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Messies treffen sich zum Austausch und zur Motivation
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AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Teresa stellt sich vor
BeitragVerfasst: 25.04.2011, 17:47 
Liebe Mitgefährten,
seit etwa zweieinhalb Jahren bin ich mit einem sehr netten und liebenswürdigen Mann verheiratet. Als ich ihn kennen lernte, standen in seiner Wohnung ganz viele Bananenkisten. Wir waren beide verwitwet. Ich dachte, er habe die Sachen nicht anfassen können, weil es der Kummer um seine vorige Frau verhinderte. Mit mir zusammen machte er sich jedenfalls an die Entrümpelung. Bis zu unserer Hochzeit waren aus allen Räumen bis auf zwei die Kisten weg.
Für alle, die noch nicht so lange hier surfen: Die Kisten waren wahllos mit allem angefüllt, was es so gibt. Es waren Sachen seiner Frau, die offenbar kaufsüchtig gewesen war (ich habe noch nie so viele Strümpfe auf einem Haufen gesehen!), von seiner Mutter und von ihm selbst. Daneben Kleidung, die zum Teil schmutzig und mindestens dreißig Jahre alt war. In der Wohnung waren schmale Gänge, damit man mit dem Rollstuhl durchkam, denn er hatte nach dem Tod seiner Frau seine behinderte Mutter zu sich genommen.
Einen Monat vor unserer Hochzeit zog ich dann bei ihm (und seiner (liebenswürdigen) Mutter ein. Die Wohnung hatte über 200 qm.
Nach der Hochzeit fasste er so im wesentlichen keine Kiste mehr an. Mit ganz viel Zureden wurde noch ein weiteres Zimmer leer, aber sein Arbeitszimmer blieb zugemüllt. Außerdem tat er nur das absolut Allernötigste, während ich arbeiten ging. Abends musste ich nach der Arbeit den Haushalt versorgen und meine Klamotten bügeln. Falls sie auffindbar waren.
Daneben besaß er ein "Lager", eine Dreiraumwohnung, die ebenfalls mit Kisten vollgestellt war. Wir hatten uns geeinigt, dass die Wohnung drei Monate nach unserer Hochzeit leer sein sollte. Mit sehr viel Druck machte er dann nach einem Jahr diese Wohnung leer, weil ich ihm drohte, den Krempel sonst entsorgen zu lassen und das auch schon begonnen hatte. Da wurde er dann sehr hektisch aktiv.
Bei der Entrümpelung habe ich auch sehr viele Dinge aus seiner Vergangenheit gesehen, zum Beispiel, dass er seine Rechnungen nicht regelmäßig bezahlt hatte. Hier verharmloste er die wirklichen Verhältnisse. nach der Hochzeit bezahlten wir die Rechnungen alle und hatten zwei Jahre eine wirklich gute Zeit. DAs lag vor allem daran, dass ich die Augen fest zumachte und das Problem irgendwie auch verharmloste.

Meine Schwiegermutter ist schon recht alt, bekommt aber eine gute Rente und Pflegegeld. Mein Mann hat vor 15 Jahren seinen Beruf an den Nagel gehängt und pflegt jetzt seine Mutter. Er hat kein Einkommen.
Als vorsichtige Verwalterin habe ich angeregt, da ich Alleinverdienerin bin, die Finanzen zu konsolidieren und Kostenfresser abzubauen. Mit seinem Einverständnis!

2010 zogen wir deshalb in eine kleinere und kostengünstigere Wohnung. In diesem Zusammenhang schuf er sich ein neues Containerlager und zweigte die Miete dafür vom Haushaltsgeld ab. Als das herauskam, kam auch heraus, dass er in unserer alten Wohnung ein illegales Kellerlager eingerichtet hatte, dessen Eigentümer wegen der dort stehenden ca. 600 Kisten langsam nervös wurde.

Inzwischen habe ich mich auch ein wenig mit dem Messietum auseinander gesetzt (Sandra Felton gelesen), sah die Sache aber immer noch irgendwie als lösbar an.

