mehr durchkommt.

Im Keller haben meine Eltern sich in liebevoller und mühsamer Arbeit eine Partyküche eingerichtet. Seit dem Jahr, in dem sie erbaut wurde, wird sie nicht mehr genutzt. Man kommt kaum rein, alles steht voll mit Vorräten, getrockneten Kräutern, Geschirr (davon das meiste zur Erinnerung oder Deko - das kann man gar nicht alles benutzen), die Dekorationsteile sind größtenteils verstaubt. Auf den Sitzmöbeln kann man nicht sitzen, weil sie zugestellt sind.

Problem: Ich bin selber auch ein Anhäufer und Rum-Müller. Ich habe allerdings vor wenigen Jahren das Entrümpeln als einzigen Ausweg für mich entdeckt. Während ich früher zu Hause eigentlich immer Ärger bekommen habe, weil ich nicht aufgeräumt habe, ist es nun so, dass ich es auf jeden Fall falsch mache. Wenn ich meinen Koffer einfach überquellen lasse, fühlt sich meine Mutter gekränkt, dass ich ihr Haus noch mehr in Unordnung bringe, als es sowieso schon ist (sie sagt aber nichts mehr). Wenn ich mir aber Platz schaffe, um meine Sachen halbwegs geordnet unterbringen zu können, verkörpere ich sofort eine Bedrohung - könnte ja sein, ich will jemandem in seine Sachen reinreden oder was wegwerfen!

Einmal hatte ich nämlich versucht, meine Entrümpelungsstrategie an meine kleine Schwester weiterzugeben - und bin damit total ins Fettnäpfchen getreten. Die Säcke mit dem ausgemisteten kaputten Spielzeug standen dann auch noch wochenlang im Keller, weil man sie nicht ungeprüft wegwerfen wollte (warum soll meine Schwester sich mit 3 intakten Maltafeln zufrieden geben, wo sie doch auch noch 2 kaputte dazu haben könnte ...) Seitdem halte ich mich schon sehr zurück!

Ein andermal wollte meine Mutter sich von den ganzen Sachen befreien und damit beginnen, Bücher an eine Kinderbibliothek zu verschenken. Da hat ihr Mann gesagt: "Bücher gibt man nicht weg." Was mich traurig und auch wütend macht, ist dass insbesondere mein Stiefvater lieber selbst alte Sachen sammelt, als andere damit zu belästigen oder was umkommen zu lassen. Wenn jemand kommt und sagt: "Mensch, du hast doch Kinder, willst du nicht noch diesen LKW voll Kinderbücher haben?", dann nimmt er das und verstaut es auch noch!

Sie haben geschenkte Bücher im Haus, die nie jemand gelesen hat und auch nie jemand lesen wird, geerbte Schlager-Schallplatten, die nie jemand gehört hat und auch nicht hören möchte, Videokassetten mit Filmen, die mein Bruder früher mal aufgenommen hat, die er selbst eigentlich wegwerfen sollte und die mein Stiefvater aufgehoben hat, nur weil die Rohlinge ja früher mal so und so viel Mark gekostet haben. Sie haben sich extra wieder einen Videorecorder gekauft, obwohl sie die meisten Videokassten nie wieder ansehen werden (weil die Filme gar nicht ihr Geschmack sind).

Also lange Rede - kurzer Sinn. Ich bin immer traurig im Haus meiner Mutter und fühle mich dort nicht mehr richtig wohl. Ich weiß, dass der Knackpunkt von alleine kommen muss und auch, dass meine Mutter und ihr Mann einfach wahnsinnig viel arbeiten und schlichtweg zum Ausmisten keine Zeit haben. Aber dass "muss" sich doch mal ändern - ich sehe, dass sie selbst darunter leiden (manchmal spricht meine Mutter es aus) und kann ihnen nicht helfen...


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 Betreff des Beitrags: Re: Selber ein Messie und nun dem "Helferdrang" widerstehen ...
BeitragVerfasst: 17.01.2012, 19:59 
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Es ist sicher sehr schwer für dich die Zustände im Haus deiner Eltern mitanzusehen und nichts dagegen tun zu können.
ABER als Selbstbetroffene solltest du ganz genau wissen, dass es immer viel leichter ist auswärts Ordnung zu machen oder zu bestimmen, was weg könnte, als bei sich selbst.
Am ehesten kann du deine Familie motivieren, indem du ihnen ein gutes Beispiel gibst.
Wenn du ihnen deine eigene Wohnung aufgeräumt vorführst und sie merken, wieviel leichte rman lebt und wie wohl man sich in einer ordentlichen Umgebung fühlen kann, dann werden sie sich animiert fühlen, ebenfalls etwas in der Richtung zu unternehmen.