Ich habe meinem Mann gesagt, wie enttäuscht ich von seinem Lügen war und habe erst einmal den Geldhahn zugedreht. Vor ca. drei Wochen habe ich - nach vorheriger sechswöchiger Ankündigung - das illegale Kellerlager entsorgen lassen, und eine Woche später dasjenige, das er inzwischen im Keller des Hauses gebildet hatte, in dem wir jetzt wohnen. Die Mieter hatten sich schon andauernd beschwert. Das führte zu einer schweren Eskalation. Mein Mann ist - was mir elend leid tut - am Boden zerstört. Trotzdem haben wir in den letzten Tagen das illegale Lager mit weiteren 450 Kisten in Angriff genommen. Davon sind jetzt noch 124 zu sortieren, aber nun darf ich endgültig nicht mehr mitmachen. Wenn er allein tätig wird, schafft er 4-7 Kisten pro Tag. Er weiß dann, was drin ist, hat aber nichts entsorgt. Inzwischen ist er nicht mehr ansprechbar.

Jetzt weiß ich nicht mehr weiter. Ich fühle mich wie jemand, der eine Lawine auf sich zukommen sieht und mit nichts als einer kleinen Schippe bewaffnet, irgendetwas unternehmen soll. Ich fühle mich total ohnmächtig und ganz am Ende meiner Kraft. Außerdem fühle ich mich ausgenutzt und tief beschämt, weil ich dieses entsetzliche Inferno nicht rechtzeitig gesehen oder besser erkannt habe.

Hat jemand eine Idee außer den üblichen "Messies brauchen einfach mehr Respekt"-Ratschlägen? Das ich anscheinend alles falsch gemacht habe, habe ich schon bemerkt.
Mit ziemlich verzweifeltem Gruß
Teresa


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 Betreff des Beitrags: Re: Teresa stellt sich vor
BeitragVerfasst: 26.04.2011, 18:14 
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Hallo Theresa,

erstmal Willkommen hier im Forum!

Was die illegalen Lager usw. deines Mannes angeht, kann ich ehrlich gesagt nicht wirklich etwas dazu sagen.

Da ich jedoch selbst Messie bin, kann ich dir vielleicht ein wenig klarer machen, mit was du es da zu tun hast. Ich möchte allerdings auch dazu anmerken, dass es sicherlich noch viele Leute gibt, die weitaus mehr Erfahrung besitzen und mehr zu deinen Problemen sagen können.

Ich selbst bin vor etwas über einem Jahr hier auf das Forum gestoßen, als ich mich vor mir selbst geoutet habe, dass ich Messie bin und mich entschlossen habe, mir Hilfe zu suchen. Früher habe ich mir immer wieder gesagt, ich kann einfach nicht aufräumen und keine Ordnung halten und sowas. Die Schränke waren völlig chaotisch und man hat niemals etwas gefunden, was man gerade gesucht hat. Ich kam immer mit Ausreden, wie z.B. Das Genie beherrscht das Chaos... und hab völlig wahllos weiter alles in Kisten oder Schränke gestopft.

Das Problem jedoch ist (und ich denke, dein Mann muss das für sich erst noch rausfinden), dass man sich selbst häufig nicht eingesteht, dass man ein gravierendes Problem hat, bei dem es wichtig ist, Hilfe von außen anzunehmen. Allerdings (und das ist wichtig für dich) ist das Messie-Dasein vergleichbar mit jeder anderen Sucht... solange der "Süchtige" die Sucht nicht als solche erkennt und für sich den Willen hat, etwas dagegen zu unternehmen, wirst du da auch nicht wirklich viel ändern können.
So wie ich das lese, scheint dein Mann jedoch einen Anfang gemacht zu haben, auch wenn es nur 5-7 Kisten am Tag sind, mit denen er sich auseinander setzt (auch wenn er sie nicht entrümpelt). Wir Messies haben viele Erinnerungsstücke, die wir nur schwer loslassen können (bei mir sind es z.B. Kisten voller alter Schulsachen, alte Klassenarbeiten oder ähnliches, bei denen es mir schwer fällt sie loszulassen). Als Messie muss man auch sowieso erstmal herausfinden, in welchem Rhythmus wir arbeiten können, wieviele Pausen wir brauchen (und davon brauchen wir viele, weil es einfach sehr kräftezehrend ist, einen Anfang zu machen und vor allem durchzuhalten). Wir haben außerdem gute und auch schlechte Tage... an guten Tagen läuft alles wie geschmiert und die Arbeit/Entrümpelung/das Putzen geht und leicht von der Hand... und an den schlechten Tagen ist es schon eine Qual die Zähne zu putzen oder so. Jedes Teil, dass wir entsorgen fühlt sich für uns (oder viele von uns) an, als würde ein Teil von uns selbst verschrottet werden. Es gehörte zu uns, machte einen Teil von uns aus... war vielleicht mal irgendwann besonders wichtig für uns oder ist mit einer schönen Erinnerung verbunden. Und deshalb ist es auch so schwer, etwas wegzuwerfen... es ist, als würden wir einen Körperteil verlieren, so unsinnig sich das vielleicht für dich anhören mag, für mich fühlt es sich immer wieder so an, obwohl ich mittlerweile auf dem Weg der Besserung bin, denn ich hab mir hier Hilfe gesucht und arbeite an meinem Problem.

Wie ist das denn bei deinem Mann, sieht er, dass er ein Problem hat? Oder sieht er derzeit nur, dass es Stress mit dir gibt, wenn sich nichts ändert?

Wenn er sieht, dass er ein Problem hat, dann ist es vielleicht möglich mit ihm über eine eventuelle Selbsthilfegruppe zu reden oder eine Therapie oder so, denn ganz klar muss gesagt sein, Messie-Dasein ist eine Krankheit, bei der es ohne den Willen des Kranken auch keine Heilung geben wird. Wichtig ist einfach, dass ER etwas ändern will!

Was außerdem ganz wichtig für dich noch ist, dass du realistisch bleibst... Was über viele, viele Jahre zugemüllt und zugestopft wurde... das kann von einem Messie selbst nicht binnen zwei oder drei Monaten entrümpelt werden... das braucht seine Zeit...
Natürlich kann man das alles von einer Firma entsorgen lassen und so, was aber am eigentlichen Problem für die Zukunft nichts ändern wird, denn es sind die Verhaltensweisen, die sich bei uns Messies verändern müssen, damit wir nicht in alten Schemata wieder reinrutschen und drin versumpfen.

Ich weiß nun nicht wirklich, ob dir das jetzt was bringt, was ich geschrieben habe, aber vielleicht können dir andere Mitleser ja dann irgendwie weiterhelfen.

Ich wünsche euch jedenfalls ganz viel Kraft und deinem Mann viel Motivation, sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen!

LG
Kerstin

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 Betreff des Beitrags: Re: Teresa stellt sich vor
BeitragVerfasst: 26.04.2011, 18:44 
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liest sich übel.
mit "messies brauchen mehr respekt" werde ich bestimmt nicht kommen, denn du schreibst schon sehr respektvoll.
ich denk, du mußt halt irgendwie gucken, dass du dich abgrenzt. wenn ich das mit den unbezahlten rechnungen lese, da kannst du als ehepartnerin irgendwann mit dran sein.
es tut mir irgendwie leid, weil du ja auch schreibst, dass er eigentlich nett ist. aber ich denke, dass du recht gut einschätzen kannst, wie die lage ist, und das mit der lawine liest sich realistisch.
deinem mann würde eine therapie wahrscheinlich gut tun, am besten verhaltenstherapie, so ne kombi aus verhaltensmassnahmen erarbeiten und gleichzeitig gucken, was das messitum ausgelöst hat.
zwangsweise wird das aber nicht gehen.
also wieder zurück zu meinem anfang, guck auf dich selbst, und wo DEINE grenzen sind.
ich lebe nicht in einer partnerschaft, von daher kann ich nicht so viel dazu sagen.
aber ich habe so von deinem schreiben nicht den eindruck, dass du groß was falsch gemacht hast. messiesein ist eine komplexe geschichte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Teresa stellt sich vor
BeitragVerfasst: 26.04.2011, 19:31 
An Kerstin und eiskristall,