Entrümpeln steckt an. Letztens als ich sehr viel weggegeben hatte, begann meine Mutter von sich aus ebenfalls ihre Schränke zu leeren.

Ich wünsche dir alles Gute.
LG Gisi

_________________
Es geht im Leben nicht darum, zu warten bis das Unwetter vorbeizieht. Es geht darum, zu lernen im Regen zu tanzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Selber ein Messie und nun dem "Helferdrang" widerstehen ...
BeitragVerfasst: 23.01.2012, 12:21 
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Beiträge: 516
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Hi Schneewittchen,

die Beschreibung des Hauses erinnert mich an meine Ex-Vermieterin.
Es war nie direkt schlampig oder dreckig bei ihr, aber alles vollgestellt und verstaubt.
So eine Riesenansammlung von Dekokrams kann man ja auch überhaupt nicht mehr pflegen selbst wenn man wollte.

Ich bin auch sehr froh, dort raus zu sein. Es hat zwar mein Messiesein eher ins Rollen gebracht als ins Ausdehnen, aber gut tat mir diese Umgebung nicht (ich bewohnte die obere Etage und dort war mein Flur von ihren Sachen zugestellt.).

Da hilft dir wohl leider nur die Abgrenzung. Was natürlich schwierig ist bei Besuchen mit Kleinkind.

Deine Eltern sind für sich selbst verantwortlich und dürfen so leben wie sie möchten. Vielleicht ist der Leidensdruck bei ihnen auch noch nicht groß genug oder sie blenden einfach aus.
Daran kannst du aber nicht das geringste ändern, nur sie können etwas ändern.

Ist das nicht auch ein bisschen gefährlich für ein kleines Kind, sich in so einem unübersichtlichen Haus zu bewegen? Da hätte ich ein wenig Angst.
Vielleicht können ja zukünftig deine Eltern häufiger zu dir kommen. Müsstest du ihnen natürlich sanft verklickern... oder aber mit einer klaren Ansage, vielleicht kommen sie ja dann mal ins Grübeln.

Ich unterhalt mich in letzter Zeit auch öfter mit meiner Mom über solche Sammel- Wegwerfen usw Probleme... und merke da, wieviel ich einfach durch sie übernommen habe.
Meine Mutter kauft sich was schönes oder bekommt es geschenkt und legt es - erstmal in den Schrank. Für die nächsten Jahrzehnte :roll:
Ist zu schön/gut/neu um es zu gebrauchen.
Das macht sie sogar zum Teil mit Geschenken von mir, was mich dann auch sauer macht (ein bisschen).

Ich habe diesen Trend auch ein bisschen, musste ich mir eingestehen. Ganz so weit gehts aber bei mir nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Selber ein Messie und nun dem "Helferdrang" widerstehen ...
BeitragVerfasst: 04.08.2013, 14:07 
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Besenschwinger
Besenschwinger
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Registriert: 10.2009
Beiträge: 82
Geschlecht: weiblich
Hi,

meine Eltern haben immer auf Ordnung und Sauberkeit Wert gelegt. Aber dann stand da dieser riesengroße Zeitungsstapel in der Wohnzimmerecke. Obwohl wir mit Papier keinen Ofen heizen konnten, lagen auch im Keller manchmal riesengroße Stapel von Altpapier, ich musste später feststellen, dass meine Eltern sogar meine alten Schulbücher aufbewahrt hatten.

Und dennoch gab die Unordnung in meinen Schränken immer wieder zu Schimpftiraden und Werfen der Sachen auf den Fußboden Anlass. Heute noch habe ich diese Unordnung, weil ich denke, kein Besucher macht den Schrank auf, um zu sehen, was da drin ist. Meine Schwägerin hat es doch tatsächlich getan und gemeckert, dass wir die Unterwäsche nicht zusammenlegen - ich hab mich auch gegängelt gefühlt, weil es doch keinen was angeht, was in unseren Schränken ist. Und wenn dort das Chaos tobt - ist doch nicht ihr Problem!

Allerdings so eine Vermieterin hätte ich gern gehabt, die selber chaotisch ist. Bei mir standen nur die Blumen auf dem Fußboden, weil die Fenster offen waren, und ein paar Zeitungen hatten sich angehäuft. Da hieß es schon, ob ich mich nicht schäme, so zu hausen, und wenn es so weiter ginge, müsste ich ausziehen. Wehe die Hausverwaltung klingelt bei uns... Aber es ist inzwischen nur noch ein Zimmer schlimm.

_________________
Liebe Grüße
Messie-As

Ordnung ist das halbe Leben. Ich lebe in der anderen Hälfte.


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