ich danke Euch so sehr, Ihr wisst gar nicht wie sehr. Gestern war ich enorm mutlos und ganz ohne Hoffnung. Das Phänomen Co-Abhängigkeit ist mir sehr vertraut, früher hatte ich einen Mann, der eindeutig zuviel getrunken hat. Der war, glaube ich, auch Messie, aber damals kannte ich das Phänomen überhaupt nicht, und der hat immer wen gefunden, der für ihn aufräumte. Oder er hat irgendwann einen halben Tag lang laut schimpfend geräumt, und dann war das Ganze irgendwie kanalisiert. Seitdem kann ich mich auch, glaube ich, ganz gut abgrenzen. Obwohl ich schon merke, wie sehr Unordnung mir zu schaffen macht. HInter Unordnung vermute ich immer Schmutz, und ich bin in einem sehr reinlichen Haus aufgewachsen. So schlimm wie früher bin ich nicht mehr, aber der Kisteninhalt ist jedenfalls ganz und gar nicht reinlich, auch wenn man nicht sehr empfindlich ist. Wie ist es bei Dir, Kerstin? Sind die Sachen, die Du hortest, irgendwann nicht ungepflegt? Ich frage das nicht, um zu kritisieren, das will ich bestimmt nicht, sondern um zu verstehen, ob das immer mit einer gewissen Vermischung von Gutem und Schmutzigem einher geht, sodass man irgendwann "desensibilisiert" wird, oder so.
Ich hätte meinem Mann sehr gern Zeit gelassen. Er hatte zweieinhalb Jahre Zeit, in denen er nicht einmal angefangen hat. Ich verstehe auch das Phänomen, dass man irgendwie mit den Sachen verwächst, sodass das Wegschaffen sich wie Abreißen anfühlt. Mein Mann hat zwei Therapeuten aufgesucht. Denen hat er aber irgendwie gesagt, dass ich ein Problem habe. Oder dass ich das Problem bin. Einmal war ich mit ihm zusammen bei der Therapeutin. Die hat sich dann auf eine schöne lange Psychoanalyse eingerichtet und sich schon richtig gefreut. Aber sie hat uns keinerlei Mut gemacht, was die Erfolgsaussichten betrifft. Da haben wir dann abgesagt.
Die Wegschaffaktion habe ich initiiert, weil ich es erstens wirklich nicht in Ewigkeit bezahlen kann, Lager für um die 1.000 Bananenkisten mit Trend aufwärts zu unterhalten (denn er sammelt ja weiter), und zweitens auch, weil ich gehofft habe, dass er dann eher mal merkt, dass das ein Problem ist, und zwar nicht nur für mich.

Jetzt tut er mir entsetzlich leid.
Danke, dass Ihr mir so viel Mut macht!
Eure schon wieder recht optimistische Teresa


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 Betreff des Beitrags: Re: Teresa stellt sich vor
BeitragVerfasst: 27.04.2011, 21:19 
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Hallo Teresa,

du hast mich gefragt wie das bei mir ist...

teresa hat geschrieben:
Wie ist es bei Dir, Kerstin? Sind die Sachen, die Du hortest, irgendwann nicht ungepflegt? Ich frage das nicht, um zu kritisieren, das will ich bestimmt nicht, sondern um zu verstehen, ob das immer mit einer gewissen Vermischung von Gutem und Schmutzigem einher geht, sodass man irgendwann "desensibilisiert" wird, oder so.


Also, naja, ich weiß nicht recht, wo ich anfangen soll... es gibt Dinge, die mir wichtig sind, die ich horte, weil sie Erinnerungen für mich sind... die sind meistens ordentlich in Kartons gepackt. Wenn ich jedoch anfange und diese Kartons öffne, dann fang ich an drin rumzukruscheln und entdecke immer wieder neue geliebte Dinge und dann sehen die Kartons natürlich nicht mehr so schön aus und zugestaubt ist der ganze Kram sowieso, da ich in diverse Kisten ja schon über 10 Jahre nicht mehr reingeschaut hab oder so.

Aber Rechnungen und so einen Kram, was in diversen Schränken reingestopft wurde, das ist auch nicht gepflegt. Ich bin halt hauptsächlich ein Papier-Horter und kein Gegenstände-Horter oder so... Ich sammle in dem Sinne von Sammeln (z.B. bestimmte Porzellanfigurgen oder ähnliches) also nicht.

Aber alles in allem bin ich ziemlich perfektionistisch veranlagt, was es mir oft total schwer macht überhaupt Ordnung in Chaos zu bringen. Ich kann tausend Dinge von einem Tisch abräumen, bis der Tisch letztendlich frei ist... dann wird er geputzt und ein schönes Deckchen drauf gelegt und rundherum sieht's aus, als hätte ne Bombe eingeschlagen, weil ich zwar alles vom Tisch runtergeräumt hab, aber willkührlich in irgendwelche anderen Ecken gestopft habe... dafür ist der Tisch dann aber perfekt. :roll: Bringt auf Dauer leider überhaupt gar nix, aber naja, ich tue wenigstens etwas und raffe mich auf... jeden Tag versuch ich es auf's Neue.

So ist das bei mir und ich hoffe, ich hab jetzt um deine eigentliche Frage nicht drumherum gequasselt.^^

LG
Kerstin

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 Betreff des Beitrags: Re: Teresa sagt herzlich danke!
BeitragVerfasst: 28.04.2011, 08:23 
Nein, liebe Kerstin, ganz und gar nicht drum herum geredet. Ich danke Dir sehr. Es klingt sehr, sehr traurig, was Du schreibst. Ich empfinde Ordnung als Segen. Dadurch ist auch Schönheit in meinen Dingen möglich. Schönheit, glaube ich, können nur Menschen empfinden, das Unterscheidet Menschen von anderen Wesen.
Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du Wege hast, die Dich Schönheit wahrnehmen lassen!

Ich selbst, glaube ich, muss mich mit meinem Verhältnis zu Ordnung und Sauberkeit auseinander setzen. Vielleicht ist ja nicht alles, was mir so wichtig scheint, wirklich überlebensnotwendig. (Hier wäre jetzt ein Rollaugensmiley, wenn ich nicht zu blöd dafür wäre!)
Bis bald,
Teresa


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 Betreff des Beitrags: Re: Teresa stellt sich vor
BeitragVerfasst: 28.04.2011, 18:51 
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Hm, das liest sich wirklich nicht so einfach. Ich lebe ja seit vielen Jahren in einer relativ glücklichen "Mischehe": Ich bin die Chaotin, die oft nicht blickt, was zu tun ist; er ist tendentiell ein Sammler, der nicht gerne wegwirft, was er mal irgendwann brauchen könnte. Sprich: Erst zusammen sind wir richtige Messies ;) . (und mit meinen Eltern als Beispiel sehe ich gerade, wie sowas weitergehen kann, wenn wir eines Tages älter sind und weniger Energie haben...)
Ich weiß gut, wie sauer ich oft bin, wenn irgendwelches Zeug den Platz besetzt, den ich mühsam und mit viel Überwindung frei- oder aufgeräumt habe. Daher kann ich mir gut vorstellen, wie es für dich allmählich enger wird.
Ich kann mich den anderen nur anschließen: Auf die eigenen Grenzen achten ist erst mal das Wichtigste.

_________________
Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!


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 Betreff des Beitrags: Re: Teresa stellt sich vor
BeitragVerfasst: 28.04.2011, 19:34 
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Hallo Teresa,

ich lese deine Berichte und die Kommentare meiner Leidensgenossen hier. Fast überall finde ich mich zu Teil wieder.
Dein Mann scheint sich ja schon seines Problems bewusst zu sein.

Könnte er nicht hier mitschreiben? Hier wird er dann wirklich verstanden und kann das Problem Schritt für Schritt angehen.
Nicht-Messies verstehen viel nicht. Ich habe nie darüber gesprochen, mich nur immer entschuldigt und gerechtfertigt.
Seit ich hier bin habe ich viel geschafft. Nicht nur auf das Aufräumen und Putzen bezogen - ich kann hier auch darüber nachdenken, warum und wieso und....

Vielleicht hätte er Interesse hier selbst mal über sein Problem zu schreiben. Meine Erfahrung ist, daß es sehr hilft.

Denkst du, er wäre dazu bereit?

Liebe Grüße

Moni


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 Betreff des Beitrags: Re: Teresa stellt sich vor
BeitragVerfasst: 28.04.2011, 21:28 
Liebe Moni,
danke für Dein Mitgefühl. Nein, er will weder eine Therapie noch sonst irgendwas. Ich bin sein Problem. Im Moment ist er einfach nur sauer. Und das von morgens bis abends. Wir haben heute den ganzen Tag geräumt, das ging irgendwie, mit gaaanz viel Kontrolle, was ich da mache, aber auch einem soliden Schuss Resignation, mit mich aus dem Lagercontainer hinausstoßen, sodass ich über mehrere Kisten geflogen bin. Wir haben von 450 auf 63 Kisten reduziert, in den letzten drei Wochen. Das ging aber nur, weil ich gedroht habe, dass ich das Lager ansonsten platt mache. Und weil ich vorher schon mit zwei Lagern Ernst gemacht habe. Es kostet nämlich monatlich richtig Geld! Damit ich das Lager nicht mehr bezahlen muss, verdränge ich den Ekel beim Anblick des Inhaltes (mehrere Jahre alte Wurst, Mehl und Grieß und so, in denen nicht mal mehr was lebte, seit vielen Jahren nicht abgewaschene, verdreckte und fettige Teile von Küchenmaschinen) und das alles vermischt mit alten Zeitungen, auf dies es mal raufgeregnet hat, mal waren sie Futter für Mäuse. Ich habe den Inhalt meiner eigenen Papierkörbe und meine eigenen beruflichen Unterlagen dazwischen gefunden. Bei unserem Umzug ist er offenbar so in Hektik geraten, dass er alles durcheinander geschmissen hat.
Ich habe keine Vorstellung, ob er Problembewusstsein hat, irgendwie vermutlich schon. Darüber spricht er nicht. Abgrenzen ist nicht einfach, weil er finanziell an mir hängt. Er hat früher nur etwas bezahlt, wenn es ihm gerade in die Hände fiel - wie ich inzwischen weiß. Wenn er das in Zukunft so macht, ist auch meine Bonität im Eimer, dann kann ich meinem Beruf nicht mehr nachgehen. Und er selbst hat kein Einkommen, sondern eigentlich nur das Pflegegeld seiner Mutter, und davon zahlen wir seine Altersvorsorge, um die er sich früher auch nicht gekümmert hat. Und so langsam kriege ich so richtig Lust, mich mal sehr gründlich abzugrenzen.
Na ja, genug gemeckert. Ich kann es nicht nachfühlen, wie es ihm geht, aber verstehen (so mit dem Kopf) kann ich es schon. Ich hoffe, dass mit wachsendem Druck sein Leidensdruck so steigt, dass er merkt, dass andere doch anders als er empfinden.
Traurige, aber nicht völlig mutlose Grüße
Teresa


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 Betreff des Beitrags: Re: Teresa stellt sich vor
BeitragVerfasst: 29.04.2011, 10:49 
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Beiträge: 5898
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Liebe Theresa!

Leider dürfte dein Mann schon ziemlich tief in der Messieproblematik verstrickt sein. So leicht wird er ohne professionelle Hilfe da nicht rausfinden und ich bezweifle, dass du auf Dauer als "Gouvernante" deines Mannes glücklich wirst.
Die meisten von uns hier sind relativ gesehen harmlose Fälle und trotzdem durchleben wir immer wieder sämtliche Stadien von Hoffnungslosigkeit und Resignation und selbst nach gewissen Fortschritten kann ein kleiner Zwischenfall genügen, dass man wieder im ärgsten Choas versinkt.
Wie schlimm muß sich erst dein Mann fühlen!? Und wie schwer das Ganze für dich mitzuerleben!
Ich sehe, dass du ihm helfen willst und finde es großartig, dass du mitanpackst. Daher tut es mir auch leid, dass ich dir jetzt womöglich deine Hoffnungen zerstöre. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Entrümpeln und Wegwerfen allein die endgültige Lösung des Problems ist.
Es ist sehr wichtig, dass dieses Gerümpel wegkommt, auch wegen der dafür anfallenden Mietkosten. Nur wie verhindert man, dass nicht anderswo neue Deponien eröffnet werden? Wie soll künftig der gemeinsame Haushalt aussehen? Willst du künftig alle Hausarbeit übernehmen und ständig hinter jedem einzelnen Stück herlaufen, um ein Wiederabgleiten zu verhindern?

Ich kann nur von mir ausgehen. Wenn mein Mann mein Zeug entrümpelt hätte, wäre ich mehr als sauer auf ihn geworden. Meine Sachen gehören mir und die hat niemand anderer anzugreifen, außer ich erlaube es ihm. Allerdings hab ich keinen Müll herumliegen, sondern nur vielzuviel Sachen, von denen ich mich schwer trennen kann.
In einer Partnerschaft haben beide Teile Verpflichtungen. Mein Mann hat genausoviel Recht auf eine gerümpelfreie Wohnung, wie ich auf meine Sammelleidenschaft. Daher ist es notwenig Kompromisse zu finden, mit denen beide leben können.
Bei uns funktioniert es bloß, weil wir strikte Vereinbarungen haben, welche Teile der Wohnung frei sein müssen und welche Bereiche nur nach Vorwarnung und Terminsetzung begehbar. Wenn es notwendig ist, dann weiß ich, ich muß dort Ordnung schaffen und halte mich daran. Ohne Termindruck zwischendurch würde ich das Entrümpeln und Zusammenräumen von Lust und Laune abhängig machen. Also eher seltener in der richtigen Stimmung sein.

Was würde ich in so einem Fall machen? Abgrenzung ist schon einmal eine gute Idee. Aber auch ein Utimatum setzen, natürlich mit dem Hilfsangebot mitzuarbeiten.
Wenn bis zum...nicht das und das erledigt ist, dann.................
im Extremfall bis zu räumlich getrennten Wohnungen!
Es findet sich immer eine Lösung für eine saubere Trennung nach außen hin. Es sollte sogar eine exakte finanzielle Vereinbarung getroffen werden. Wie willst du sonst verhindern, dass dein Mann ein neues Lager anmietet, Schulden macht und du dafür aufkommen mußt?
Bei uns in Ö. wäre es so, dass mein Mann bei Gericht deponieren müßte, dass er nicht weiter gewillt ist meine Schulden zu begleichen. Dann dürfte ich nur noch die notwenigen Dinge des täglichen Lebens einkaufen und nicht mehr. So aber könnte ich heute eine neue Küche bestellen und ihm die Rechnung schicken. Er ist verpflichtet für mich zu sorgen und alle meine Einkäufe zu bezahlen. Ich als "Nur-Hausfrau" bin aber auch verpflichtet so einigermaßen meinen "Job" zu erledigen.
Wie es in Deutschland ist, weiß ich leider nicht, aber ich würde dir raten dich umgehend rechtlich zu informieren.
Wenn dein Mann zu spüren bekommt, welche Auswirkungen sein Verhalten haben kann, wird er vielleicht doch etwas mehr Bereitschaft zur Problemlösung zeigen.

Ich wünsche dir alles Gute
LG Gisi

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Es geht im Leben nicht darum, zu warten bis das Unwetter vorbeizieht. Es geht darum, zu lernen im Regen zu tanzen.


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